Keine Sicherheits-Updates für Windows-Piraten

16. Juni 2004, 13:15
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Microsoft wird User mit Raubkopien von Windows XP mit dem kommenden Update vom Patchen ihrer Systeme ausschließen

Der Softwarekonzern Microsoft hat nun bekannt gegeben, dass das kommende, vor allem auf Sicherheit ausgelegte, Service Pack 2 für Windows XP – der WebStandard berichtete – nicht mit den meisten der weltweit in Umlauf befindlichen Raubkopien von Windwos XP zusammen arbeiten wird. Anwender die Raubkopien einsetzen sind somit von weiteren Sicherheitsupdates ausgeschlossen – eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen, die auch dem Softwarekonzern nicht leicht gefallen ist.

Problematisch

Schon beim ersten Service Pack für Windows XP gab es vor der Veröffentlichung heftige Diskussionen ob das Update denn nun auch mit raubkopierten Versionen des Betriebssystems laufen sollte. zunächst hieß es von Seiten Microsofts klar "Nein", doch dann entschied man sich aus Gründen der allgemeinen Sicherheit und der Gefahr von Computerschädlingen doch zu einer Abkehr dieser Vorgehensweise. Das Service Pack 2 soll nun allerdings tatsächlich keine Raubkopien unterstützen. Einerseits ist dies sicher ein Mittel gegen die steigende Zahl der illegalen Versionen vorzugehen, andererseits werden so einige Rechner ungeschützt bleiben und munter Viren und Würmer in die Welt senden.

Fokus auf Sicherheit

Das Service Pack 2 (SP2) legt ganz klaren Wert auf mehr Sicherheit und soll einige Lücken in Windows XP schließen. Das Update ist rund 80 MB groß und wird noch für diesen Sommer erwartet. Zusammen mit den Features für besseres Management von Anti-Virensoftware und Firewall soll das SP so für mehr Schutz gegen Virenattacken sorgen. Sobald das SP2 installiert ist, ändert sich auch die Upgrade-Politik von Microsoft: zukünftige Patches werden nicht mehr als große ressourcen- und zeitfressende Downloads kommen, sondern nur mehr den tatsächlich geänderten Code liefern. So sollen Downloads um bis 80 Prozent schneller ablaufen.

Wider die Raubkopierer

Wie Paul Randle von Microsoft UK gegenüber der BBC mitteilte, "handelt es sich bei SP2 nicht um ein normales Service Pack. Microsoft hat seine eigenen Regeln nun gebrochen und sehr wohl neuen Code in das Service Pack einfließen lassen". Diese Veränderung sollen nun dazu führen, dass eine Zusammenarbeit mit Raubkopien nicht mehr funktioniert. Gleichzeitig hat Microsoft aber zahlreiche Wege entwickelt um möglichst vielen Kunden das SP2 schnell zukommen zu lassen. Neben dem normalen Download können Kunden auch kostenlos CDs anfordern und die Software dann bequem installieren. Während des Instalationsprozesses wird das SP2 die Produkt ID checken und sich bei den gängigen und daher bekannten illegalen Raubkopie-IDs nicht installieren lassen. Microsoft hat die 20 gängisten Piraten-IDs herausgefunden und diese nun auf eine Blacklist gesetzt – vorerst werden auch nur diese 20 IDs geblockt. "Die derzeitige Situation sieht nun so aus, dass diese IDs geblockt werden", erklärt Randle. Noch ist unklar ob diese Strategie nur in Europa und den USA zum Tragen kommt, oder auch in Ländern mit einer bekannt hohen Pirateriequote. Laut Schätzungen der BSA sollen in China 92 Prozent der eingesetzten Kopien von Windows XP illegal sein. Randle sprach gegenüber BBC aber von einer weiteren Beobachtung des Marktes und möglichen Änderungen in der Strategie – sollte diese Vorgehensweise nicht den gewünschten Effekt bringen.

Kritik

Es gibt allerdings auch schon einige kritische Stimmen zu dieser neuen Strategie. Zwar könne man einem Unternehmen natürlich nicht verbieten, dass es seine Software effektiver gegen Raubkopierer schützt, doch im Fall von Microsoft ist die große Reichweite und Verbreitung ein Problem das es näher zu beleuchten gilt, meinen Experten. Jeder Rechner der sich nicht updaten und sichern läßt würde so nicht nur für den User der Raubkopie zur Qual sondern könnte sich zu einer Viren- und Wurm-Schleuder entwickeln. Daher wird es entscheidend sein, wie Microsoft seine Kunden zum regelmäßigen Updaten bringen wird.

Neue Zwischenversion des SP2

Überraschend und ohne offizielle Ankündigung tauchte nun auch eine neue Zwischenversion des Service Pack 2 für Windows XP zum Download auf. Diese Version, die nicht der für 26. Mai angekündigte Release Candidate 2 ist, trägt die Build 2138. Diese Version liegt sowohl in englischer wie auch in deutscher Sprache vor und kann über die Beta-Seite des Windows-Updates V.5. gesucht und heruntergeladen werden. Die Datei ist rund 270 MB groß.(red)

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