Kontrastprogramm zur Ödnis aus der Kiste

9. Juli 2004, 23:31
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Drei Nächte im fernseherlosen Gartenhäuschen

Das Gartenhäuschen ist keines: Der Garten fehlt. Aber ansonsten kann das kleine Häuschen in einem Hinterhof des siebten Bezirks in Wien so ziemlich alles, was Gartenhäuschen – und wir reden hier nicht von den Datscha gewordenen Schrebergartenvillen der Mundls von heute – in meiner Kindheit als solche qualifizierte: Behelfsbetten mit allerlei Kratz- und Kuscheldecken, emaillierte Waschbecklein ohne Warmwasser, Tische und Stühle in seltsamen Agglomerationen – und Bücherregale. Bücherregale voll Ramsch. Voll mit Büchern, die man nicht wegwirft (weil man sowas nicht tut), aber halt nicht im Wohnzimmer will: Großvaters (und -mutters) "Jerry Cotton"-, "Perry Rhodan"-, Konsalik-, Simmel- und sonstige Trashlaufmeter. Ratgeber, Steinzeit-Technikfibeln, Bildbände, Kochbücher.

Drei Nächte werde ich im Gartenhäuschen wohnen. Familienbesuch aus Irgendwo hat mein Heim besetzt – und ich liebe die Besucher dafür. Wieso? Fast hätte ich vergessen, es zu erwähnen (so wenig geht er mir also ab): Das Gartenhäuschen ist fernseherlos.

Hierzublatt beklagte man gerade – wie üblich – die Ödnis aus der Kiste. Ich konnte nicht mitreden: Ich bin bei "G-man" Cotton weggemützt. Lesend also. Ein Kollege hat angefragt, ob er auch im Gartenhäuschen übernachten darf. Ein Campingbett sollte sich finden lassen. (rott/DER STANDARD; Printausgabe, 8.6.2004)

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