Puls-Schlag

16. Februar 2005, 13:47
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Zu Jahresbeginn hatte Generaldirektorin Lindner noch "überhaupt kein Problem" damit, "wenn österreichisches Publikum einen österreichischen Privatsender konsumiert"

Zu Jahresbeginn hatte Generaldirektorin Monika Lindner noch "überhaupt kein Problem" damit, "wenn österreichisches Publikum einen österreichischen Privatsender konsumiert". Diese Souveränität zeigt sich gerade glasklar: Du nimmst mir mein Spielzeug weg? Nicht bevor ich es kaputtgemacht habe!

Natürlich war es nicht nett von Schwarz-Blau, dem ORF eine Frequenz in Wien zu entziehen, um sie einem Privatsender zuzuschanzen. Bei noch immer knappen TV-Frequenzen ist aber auch schwer zu erklären, warum die Anstalt in der Hauptstadt ORF 2 rund um die Uhr auf zwei Kanälen ausstrahlen muss, die sich nur eine halbe Stunde pro Tag durch "Wien heute" und "Niederösterreich heute" unterscheiden. Und natürlich muss unter Schwarz-Blau "Wien heute" die Frequenz mit Puls teilen.

Mit einer Woche Testbild vertreibt die Anstalt auch eigenes Publikum

Was tut der über die Konkurrenz so gelassene ORF? Er vertreibt die Seher mit dem Testbild von Kanal 34, eine Woche bevor Puls TV ihn übernimmt. Die ORF-Marktanteile sinken ohnehin seit Monaten. Da fällt die Aktion kaum ins Gewicht.

Mit einer Woche Testbild vertreibt die Anstalt das Publikum auch von ihrer eigenen Sendung "Wien heute". In dieser Woche lassen 300.000 Wiener Haushalte, die nicht am Kabelnetz hängen, den Sendesuchlauf nach ORF 2 fahnden. Unwahrscheinlich, dass sich viele von ihnen die Mühe machen, den Kanal 34 auf einem anderen Programmplatz einzuspeichern, wo ja ohnehin nur das Testbild läuft. Und um 19 Uhr "Wien heute".

Wien darf nicht St. Pröllten werden?

Das passt ins Farbkonzept des Küniglbergs. Vom roten "Wien heute" drängt der ORF Seher zu "Niederösterreich heute" des schwarzen Landeshauptmanns Erwin Pröll. Wien darf nicht St. Pröllten werden? Zu spät. Dort war Monika Lindner ORF- Intendantin, bevor sie zur Generalin gewählt wurde. (DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.6.2004)

Von Harald Fidler
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