Neue Lebens- und Berufsrealitäten

6. Juni 2004, 20:37
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TöchterTag 2004: 350 Schülerinnen aus 9 Schulen in 200 Betrieben und mit 16 Stationen am Weg zu neuen Arbeitswelten

Im steirischen Bezirk Deutschlandsberg ging es heuer am 4. Juni ganz schön rund: der TöchterTag 2004 unterstützte über 350 Schülerinnen darin, ihre zukünftige Berufslaufbahn um etliche Möglichkeiten zu erweitern.

Auf Initiative des Vereins Mafalda konnten diese Mädchen ihre Eltern an ihren Arbeitsplatz begleiten. Das Engagement von Seiten der Politik, Wirtschaft, Schulen und Arbeitsmarktservice ermöglichte so auch eine Einbindung von über 200 Betrieben und 9 Schulen. Mafalda-Mitarbeiterinnen Dr.in Tina Eberhart und Mag.a Daniela Winkler zeigten sich im Rahmen der Pressekonferenz im Rathaus Deutschlandsberg überaus zufrieden.

Neue Wege in der Berufswahl

Für diejenigen Mädchen, deren Eltern keine Möglichkeit zur Begleitung besaßen, sprangen MentorInnen aus unterschiedlichen Berufszweigen ein, unter anderem der Bürgermeister von Deutschlandsberg, Mag. Josef Wallner. "Ich sehe die große Notwendigkeit dieses Projekts. Ich schau bei Veranstaltungen immer auf die Gesichter der beteiligten Personen. Und wenn man schaut, wie glücklich die Mädchen sind, wie sehr sie sich über diesen Tag freuen, dann sieht man, dass wir den richtigen Weg gegangen sind. Und dass wir den TöchterTag auf alle Fälle wiederholen sollten."

Arbeit habe aber nicht nur mit Spaß zu tun, sondern auch mit Absicherung. Gerade im Bereich Deutschlandsberg sei die traditionelle Berufswahl von Mädchen in Richtung Bürokauffrau oder Friseurin sehr häufig. Es gelte den Mädchen Mut zu machen, andere Wege einzuschlagen, die auch finanziell bessere Chancen bieten würden.

Wirtschaft will Frauen einstellen

Margarete Deix, Bezirksstellenleiterin der Wirtschaftskammer Deutschlandsberg, unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit der Einbeziehung des Faktums Einkommen bei der Berufswahl. "Ich glaube, bei den Mädchen ist die Einkommenssituation noch viel zu wenig bekannt. All die traditionellen "Frauenberufe" bieten hier weitaus weniger Möglichkeiten als die technischen Berufe." Fast alle Betriebe im Bezirk seien im metallverarbeitenden Betrieb angesiedelt, dort gäbe es dadurch naturgemäß viel größere Chancen.

Edith Weichlbauer-Lichtenegger vom Landesschulrat Steiermark betonte dann auch die Aufgabe der Schule, dieses Wissen an die SchülerInnen zu bringen. "Die Schule kann mit persönlichkeitsbildenden Maßnahmen die SchülerInnen in ihren Talenten fördern. Was die Schule jedoch nicht kann, ist diese theoretischen Informationen erfahrbar zu machen. Mit dieser Veranstaltung gelingt das."

Der 'historische lange Atem' sei notwendig

Ganz so optimistisch gab sich Dr.in Herta Kindermann-Wlasak vom Arbeitsmarktservice Steiermark nicht. "Wir müssen schon auch bedenken, dass es etliche Mädchen gibt, die den Mut gefasst haben, einen neuen Weg einzuschlagen. Nur dass sie dann oft vor verschlossenen Betriebstüren stehen." Der 'historische lange Atem' sei notwendig, um die etlichen Einflussfaktoren, wie Rollenbilder und Klischees von Seiten der Wirtschaft, der Eltern und der FreundInnen, sowie die oftmals unzureichenden betrieblichen Rahmenbedingungen zu verändern.

Denn leider würden die Mädchen zumeist in der zweiten Reihe stehen, und nur dann, wenn die Burschen und Männer wegfallen, in der Wirtschaft zum Zug kommen. "Wir haben das in den Weltkriegen gesehen oder in den Bereichen, die für Männer aus unterschiedlichen Gründen uninteressant werden." Erst dann hätten die Mädchen die gleichen Chancen. Dieses vergeudete Potential für die österreichische Volkswirtschaft gelte es sichtbar zu machen.

(e_mu)

  • Der TöchterTag 2004 im steirischen Bezirk Deutschlandsberg vereinte Politik, Frauenprojekte, Wirtschaft, Schule und Arbeitsmarktservice in optimistischer Gemeinsamkeit.
    murlasits
    Der TöchterTag 2004 im steirischen Bezirk Deutschlandsberg vereinte Politik, Frauenprojekte, Wirtschaft, Schule und Arbeitsmarktservice in optimistischer Gemeinsamkeit.
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