Giftstoff mit Langzeitwirkung

11. Juni 2004, 20:15
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Experten rechnen mit weiterer Zunahme Asbest-verursachter Krankheiten - Gipfel zwischen 2010 und 2020 erreicht

Linz - Gesundheitsexperten rechnen mit einem deutlichen Anstieg von speziellen Erkrankungen als Spätfolge von Asbestbelastung. Da die gesundheitliche Auswirkung des krebsauslösenden Baustoffes teilweise erst nach Jahrzehnten auftrete, sei trotz des Asbestverbotes in Österreich seit 1993 mit einem Anstieg "asbestverursachter Erkrankungen" zu rechnen. Den Gipfel der Krankheitsfälle werde man zwischen 2010 und 2020 erreichen, berichtete die oberösterreichische Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger (S) in einer Pressekonferenz am Montag in Linz unter Berufung auf die Fachleute. Ein neues Vorsorgeprojekt des Landes Oberösterreich, der AUVA und des BBRZ Österreichs soll jetzt diesem bedenklichen "Trend" österreichweit entgegenwirken.

Die Dunkelziffer der Betroffenen sei besonders hoch, denn nicht nur Mitarbeiter aus der Asbest verarbeitenden Industrie seien betroffen, sondern auch Arbeitnehmer aus etlichen anderen Berufssparten, betonte Stöger (S). Die AUVA und das Land Oberösterreich hätten daher beschlossen, das BBRZ - das Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum - Österreich mit der "Durchführung eines Projekts zur Nachsorge nach ehemaliger beruflicher Asbestexposition zu beauftragen", so Stöger.

Aufklärungsarbeit

Zur Umsetzung des Projektes in Oberösterreich würden jetzt landesweit spezielle Beratungsstellen errichtet werden. "Ziel ist es, betroffenen Arbeitnehmern und Unternehmen umfangreiche Informationen, eine individuelle Begleitung und die Möglichkeit zu prophylaktischen Untersuchungen zu bieten", so Stöger. Wichtig sei es, mit einer "breiten Aufklärungsarbeit" das Informationsdefizit bei den betroffenen Berufsgruppen stufenweise abzubauen.

"Durch das generelle Asbestverbot als Werkstoff wurde eine primäre Gesundheitsprophylaxe geschaffen, für all jene, die seinerzeit immer wieder mit Asbest zu tun hatten, bleibt jetzt nur noch die sekundäre Prophylaxe. Ziel der Aktion zur Asbestnachsorge ist es daher, etwa einen Lungenkrebs, der auch Jahrzehnte nach der Exposition auftreten kann, möglichst früh zu erkennen", betonte der Direktor für Prävention in der Hauptstelle der AUVA, Norbert Winker.

In Pension, doch nciht außer Gefahr

Die sekundäre Prophylaxe werde leider dadurch erschwert, dass die meisten ehemals an Asbest Exponierten nicht mehr im aktiven Erwerbsleben stehen und dadurch nicht mehr über ihre Betriebe erreichbar seien. "Deshalb wollen wir mit jetzigen Projekt möglichst viele für eine Teilnahme an dem Projekt erreichen", sagte Winker.

"Nach Erhebung mit Fragebogen zur Tätigkeit und Dauer der Asbestexposition und der Rauchgewohnheiten wird Betroffenen eine freiwillige medizinische Untersuchung in Wohnortnähe angeboten", erklärte Irmgard Schiller-Frühwirth von der chefärztlichen Station der AUVA den Untersuchungsablauf.(APA)

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