Der MBA als Wellnessfaktor

21. März 2007, 16:36
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Es gibt vielfältige Motive, ein postgraduales Studium zu beginnen. Hier die Bekenntnisse eines spät zum Studium berufenen Praktikers

Vor etwas mehr als eineinhalb Jahren sprang Georg Mann*, Jahrgang 1958, das Inserat einer Privatuniversität im STANDARD an. Beworben wurde eine viersemestrige Ausbildung zum Master of Human Resources and Organisational Development.

"Weil mich die Inhalte angesprochen haben, ließ ich mir die Unterlagen zusenden", erinnert sich Mann. Der seit sieben Jahren als selbstständiger Consultant tätige Praktiker wollte seinen Rat, der sich ohnehin reger Nachfrage erfreut, mit einer theoretisch, wissenschaftlichen Basis untermauern. "Karriereziele waren nicht Bestandteil meiner Überlegungen, denn ich kann da, wo ich jetzt bin, nicht mehr werden", macht sich der verheiratete Vater einer Tochter im Volksschulalter keine Illusionen. Als immateriellen Master-Bonus sieht er die Möglichkeit, seinen Rat mit Quellenangaben anzureichern und mit Literaturhinweisen. Und letztlich sollten in einem halben Jahr, wenn das Studium abgeschlossen ist, auch seine Tagessätze um 20 Prozent steigen.

Der Mann verbringt, seit er inskribiert hat, 70 Prozent seiner aktiven Zeit mit Arbeiten und 30 Prozent mit Lernen. Die Entscheidung für "seine Uni" habe er aus dem Bauch getroffen: "Weil mir die Unterlagen, die per Post eingelangt waren, gefielen, machte ich einen Gesprächstermin vor Ort aus. Der Lokalaugenschein bestätigte bezüglich räumlichen Umfeld und Architektur der Institution die positiven Erwartungen, und sein Visavis beim Bewerbungsgespräch war überzeugend. Ob er seine Bauch-Entscheidung bisher bereut hat? "Wenn ich nochmals vor der Wahl stünde, würde ich vorweg mehr über die Vortragenden und deren Methoden recherchieren."

Die Abstimmung der einzelnen Vorträge wäre optimierbar, die Pädagogik ist vereinzelt auch nicht das "Gelbe vom Ei". "Von einem Lehrenden erwarte ich mir mehr als an die Wand gepoppte Charts, nämlich Beispiele aus der Praxis. Aber da hat anscheinend so mancher Angst, sich die eigene Konkurrenz heranzuziehen", mutmaßt Mann.

Seine persönliche Performance wird dieser Umstand nicht beeinträchtigen, da der Patchwork-Karrierist, dessen Werdegang im Bankensektor begonnen hat, ehe er über die Kommunikations- und Medienbranche ins Beratergeschäft führte, genügend praktische Erfahrung hat. - Im Gegensatz zu seiner bunten Kommilitonenschaft aus den Bereichen Telekom bis Gastwirtschaft, Personalisten bis Militaristen, die inskribiert haben, um sich nach dem Studium selbstständig zu machen. (zug, Der Standard, Printausgabe 5./6.6.2004)

*Name von der Redaktion geändert.
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