"Viel Feind, viel Ehr"

15. Juni 2004, 15:34
14 Postings

Michael Krammer, Chef des heimischen Mobilfunkers tele.ring, zu Tarifkampf, Tarifdschungel und Rufnummernmitnahme

tele.ring-Chef Michael Krammer gab sich im WebStandard-Chat überzeugt, "dass in Österreich mittelfristig auch für vier Betreiber Platz ist". Viele Fragen der Leserinnen und Leser gab es zum seit Februar heftig geführten Tarifkampf der Mobilfunker.

Interconnection-Fees

Zu dem Vorwurf, die drei etablierten Mobilfunk-Anbieter müssen tele.ring durch höhere Interconnection-Fees (Anm.: Gebühr für die Verrechnung von Anrufen unter den Betreibern) subventionieren, sagte Krammer: "Jeder Betreiber hat in seiner Startphase ein höheres Interconnect-Entgelt erhalten. Der Sinn dahinter ist die Assymetrie zwischen den Minuten, die in ein anderes Netz telefoniert werden, und jenen Minuten, die von einem anderen Netz kommen, auszugleichen. tele.ring als der jüngste Betreiber hat deswegen noch etwas höhere IC-Entgelte als die anderen." Allerdings ist es für den tele.ring-Chef "jedoch unverständlich, warum zum Beispiel T-Mobile nach acht Jahren im Markt noch immer ein um 21 Prozent höheres Interconnect-Entgelt kassiert als A1".

Florianiprinzip

Zur "Angst vor Handymasten-Problematik" erklärte der tele.ring-Chef: "Diese Besorgnis erinnert mich immer an das Florianiprinzip, jeder will möglichst überall telefonieren, nur Sendestationen soll es keine geben. Ich habe schon Fälle erlebt wo Anrainer über Kopfschmerzen, Übelkeit und sonstige Krankheitssymptome geklagt haben, weil ein neuer Handymast in ihrer Nähe errichtet wurde. Die Krankheitssymptome traten jedoch schon auf, bevor die Station tatsächlich in Betrieb genommen wurde. Wir unterschreiten in Österreich alle vorgegebenen Richtwerte deutlich." Auf die Frage ob rapider Kundenzuwachs auch Wachstum bezüglich Mitarbeiteranzahl bedeute, sagte Krammer, dass tele.ring bis Jahresende "50 Arbeitsplätze zusätzlich schaffen" und seine Mitarbeiterzahl somit auf 580 steigern will.

Das Protokoll zur Nachlese

MODERATOR derStandard.at begrüßt Herrn Krammer im Chat. Wir bitten um Fragen. Der Chat kann beginnen ...
Michael Krammer Foto: derStandard.at/Kathrein
Guten Morgen, es kann losgehen.
Micaela_M Ab Herbst soll es die Rufnummernmitnahme geben. Finden Sie das sinnvoll? Erwartet tele.ring mehr KundInnen?
Michael Krammer Natürlich ist die Rufnummernmitnahme sinnvoll - ein Kundenservice, auf das die ÖsterreicherInnen schon sehr lange warten. tele.ring erwartet sich besonders im Bereich der Businesskunden (Klein- und Mittelbetriebe) Zuwächse.
kalind Herr Krammer, warum wird tele.ring sosehr vom Marktführer angefeindet?
Michael Krammer Man könnte sagen: "Viel Feind, viel Ehr", Spaß beiseite, es ist mir lieber, die KundInnen mögen uns.
zwickl Von welchen der drei Speckies wandern die meisten Kunden zu Ihnen? Dem Blauen den Grauen oder dem Magentagrünen?
Michael Krammer Soweit wir wissen, kommen unsere KundInnen zu gleichen Teilen von allen drei Farben. Das ist jetzt für die einen im Vergleich zu ihrem Marktanteil relativ gut und für manche relativ schlecht.
UserInnen-Frage per Mail:  Wie lange kann tele.ring die momentanen Kampfpreise halten, ohne selbst in Schwierigkeiten zu kommen?
Michael Krammer Unsere Tarife sind Standardtarife und richten sich nicht gegen Konkurrenten, sondern sind in erster Linie für unsere KundInnen da. tele.ring hat in den letzten Quartalen bewiesen, dass mit diesen Tarifen hohe Profitabilität möglich ist, Voraussetzung dafür ist unsere Kostenführerschaft und Effizienz.
zwickl Wie weit wird die Tarifschlacht gehen? Werden wir irgendeinmal Geld fürs telefonieren bekommen?
Michael Krammer Ich würde das nicht als Schlacht bezeichnen. Egal wie weit es geht, tele.ring steht was das Preis-Leistungs-Verhältnis betriff in jedem Fall ganz vorne.
UserInnen-Frage per Mail:  Die Arbeiterkammer hat unlängst den "Undurchdringlichen Tarifdschungel für Handy-Kunden" kritisiert. Ist es für Normalsterbliche überhaupt noch möglich, die verschiedenen Angebote der einzelnen Anbieter seriös mit einander zu vergleichen?
Michael Krammer Offensichtlich ist der Dschungel schon so dicht, dass nicht einmal die Arbeiterkammer durchblickt. Nach dieser Studie müsste der VKI auf VKDI - Verein für Konsumentendesinformation umbenannt werden. Bei tele.ring gibt es drei Standardtarife, die seit langer Zeit unverändert sind. Wir geben Tarifänderungen immer an alle Bestandskunden weiter.

Keine Zusatzkosten, keine Umstiegsgebühren, kein Tarifwechsel. Klar, übersichtlich und fair. Unser Ziel ist es tele.ring in diesem Dschungel als "die" glaubwürdige Marke zu positionieren.

dahofer Sie bieten 1 Cent für SMS ins eigene Netz. Besteht die Überlegung, dieses Angebot auf die anderen Netze auszudehnen?
Michael Krammer Diese Überlegung gibt es derzeit nicht, da beim Versenden von SMS in Fremdnetze zwischen den Betreibern sogenannte Interconnect-Gebühren verrechnet werden, die deutlich höher sind als 1 Cent.
Vafanbagnio Ihren Westernhelden entkommt man eigentlich nicht mehr - setzt bei der Werbung nicht schon der tele.ring- Speck an?
Michael Krammer Unser Anteil an den Gesamtwerbeausgaben im Mobilfunkmarkt beträgt exakt 16 Prozent. Damit sind wir die Nummer 4. Wir freuen uns darüber, dass die Wahrnehmung unserer Werbebotschaft weit größer ist als unser Anteil an den Ausgaben. Auch hier arbeiten wir sehr effizient.
Brieftaube Rapider Kundenzuwachs bedeutet doch auch Wachstum bezüglich Mitarbeiteranzahl?!
Michael Krammer tele.ring hat derzeit 530 Mitarbeiter und wird bis Jahresende noch ca. 50 Arbeitsplätze zusätzlich schaffen. Wir rechnen also Ende 2004 mit 580 Mitarbeitern.
zwickl Wie sieht es mit den UMTS-Plänen von tele.ring aus?
Michael Krammer tele.ring hat die regulatorischen Rahmenbedingungen erfüllt und knapp 27 Prozent Coverage ausgebaut. Ich sehe einen wirklichen Bedarf für UMTS mit Ende des Jahres 2005. tele.ring wird vor allem in den Ballungszentren sein UMTS-Netz bis dahin so ausbauen, dass Sprachtelefonie in noch besserer Qualität (und dabei effizienter) und eine hohe Datenübertragungsrate möglich sein wird.

Vorraussetzung dafür sind allerdings Endgeräte, die in ihren Leistungsmerkmalen und im Preis mit heutigen GSM-Handys vergleichbar sind.

Vafanbagnio Vor kurzem geisterten Meldungen durch die Branche, das tele.ring - H3G ("Drei") schluckt. Würde das für Sie Sinn machen?
Michael Krammer Zu Gerüchten nehme ich grundsätzlich nicht Stellung. Das hat tele.ring immer so gehalten.
super3sonic Es wird immer gemunkelt, dass in Österreich nur Platz für zwei, maximal drei Anbieter ist, wer fliegt Ihrer Meinung nach raus?
Michael Krammer Ich bin überzeugt, dass in Österreich mittelfristig auch für vier Betreiber Platz ist. Vorraussetzung dafür ist jedoch, dass einige Marktbegleiter ihre Grundsatzphilosophie vom "Cost based pricing" in "Price based costing" ändern. tele.ring hat seine Kostenstrukturen rechtzeitig für den Verdrängungswettbewerb ausgerichtet. Wie viel auch immer es sein werden, tele.ring ist dabei.
Giphtzwerg Wie realistisch ist es, dass tele.ring von Platz 4 auf Platz 3 oder gar 2 aufrückt?
Michael Krammer Volumensmarktanteile interessieren uns nicht. Es geht nicht darum, möglichst viele inaktive Prepaid-Kunden in der Statistik zu haben. Wenn es um "Value market shares" (Umsatzmarktanteile) geht, so bin ich mir sicher, dass sich tele.ring in absehbarer Zeit unter den Top 3 etabliert. Beginnend mit Platz 3 ist eine weitere Positionsverbesserung nicht ausgeschlossen.
Giphtzwerg Wo hat tele.ring noch Entwicklungspotential?
Michael Krammer Wir sehen unser Hauptentwicklungspotential einerseits regional, im Großraum Wien und Umgebung. Hätten wir hier ähnliche Kundenzahlen wie in Tirol, Vorarlberg und Kärnten, wären wir gemessen nach Value shares schon Nummer 3. Andererseits gibt es für uns noch erhebliches Wachstumspotential im Segment der Klein- und Mittelunternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern.
Vafanbagnio Wie viele Sendemasten gibt es bei tele.ring ?
Michael Krammer Wir haben insgesamt 3700 Basisstationen, wobei sich nur ein geringer Teil auf freistehenden Masten befindet. Über 1000 unserer Basisstationen befinden sich zum Beispiel auf Strommasten. Das stammt noch aus jener Zeit, in der die Verbund-Gesellschaft Miteigentümer der tele.ring war.
Giphtzwerg Verstehen Sie die Besorgnis von Anrainern, die nicht wollen, dass Handymasten in der nähe ihrer Häuser aufgestellt werden?
Michael Krammer Diese Besorgnis erinnert mich immer an das Florianiprinzip, jeder will möglichst überall telefonieren, nur Sendestationen soll es keine geben. Ich habe schon Fälle erlebt wo Anrainer über Kopfschmerzen, Übelkeit und sonstige Krankheitssymptome geklagt haben, weil ein neuer Handymast in ihrer Nähe errichtet wurde. Die Krankheitssymptome traten jedoch schon auf, bevor die Station tatsächlich in Betrieb genommen wurde.

Wir unterschreiten in Österreich alle vorgegebenen Richtwerte deutlich.

derStandort In Zeiten des EU-Wahlkampfes stellt sich die Frage, ob und wie tele.ring auf europäischer Ebene agieren will - Kooperationen, Übernahmen, etc.?
Michael Krammer Unsere Mutter Western Wireless International ist in Slowenien und Irland mit weiteren Tochtergesellschaften vertreten. tele.ring konzentriert sich voll auf den österreichischen Markt und die Bedürfnisse der österreichischen KundInnen.
Vafanbagnio Vodafone A1 und H3G sehen den Sinn ihres UMTS-Netzes, zu Medienhäusern zu werden und stellen die Nachrichten und nicht den Transport selbiger in den Vordergrund - Macht das Sinn?
Michael Krammer tele.ring wird sicher kein Medienhaus, wir bleiben Netzbetreiber. Über offene Schnittstellen werden wir im Rahmen unserer "Open Platform Strategy" den Netzzugang, aber auch den Kundenzugang, mit dem dazugehörigen Businessmodell allen Content-Lieferanten anbieten.
zwickl Wie sieht Ihrer Meinung nach die Killerapplikation im Jahr 2005 aus?
Michael Krammer Wenn man unter Killeraapplikation jenen Dienst versteht, den ein Großteil der Kunden nutzen und mit dem man als Betreiber auch Geld verdienen kann, so kann das auch 2005 auch die Sprachtelefonie sein. Darüber hinaus gibt es einerseits die Individualisierung der Endgeräte mit Ringtones, Logos und Wallpapers und andererseits den "User generated content". Also SMS, MMS und Mobile E-Mail.
Giphtzwerg Profitieren Sie eigentlich von "neues Handy am Markt - um 0 Euro bei dem Anbieter - ich wechsle wegen dem Handy"-Effekt?
Michael Krammer Ich glaube, dass sich hohe Subventionen in Endgeräte nicht rechnen. Viele "Schnäppchenjäger" besorgen sich bei einem Anbieter ein günstiges Endgerät in Kombination mit einem Tarif mit geringer Grundgebühr. Telefoniert wird dann mit der SIM-Karte jenes Betreibers der die günstigsten Tarife bietet. Deswegen wird tele.ring auch weiterhin den Weg der attraktiven Tarifgestaltung gehen.
derStandort A1-Ring, T-Mobile-Bundesliga, etc. Warum ist tele.ring im Sport-Sponsoring nicht so präsent? Würde es Sie reizen, nach der Neuvergabe der Fußballrechte im Fußball als (Vereins-)Sponsor zu agieren?
Michael Krammer Unsere Sponsoringengagements müssen mehrer Kriterien erfüllen. Erstens: Medienpräsenz der Marke (steht aber für tele.ring nicht im Vordergrund, da wir die Marktenbekanntheit ohnehin über unsere Werbung erreichen). Zweitens: Jedes Sponsoringengagement soll auch die Möglichkeit zur Kundengewinnung bieten und drittens: Im Rahmen unseres Sponsorings suchen wir nach Veranstaltungen, zu denen wir auch unsere Kunden und Partner mit einbeziehen können.
Michael Krammer Sponsoring ist daher für mich ein überholter Begriff, weil er ein bisschen nach Mäzenatentum klingt. Wir bevorzugen Partnerschaften.
zwickl Stimmt es, dass das jetzige tele.ring-Marketingteam zu 90 Prozent aus dem max.mobil-Marketing-Team besteht, das mit dem 1 Schilling so erfolgreich war?
Michael Krammer Um ganz genau zu sein, im gesamten tele.ring-Marketing ist einer von insgesamt 25 Mitarbeitern aus dem ehemaligen max.mobil-Team.
derStandort Dank W-LAN sitze ich gerade beim Frühstück in der Küche. Welches Potenzial sehen Sie für W-LAN und wie nutzt tele.ring diese Technik?
Michael Krammer W-LAN hat großes Potential, vor allem bei den Usern, leider aber nicht was die Umsätze eines Netzbetreibers betrifft. Ich bin überzeugt, dass W-LAN in Kürze als kostenlose Zugabe in Seminarhotels, auf Bahnhöfen, Flughäfen, in Restaurants usw. angeboten werden wird. Als Zugabe zur jeweiligen Kerndienstleistung. tele.ring wird sich daher auch weiterhin auf sein Kerngeschäft (Moblifunk mit GSM und UMTS) konzentrieren.
EinKunde Wie stellen Sie sich nach der Einführung der "Mobile Number Portability" die Information für uns Kunden vor? Wie erfahre ich, zu wem ich gerade telefoniere?
Michael Krammer Durch eine einfache, kostenlose, Ansage vor dem Herstellen der Verbindung. Also wenn man mit einer 0664 Nummer zu tele.ring wechselt, wird jeder Anrufer den Hinweis "Teilnehmer im tele.ring-Netz" oder so ähnlich hören.
M.Arlboro Warum bekommt tele.ring höhere Interconnection-Gebühren als die Mitbewerber?
Michael Krammer Jeder Betreiber hat in seiner Startphase ein höheres Interconnect-Entgelt erhalten. Der Sinn dahinter ist die Asymmetrie zwischen den Minuten, die in ein anderes Netz telefoniert werden, und jenen Minuten, die von einem anderen Netz kommen, auszugleichen. tele.ring als der jüngste Betreiber hat deswegen noch etwas höhere IC-Entgelte als die anderen. Für mich ist es jedoch unverständlich, warum zum Beispiel T-Mobile nach 8 Jahren im Markt noch immer ein um 21 Prozent höheres IC-Entgelt kassiert als A1.
derStandort Welches Handymodell und welchen tele.ring-Tarif nutzen Sie privat?
Michael Krammer Ich habe zwei Handys, ein Siemens SX1 und ein SonyEricson P900. Als Tarif nutze ich den tele.ring-Mitarbeitertarif.

Herzlichen Dank für das rege Interesse und noch einen schönen Tag.

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at/kathrein
Share if you care.