Argentinier spielen um Herren-Titel

7. Juni 2004, 16:28
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Gaston Gaudio besiegte David Nalbandian und trifft im Endspiel auf Landsmann Guillermo Coria, der Tim Henman ausschaltete

Paris - Die Argentinier dürfen bei den French Open in Paris ihre erste Final-Party bei einem Grand-Slam-Turnier feiern. Nach Gaston Gaudio zog am Freitag auch Titelfavorit Guillermo Coria ins Endspiel von Roland Garros ein. Der "Sandfloh" aus der argentinischen Pampa besiegte im Halbfinale Rasenspezialist Tim Henman aus Großbritannien mit 3:6,6:4,6:0,7:5.

Final-Jungfern

Wie der ungesetzte Gaudio, der sich mit 6:3,7:6 (5),6:0 gegen seinen Landsmann David Nalbandian durchsetzte, steht Coria zum ersten Mal in einem Grand-Slam-Finale. Damit hat Argentinien den ersten Grand-Slam-Triumph seit Guillermo Vilas bei den Australian Open 1979 schon sicher. Auch in Paris konnte Vilas ein Mal gewinnen (1977). Die langmähnige Tennis-Legende beklatschte am Freitag auf der Tribüne begeistert seine Erben.

Coria wurde von seinem Tennis begeisterten Vater nach Vilas benannt und will unbedingt in dessen Fußstapfen treten. "Es genügt mir nicht, im Halbfinale zu siegen. Ich will die French Open gewinnen", kündigte der 22-Jährige selbstsicher an. Aus gutem Grund: Seit seiner Halbfinal-Niederlage gegen den Niederländer Martin Verkerk bei den French Open im vergangenen Jahr hat er nur ein Match auf Sand verloren - im Finale von Hamburg gegen Roger Federer. Außerdem spricht für Coria, dass er praktisch nie gegen Landsleute verliert (23:2-Siege).

Henman verkaufte sich tapfer

Gegen Henman geriet Coria, der bis dahin keinen Satz abgegeben hatte, erstmals im Turnier ernsthaft in Bedrängnis. Er kam mit dem Serve-And-Volley-Spiel des langen Briten nicht zurecht, fand im ersten Satz keinen Rhythmus. Doch diese Strategie hielt der vom früheren Sampras-Trainer Paul Annacone betreute Henman nicht durch. Nach dem Break zum 2:1 im zweiten Satz und einer 4:2-Führung kam Henman von seiner Linie ab und ließ sich von Coria zurück an die Grundlinie drängen. Henman verlor 13 Spiele hintereinander und - obwohl er sich im vierten Satz noch einmal aufbäumte - jede Chance auf sein erstes Grand-Slam-Finale.

"Was für ein fantastischer Kampf, er (Henman/Anm.) hat super gespielt und das Publikum hat ihm im vierten Satz geholfen. Ich bin wirklich glücklich, im Finale zu sein. Damit hat sich ein Kindheitstraum erfüllt und nun wird garantiert ein Argentinier gewinnen", meinte Coria. Henman zeigte sich als fairer Verlierer: "Das waren großartige 14 Tage für mich. Ich habe heute gut begonnen und auch am Ende noch meine Chancen. Aber so ist es nun einmal, das ist Sport."

Weinender Gaudio

Das Endspiel wird ein brisantes Duell, denn der gerissene Coria ist nicht der beliebteste im argentinischen Lager, und Gaudio hat mit ihm auch noch eine Rechnung offen. Im Halbfinale von Hamburg im vergangenen Jahr hatte Coria mit allen Tricks und Kniffen gearbeitet und eine Verletzung vorgetäuscht. Auf dem Platz hatte sich Gaudio noch beherrschen können, doch in den Katakomben verpasste er Coria eine schallende Ohrfeige. Boris Becker zeigte damals vollstes Verständnis: "Ich hätte es genauso gemacht."

Die Emotionen gehen mit Gaudio immer noch durch. Nach dem Sieg gegen Nalbandian schlug er die Hände vors Gesicht und weinte bitterlich, als habe er das Match verloren. "Ich habe noch nie geweint in meinem Leben. Das war das erste Mal", meinte Gaudio, der "Gato" (die Katze) genannt wird. "Ich bin glücklich, denn davon habe ich immer geträumt. Das ist das Turnier meines Lebens." (APA/dpa/SIZ/Reuters)


Die Finalisten

  • Gaston Gaudio (25)
    Geb.: 9.12.1978 in Buenos Aires
    Größe/Gewicht: 1,75 m/70 kg
    Rechtshänder
    Weltranglisten derzeit: Entry Ranking: 44, Champions Race: 34
    Turniersiege: 2 (2002 Barcelona und 2002 Mallorca)
    Grand Slams: Achtelfinale Paris 2002
    Karriere-Preisgeld: 2.100.401 Euro
    Gaudio benötigte bis zum Finale 23 Sätze und stand 16:12 Stunden auf dem Platz

  • Guillermo Coria (22)
    Geb.: 13.1.1982 in Rufino
    Größe/Gewicht: 1,75 m/65 kg
    Rechtshänder, zweihändige Rückhand
    Weltranglisten derzeit: Entry Ranking: 3; Champions Race: 3
    Turniersiege: 8 (2001 Vina del Mar, 2003 Hamburg, Stuttgart, Kitzbühel, Sopot, Basel, 2004 Buenos Aires, Monte Carlo)
    Grand Slams: Achtelfinale Australian Open 2003, Semifinale Paris 2003 und Viertelfinale US Open 2003
    Karriere-Preisgeld: 3.000.000 Euro
    Coria benötigte bis zum Finale 17 Sätze und stand 11:48 Stunden auf dem Platz
    • Gaudio schlägt auf, Nalbandian zurück.

      Gaudio schlägt auf, Nalbandian zurück.

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Für Guillermo Coria stimmt die Richtung. Der Argentinier steht im Endspiel von Roland Garros.

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Der tapfere Tim Henman schaffte es letzlich nicht, ein "Gaucho-Endspiel" zu verhindern.

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