Streit um bundesweite Vertretung für Fachhochschüler

16. Juli 2004, 15:32
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Derzeit gibt es keine gesetzliche Grundlage - Aber auch keine Notwendigkeit, wie man im Ministerium findet

Österreichs Fachhochschul-studenten haben keine bundesweite Interessenvertretung. Was von Studierenden-sprechern als Mangel an Demokratie wahrgenommen wird, ist aus Sicht des Bildungsministeriums eine logische Folge aus der dezentralen Organisationsstruktur der FHs. "Es gibt keine bundesweit geltenden Regelungen im Fachhochschulbereich. Deswegen braucht man natürlich auch keine bundesweite Studentenorganistion", sagt der zuständige Ministerialrat Friedrich Faulhammer zum Standard. Die für die Studierenden relevanten Belange würden ohnehin in den jeweiligen Fachhochschulen direkt entschieden - und da seien die Studenten in den entsprechenden Kollegien auch ausreichend vertreten.

Anders sieht das Lea Putz, Studierendensprecherin am FH-Campus Wien: "Die Interessenvertretungen sind völlig auf den guten Willen der jeweiligen Trägerorganisation angewiesen. Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch, finanzielle Mittel und entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt zu bekommen."

Kein Mitspracherecht

Ein weiteres Problem laut Putz: Durch die mangelnde gesetzliche Legitimation könnten sich die FH-Studenten auch in zukunftsgestaltende Gremien nicht einbringen. Als Beispiel nennt sie den "Bologna-Prozess", im Zuge dessen Hochschulausbildungen EU-weit vereinheitlicht und somit vergleichbar gemacht werden sollen: "Das betrifft uns genauso wie die Studenten an den Universitäten. Trotzdem ist nur die ÖH in diesem Gremium vertreten." Gäbe es eine mit der Hochschülerschaft vergleichbare Organisation der Fachhochschulen, "würden unsere Anliegen nicht so einfach unter den Tisch fallen", glaubt Putz.

Argumente, die Ministerialrat Faulhammer nicht gelten lässt: "Bis jetzt sind alle Versuche, eine österreichweite Studentenorganisation aufzubauen, im Sand verlaufen. Das ist doch ein Indiz dafür, dass auch die Studierenden von der Notwendigkeit einer solchen Einrichtung nicht überzeugt zu sein scheinen."

Wenig Engagement

Dass bisher keine der zahlreichen Initiativen zur Einrichtung einer bundesweiten Vertretung längerfristig von Erfolg gekrönt war, erklärt sich Studentensprecherin Putz nicht zuletzt mit dem fehlenden Budget. Zudem sei aber auch die Grundstruktur der FHs in dieser Hinsicht problematisch: Durch die mit meist vier Jahren relativ kurze Verweildauer der Studenten sei das Interesse, sich zu engagieren, tatsächlich relativ gering. "Zudem ist das Programm dicht gedrängt, da bleibt kaum Zeit für zusätzliche Aktivitäten." Auch gebe es keine Regelung, die mit jener des "ÖH-Semesters", das Studentenvertretern an den Universitäten den verlängerten Bezug aller Beihilfen sichert, vergleichbar sei. Ein Argument, dem ihr Kollege Andreas Fechter, Sprecher am Technikum Wien, widerspricht: "Bei uns ist das über ein Punktesystem geregelt. Wer sich engagiert, darf, statt wie üblich zwei-, drei- bis viermal pro Semester fehlen." Trotzdem erachtet auch er eine bundesweite Plattform für notwendig: "Koordinations- und Kooperationsbedarf gäbe es sicherlich genug." (Fachhochschulstandard, Printausgabe, 5./6.6.2004)

Von Angelika Slavik
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