Wie die alten Piraten?

20. Mai 2005, 10:14
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Eine "Piratenfahrt" der gemächlicheren Art: zwischen den drei "schönen Insel-Schwestern" Brac, Hvar und Korcula.

Zwischen Brac und Hvar haben wir Delphine gesehen. Sie zogen zwischen den beiden dalmatinischen Inseln ihre Sinus/ Cosinus-Bahn und kümmerten sich nicht weiter um den behäbigen Motorsegler "Dalmatino", der sich auf etwas befand, das der Prospekt von Blaguss etwas rührend "Piratenfahrt" nennt. Wenn die Piraten einst ganz gemächlich von einer hübschen alten Hafenstadt zur nächsten tuckerten, wenn sie in kleinen Buchten mit glasklarem Wasser zum Baden halt machten und jeden Abend vor dem Fischrestaurant ankerten, dann war die Sache seinerzeit doch etwas anders, als wir bei Erroll Flynn gelernt haben.

Die Testfahrt ging vom kleinen Hafen Trogir in der Nähe von Split über Supetar auf der Insel Brac (Die Dicke), am nächsten Tag weiter nach Hvar (Die Lange), dann über Makarska (am Festland) und mit einem weiteren Übernachtungsstop in Baska Voda zurück nach Trogir/ Split. Das Meer: tiefblau und sauber. Die Bademöglichkeit: gleich vom Schiff statt am Kiesstrand. Die Hafenstädte: mit angenehmem venezianischen Flair (besonders Hvar auf Hvar). Das Schiff: Zweimast-Motorsegler, 24 m lang, 6,50 m breit, Hauptdeck und Oberdeck, 13 Zweibett-Kabinen von der Größe eines ÖBB-Schlafwagenabteils mit eingebauter Dusche/ WC. Vorn und hinten ein großes Sonnendeck, im Heck ein Salon für die Mahlzeiten.

Die "Dalmatino" ist ein Schiff der Kategorie A. Sie fährt normalerweise (laut Prospekt) nicht ab Split, sondern ab Opatija und klappert die Kornaten ab (auch sehr schön). Von Split weg fahren nur Schiffe der Kategorie B, was bedeutet: 3 WC bzw. 2 Duschen/WC fürs ganze Schiff statt für jede Kajüte. Da wird's dann wahrscheinlich wirklich etwas piratenhaft.

Dalmatien hat kaum etwas vom "kroatischen Unabhängigkeitskrieg" 1991-95 gesehen, aber die Touristen zögern trotzdem noch. Jetzt soll es aber wieder anlaufen. Die Dalmatiner arbeiten daran, ihr touristisches Angebot zu modernisieren.

Die Vorteile der dalmatinischen Küste: 1.) Die Nähe ist immer noch ein unschlagbares Plus. Der Lauda-Flug von Wien nach Split (rund öS 3200,-) dauert mit dem 50-sitzigen Canadair Jet gerade 50 Minuten, noch dazu verkürzt von der geradezu sensationellen Do&Co-Bordküche. Von Split aus ist man mit der Fähre in ein, zwei Stunden auf Brac, Hvar, Korcula (die "drei schönen Schwestern") oder im Küstenort Makarska bzw. den nahen Badeorten wie Baska Voda. Wer über Land kommen will, muß nicht unbedingt mit dem eigenen Wagen fahren, sondern kann die Busarrangements von Blaguss nehmen ("Keiner unserer Busse ist älter als drei, vier Jahre," sagt Blaguss-Prokurist Wiedner). 2.) Das Meer ist kristallklar, die (Kies-)Strände sind sauber, die Hotels zum allergrößten Teil frisch renoviert. Und wer ein Gespür für eine uralte europäische Kulturlandschaft hat (die Altstadt von Split besteht zum größten Teil aus den Resten des riesigen Kaiserpalastes von Diocletian (4. Jh.), wird sich in Dalmatien und Istrien wahrscheinlich wohler fühlen als in der Dominikanischen Republik.

Dennoch werden die Kroaten sich anstrengen müssen. Der Krieg hat die Preise in die Höhe getrieben, dazu kommt die für den Fremdenverkehr ungünstige Wechselkurspolitik. Die neue Währung "Kuna" (=Marder, weil im Mittelalter Marderfelle ein Zahlungsmittel waren) ist künstlich hoch angesetzt: 1 Kuna = 2 Schilling. Der totale Billigurlaub läßt sich hier also nicht (mehr) machen. Und noch etwas hat der Krieg hinterlassen: eine merkbare Macho-Atmosphäre mit vielen jungen Männern, die am Tage offenbar nichts anderes zu tun haben, als mit ihren Kurzhaarfrisuren, Tarnanzügen und großen Hunden herumzustolzieren. Und auch dem einen oder anderen jungen Polizisten im Flughafen Split sollte man beibringen, daß der Tourist es nicht schätzt, angeschnauzt und mit herrischer Geste herumgeschickt zu werden. Wär' schade um die Entspannung nach dem Inseltuckern! (Der Standard, Printausgabe)

Von Hans Rauscher
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