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13.06.2004 20:00

Polarisierer, Inszenierer, Beweger
Ronald Reagan: Bei allen Schwächen ein bedeutender US-Präsident

Washington - Er hat das eigene Land und die Welt einst genauso polarisiert wie heute George W. Bush - und blieb trotz mancher persönlicher und politischer Schwächen als bedeutender US-Präsident in Erinnerung.

Ronald Wilson Reagan hat zwischen 1981 und 1989 der konservativen Revolution in den USA zu ihrem ersten Siegeszug verholfen, den Rückzug des Staates aus der Wirtschaft beschleunigt und den Kalten Krieg zu seinem letzten Höhepunkt geführt. Dank glücklicher weltpolitischer Umstände geht er in die Geschichtsbücher auch als Bezwinger des Kommunismus und Überwinder des Ost-West-Konflikts ein.

Inszenierung vor Inhalt

Er war der älteste Präsident, den die USA hatten, aber seine Anziehungskraft lag für viele in seinem jugendlichen Optimismus. Wie kein anderer meisterte der Exfilmschauspieler das Medium Fernsehen und stellte die Inszenierung meist vor die Inhalte.

Reagan wurde 1911 in einem Dorf im Mittleren Westen geboren. Als Darsteller in mittelmäßigen Filmen und Funktionär der Filmgewerkschaft war er anfangs ein glühender Anhänger des Demokraten Franklin D. Roosevelt, doch in den 50er- und 60er-Jahren bewegte er sich immer weiter nach rechts. Seine rhetorischen Fähigkeiten fielen einflussreichen Republikanern in Kalifornien auf, mit deren Hilfe er 1966 zum Gouverneur von Kalifornien gewählt wurde. Als Aushängeschild des rechten Parteiflügels scheiterte er zehn Jahre später im Vorwahlkampf gegen Gerald Ford, wurde aber 1980 Präsidentschaftskandidat und besiegte mit 69 Jahren den durch Ölkrise und Iran-Geiseldrama geschwächten Jimmy Carter.

Steuernsenkung und Aufrüstung

Wie versprochen, senkte Reagan sofort die Steuern, rüstete auf und schränkte das Wachstum der Sozialausgaben ein. Das Budgetdefizit schoss in die Höhe und belastete mehr als ein Jahrzehnt die gesamte Weltwirtschaft. Aber nach einer anfänglichen tiefen Rezession erholte sich die US-Konjunktur, und an den Börsen setzte ein langer Höhenflug ein. Soziale Ungleichheit und Armut wuchsen, aber das Unternehmertum profitierte von Deregulierung und niedrigeren Steuern.

Wende nach 1984

Die Reagan-Regierung suchte bewusst die Konfrontation mit der Sowjetunion und gab damit der Friedensbewegung in Europa neue Nahrung. Doch der Ton in der Außenpolitik änderte sich nach der Wiederwahl 1984 und vor allem nach Michail Gorbatschows Amtsantritt als sowjetischer Parteichef 1985.

Höchst umstrittene These

Die konservative These, wonach Reagans konsequenter Antikommunismus und seine Aufrüstungspolitik den Kollaps der Sowjetunion verursacht oder zumindest beschleunigt haben, bleibt höchst umstritten. Aber Reagans Beitrag zur Perestroika bestand zweifellos darin, dass er rasch Gorbatschows Reformbereitschaft als echt erkannte und diese tatkräftig unterstützte. So wurde sein berühmter Ruf von 1987 - "Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder" - zwei Jahre später Wirklichkeit.

Über die letzten Jahre seiner Präsidentschaft lag der Schatten der Iran-Contra-Affäre: Waffen wurden insgeheim an den Iran verkauft, um US-Geiseln im Libanon frei zu bekommen, und die Erlöse gegen die Auflagen des Kongresses zur Finanzierung des Krieges gegen die linken Sandinisten in Nicaragua verwendet.

Nach Ende seiner Amtszeit wurde es um Reagan still, und 1994 teilte er der Nation in einem bewegenden Brief seine Alzheimer-Erkrankung mit. In den letzten Jahren konnte er nicht einmal mehr seine geliebte Frau Nancy erkennen. Für Amerikas Rechte aber blieb er ein politischer Held. Für sie ist George W. Bush Reagans Erbe und Testamentvollstrecker. (DER STANDARD, Printausgabe 7.6.2004)

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Von Eric Frey

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