Postbank: Börsengang "zum Erfolg verurteilt"

21. Juni 2004, 17:22
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Erste Großemission seit drei Jahren in Deutschland - Kein Boom im vorbörslichen Handel - Angebotsspanne: 31,50 bis 36,50 Euro

Frankfurt - "Der Postbank-Börsengang kommt", zeigte sich Postchef Klaus Zumwinkel am Montag zu Beginn der Zeichnungsfrist für die Postbank-Aktie überzeugt. Und auch Anleger und Kapitalmärkte hoffen, dass der erste große Börsengang seit drei Jahren in Deutschland endlich das Eis bricht für weitere IPOs.

Allerdings ist die Preisspanne zwischen 31,50 und 36,50 Euro aus Sicht von Fonds und Aktionärsvertretern relativ hoch. Ein Schnäppchen ist die Postbank-Aktie nicht, so die einhellige Meinung. Den Erlös von mindestens 2,58 Mrd. Euro will die Post für den Ausbau ihres Netzes, den Abbau von Schulden aber auch für mögliche Akquisitionen verwenden.

Gegen Konsortialbanken durchgesetzt

Offenbar habe sich Zumwinkel bei der Festsetzung der Preisspanne gegen die Konsortialbanken durchgesetzt, meint Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Zumwinkel argumentiert dagegen: "Die Postbank ist ein solides und wachstumsorientiertes Investment.

Diese Einschätzung wurde uns in den vergangenen Wochen durch das Pre-Marketing mit über 300 Investoren eindrucksvoll bestätigt." Die Rückmeldungen hätten gezeigt, dass die Preisspanne die Richtige sei.

50 Prozent minus einer Aktie

Die Post AG will 50 Prozent minus eine Aktie ihrer Banktochter an die Börse bringen. Zumwinkel bekräftigte erneut, die Post wolle dauerhaft die Mehrheit an der Postbank halten, um Synergien zu nutzen. Mit rund 11,5 Millionen Kunden ist die Postbank die größte Privatkundenbank Deutschlands.

Dass Fonds im Vorfeld eines Börsengangs eher einen niedrigeren Preis forderten, sei nur natürlich, sagte Zumwinkel. Diskussionen über den Preis der Postbank-Aktie waren auch deswegen aufgekommen, weil ein internes Papier der Konsortialführerin Deutsche Bank durchgesickert war.

Darin wurde der Marktwert der Postbank nur mit 4,4 bis 5,3 Mrd. Euro eingeordnet. Die jetzt festgelegte Preisspanne geht von einem Marktwert von knapp 6 Mrd. Euro aus und orientiert sich damit eng an den Vorstellungen der Post.

"Ambitioniert"

"Es ist schon ambitioniert, was sich die Postbank vorgenommen hat", meint Aktionärsschützer Kurz. Und ergänzt: "Es wäre für den deutschen Emissionsmarkt eine Katastrophe, wenn der Börsengang abgesagt würde. Dann wird es dieses Jahr keinen IPO mehr geben." In der Vergangenheit hatten bereits drei Unternehmen unter anderem wegen mangelnder Nachfrage ihren Gang aufs Parkett abgesagt.

"Dieser Börsengang ist zum Erfolg verurteilt", meint Kurz denn auch. Er gehe allerdings davon aus, dass der erste Kurs der Postbank-Aktie, die am 21. Juni erstmals an der Börse notieren soll, über dem Ausgabepreis liegen werde. Dafür würden die Konsortialbanken schon sorgen.

Der Aktionärsvertreter rechnet damit, dass der endgültige Ausgabepreis bei 31,50 bis 32,50 Euro - also am unteren Ende der Emissionsspanne - liegen dürfte. Denn nach seiner Einschätzung ist die Skepsis der institutionellen Anleger zu groß für einen höheren Preis. Wahnsinnig überteuert sei die Postbank-Aktie aber nicht.

Alle hoffen auf einen Erfolg

Auch für Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger wäre ein Scheitern des Börsengangs kein gutes Zeichen für den deutschen Finanzplatz. "Wir müssen uns es wünschen, dass es gelingt."

Die Emissionsspanne ist aus ihrer Sicht erstaunlich hoch. Viele Privatanleger dürften sich wohl sagen: "Ein Schnäppchen wird das nicht werden." Was an Kurssteigerungspotenzial drin gewesen sei, scheine schon fast in der Preisspanne enthalten, meint Keitel.

Positive Reaktionen

Postbank-Vorstandschef Wulf von Schimmelmann weist dagegen auf positive Reaktionen von Kleinanlegern hin. Zudem zeigten insbesondere ausländische Investoren Interesse an der Postbank.

Das Geschäftsmodell einer Retailbank sei vor allem im angelsächsischen Raum bekannt und die Postbank sei die einzige echte Privatkundenbank in Deutschland. "Ich kann überhaupt nicht erkennen, dass es mit Fonds nicht klappt," sagt Schimmelmann.

Kein Boom im vorbörslichen Hande

Im vorbörslichen Handel gab es nach Angaben eines Aktienhändlers von Lang & Schwarz am Montag allerdings keinen Boom, die Postbank-Aktien notierten lediglich im unteren Drittel der Angebotsspanne. Das Interesse an der Aktie dürfte ruhig ein bisschen größer sein, sagte der Händler.

Offenbar seien die Anleger noch schockiert von der Preisspanne und den damit verbundenen Kommentaren. Allerdings sei der Markt derzeit generell auch nicht euphorisch.

Der Börsegang der Postbank, deren Aktien institutionellen und privaten Anlegern in Deutschland und institutionellen Investoren im Ausland offeriert wird, ist der erste größere Börsengang in Deutschland seit eineinhalb Jahren.

In diesem Jahr wagten sich erst der Fahrradproduzent MIFA und der Geldautomaten-Hersteller Wincor Nixdorf auf das Parkett. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland keinen Börsengang. (APA)

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    foto: postbank
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