"Wien braucht das Kabarett wie das Gulasch"

8. Juni 2004, 13:48
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Maßnahmenpaket zur Unterstützung der ansässigen Kabarettszene präsentiert

Wien - Ein "Maßnahmenpaket" zur Absicherung der in der jüngsten Zeit angeschlagenen Wiener Kabarettszene wurde am Freitag im Kulturamt der Stadt Wien präsentiert. Wien Energie Fernwärme stellt ein "Kooperationsvolumen" in der Höhe von 200.000 Euro jährlich für Kabarettbühnen zur Verfügung, im Rahmen der Fernwärme-Servicecard werden damit Kartenkontingente aufgekauft. Mit weiteren 60.000 bis 70.000 Euro sponsert Wien Energie Programmzeitschriften und Kundenzeitungen. In den Genuss dieser Mittel kommen Kulisse, Vindobona, Orpheum, Spektakel, Theater am Alsergrund, Niedermair und Gruam.

"Wien braucht das Kabarett wie das Gulasch", begründete Ernst Hoffmann, Leiter der Kommunikationsabteilung von Wien Energie Fernwärme das Engagement seines Unternehmens. Bereits im Herbst 2003 stellte man erstmals rund 200.000 Euro für das Wiener Kabarett zur Verfügung, nun hat man sich zu einer dauerhaften jährlichen Sponsortätigkeit entschlossen. Zuvor hatte das Unternehmen nur fallweise einzelne Bühnen unterstützt. Das Sponsoring des Kabarett Vindobona sowie die Unterstützung des Kabarettpreises "Karl" wird weiterhin von Wien Energie Vertrieb übernommen.

Verwaltung und Unterstützung

Für die Verwaltung der Sponsor- und Kooperationsgelder sowie die Akquirierung zusätzlicher privater Investoren wurde die Theatermanagement und Marketing Ges.m.b.H. (TMM) gegründet, die als Pilotprojekt auch den Rabenhof betreut. Sie schließt die Einzelverträge mit den Bühnen ab.

Die Stadt Wien will wie in der Vergangenheit die Kabarettbühnen mit Bau- und Investitionskostenzuschüssen unterstützen. In den vergangenen Jahren betrugen diese laut Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) rund 800.000 Euro. Investitionsprogramme wurden mit dem Vindobona und dem Orpheum ausgearbeitet. Sie erhalten laut Gemeinderatsbeschluss 350.000 Euro für zwei bzw. 90.000 Euro für drei Jahre. An die Kulisse gehen 15.000 Euro, mit dem Spektakel ist man derzeit noch im Gespräch, so der Kulturstadtrat.

Die Bühnen

Bei den unterstützten Bühnen handle es sich um solche, die in den vergangenen Jahren "für das Kabarett in Wien sehr viel getan haben", so Mailath-Pokorny. Bei der Höhe der jeweiligen Förderbeträge habe man sich nach dem in den Bilanzen ausgewiesenen Bedarf gerichtet, erläuterte der Theaterreferent des Kulturamts, Thomas Stöphl.

"Eine Jury oder dergleichen" brauche man dafür nicht, so Mailath-Pokorny auf Fragen nach der Evaluierung der Bühnen, "weil es sich dabei nicht um Betriebssubventionen, sondern um Investitionskosten handelt. Wenn die Qualität in ein bis zwei Jahren nicht stimmt - und das wird sich am Publikumszuspruch zeigen - dann wird man sich sowieso etwas überlegen müssen." Das präsentierte Maßnahmenpaket leiste jedoch eine schnelle erste Unterstützung. "Wenn sich so jemand wie die Fernwärme anbietet, muss man zugreifen."

Die Strukturen

In die aktuelle Theaterreform schließlich sei das Kabarett "überhaupt nicht" eingebunden, stellte der Kulturstadtrat auf Nachfrage klar. "Ansatzpunkt für die Theaterreform waren die Freien Gruppen, ausgeweitet auf Mittelbühnen." Das Kabarett habe ganz andere Strukturen, etwa die Anbindung an Gastronomiebetriebe, und eine ganz andere geschichtliche Entwicklung. So seien Kabarettbühnen jahrelang ohne öffentliche Unterstützung ausgekommen.

Im Übrigen werde es immer geförderte Projekte neben der Theaterreform geben, ohne diese zu gefährden, meinte der Kulturstadtrat, als er am Rande auf das am Donnerstag präsentierte mobile Lustspielhaus von Adi Hirschal angesprochen wurde. Die Pläne für das Lustspielhaus seien älter als die Theaterreform, außerdem handle es sich dabei lediglich um eine Sommerbühne. (APA)

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