Der allerlängste Tag

9. Juli 2004, 23:31
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"D-Day - Entscheidung in der Normandie" - ein hybrides Erinnerungsspektakel

"Schön langsam wird Mr. Roosevelt wohl ungeduldig. Denn ohne gutes Wetter keine Invasion", analysiert Feldmarschall Rommel in etwas seltsam klingendem Deutsch die Lage und behält, wie wir alle wissen, Unrecht. In dem Dokudrama "D-Day - Entscheidung in der Normandie" fanden sich viele solcher reinszenierten Szenen, die uns die Überlegungen historischer Personen griffig näher brachten.

Umgeben waren sie von gänzlich anderem Material: Archivaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg, Kampfsequenzen - "die Darsteller verschossen Tausende Schuss Munition", protzt das Presseheft - und, eingezwängt dazwischen, Zeitzeugen, die nicht nur sprachen, sondern auch sorgenvolle Miene zu Bildern machten - die verkörperte Erinnerung.

Die aufwändige Koproduktion, die neben anderen Dokumentationen, Kriegsfilmen etc. dieses Wochenende die Live-Übertragung der 60-Jahr-Feiern der Landung der Alliierten ergänzte, war damit beispielhaft für eine ereigniskulturelle Verfahrensweise, die internationale Zusehergruppen bediente, indem sie den D-Day zum hybriden Erinnerungsspektakel - samt Einsatz von digitalen Effekten - machte, von dem jeder etwas haben soll.

Produziert wurde "D-Day - Entscheidung in der Normandie" denn auch in amerikanisch-britisch-deutsch-französischer Allianz, unter anderem von der BBC und ProSieben: So brachte jede Partei etwas ein in diesen historischen Themenpark, in dem jedes Bild das andere auslöscht. Der längste Tag war noch nie länger. (kam/DER STANDARD; Printausgabe, 7.6.2004)

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