Medizinuni Wien: Kompletter Aufnahmestopp für Ärzte

30. Juni 2004, 20:44
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Nachtdienste werden deutlich reduziert - Rektor Schütz: Andere Spitäler sollen "Routineleistungen" übernehmen - Vorwürfe an Stadt Wien

Wien - Die Medizinuniversität Wien (MUW) hat mit Anfang Juni an Kliniken und Klinischen Instituten des AKH einen kompletten Aufnahmestopp für Ärzte verhängt, der so lange gilt, bis 137 Arztstellen eingespart sind. Verbunden damit ist eine deutliche Reduktion der Journaldienste (Nachtdienste). Das geht aus einem Brief von MUW-Rektor Wolfgang Schütz an die Klinik- und Instituts-Leiter hervor. Damit sollen mindestens 9 Mio. Euro an Personalkosten eingespart werden. Hauptziel der Maßnahme ist es, wieder Mittel für Investitionen zu erhalten, denn dem AKH drohe eine "rapide Veralterung des Geräteparks", so Schütz.

Keine Kündigungen

Derzeit gibt es am AKH rund 1.700 aus Bundesmittel bezahlte Ärzte (ohne Professoren), die geplante Personalreduktion macht damit knapp 10 Prozent der Stellen aus. Schütz rechnet damit, dass dies in ein bis 1,5 Jahren erreicht sein wird. Kündigungen seien dafür keine notwendig, wie er betonte. 36 Ärzte hätten einen bis Ende Juni 2005 befristeten Vertrag und sie wüssten bereits, dass dieser nicht verlängert werde. Die restlichen rund 100 Stellen könnten durch die Nichtnachbesetzung der erwarteten Abgänge eingespart werden.

Als Hauptgrund für die Einsparungen nennt Schütz die nicht ausreichenden Investitionsmittel. "Wir haben auf Grund des Bundesbudgets in den vergangenen zwei Jahren nur die notwendigsten Ersatzinvestitionen tätigen können. Außerdem veraltern die Anfang der 90-er Jahre im Rahmen der Erstausstattung des AKHs angeschafften Geräte sukzessive", so der Rektor. Die angepeilten Einsparungen in Höhe 9 Mio. Euro würden theoretisch alleine für die Erneuerung des Geräteparks der AKH-Strahlentherapie draufgehen, der auf Grund seiner extremen Veralterung derzeit am gefährdetsten sei.

Ein weiterer Grund für die Maßnahme sei eine Verpflichtung im Zusammenhang mit dem seit 1997 geltenden Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG), das die Wochenarbeitszeit der Ärzte beschränkt. Im Jahr 2001 wurden der damaligen Medizinischen Fakultät 137 Arztstellen zur Verfügung gestellt, um dieses Gesetz zu erfüllen - allerdings nur unter der Auflage, bis 30. Juni 2005 die Zahl der Journaldienste (derzeit 184) so weit zu reduzieren, dass die Stellen dann wieder abgebaut werden können. "Die Zahl von 184 Ärzten, die in der Nacht Dienst haben, ist im internationalen Vergleich extrem hoch", erklärte Schütz, der in Zukunft mit mindestens 20 Journaldiensten weniger rechnet. Durch die Reduktion der Journaldienste könne schließlich das Arbeitszeitgesetz erfüllt werden.

Schütz: Keine Auswirkung auf Patientenbetreuung

Mit Auswirkungen auf die Patientenbetreuung rechnet Schütz nicht. "Die Patientenversorgung wäre gefährdet, würden wir den Gerätepark nicht auf dem letzten Stand halten." Die Klinik-Leiter müssen in den nächsten Monaten einen Stellenplan erarbeiten, der die Stellenreduktion berücksichtigt. Ziel dabei sei es, dass "letztlich keine Klinik von dem Aufnahmestopp über- oder auch unterproportional betroffen ist", heißt es in dem Brief.

Dabei solle auch die Möglichkeit ins Auge gefasst werden, Allgemeinmediziner "insbesondere für den Stationsdienst einzusetzen, wenn dadurch die als Fachärzte tätigen und auch die in der Facharztausbildung befindlichen Mitarbeiter sich in verstärkten Maße der Forschungs- und Lehrtätigkeit widmen können".

Schütz: "Ist Managementmaßnahme"

"Mit der Ausgliederung der Medizinuniversität hat die Personaleinsparung nichts zu tun", betonte Rektor Wolfgang Schütz. Die mit der Ausgliederung verbundene Autonomie ermöglich diese erst, "es ist dies eine Managementmaßnahme, um Mittel für Investitionen zu erhalten". Allerdings gehe es der Medizinuniversität Wien (MUW) genauso schlecht wie allen anderen Universitäten. "Die Mittel reichen nur für die notwendigsten Maßnahmen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und es geht auf Kosten der hochwertigen Forschung, wenn unsere Infrastruktur nicht gegeben ist", so Schütz.

Schmerzhaftigkeit

Dem Rektorat sei die Schmerzhaftigkeit der Maßnahme wohl bewusst, "sie ist aber die einzige, um langfristig die Funktionsfähigkeit unseres Universitätsspitals zu sichern", heißt es in dem Brief. Damit solle auch der Stadt Wien vor Augen geführt werden, "das das ärztliche Personal wohl das wertvollste Gut dieses Hauses ist, das aber nicht den Großteil seiner Arbeit auf reine Routinetätigkeiten konzentrieren kann".

Viele dieser Routineleistungen könnten auch an anderen Spitälern erbracht werden, soweit sie nicht für die Ausbildung von Fachärzten und von Studierenden erforderlich seien, schreibt der Rektor, der in diesem Lichte den Aufnahmestopp nicht als reine Sparmaßnahme ansieht, "er sollte letztlich auch dazu dienen, dass die universitären Budgetmittel richtig eingesetzt werden".

Welche Leistungen können ausgegliedert werden?

Schütz betonte, dass geplant gewesen sei, den Leistungsauftrag des AKH gemeinsam mit der Stadt Wien zu überarbeiten. "Wir wollten definieren, welche medizinische Leistungen ein Universitätsspital erbringen soll, welche Leistungen der Primär- und Sekundärversorgung das AKH erbringen soll, um Fachärzte und Studenten auszubilden, und welche Leistungen an andere Wiener Spitäler ausgelagert werden sollen", so Schütz.

Vorwürfe an die Stadt Wien

"Wiewohl sich an den ersten analysierten Kliniken ein deutliches Potenzial für derartige Verlagerungen ergab, ist die Arbeit leider zunehmend ins Stocken geraten, im wesentlichen auf Grund reduzierten Engagements der Stadt Wien. Durch die Reduktion der von der Medizinischen Universität zur Verfügung gestellten Ärztinnen und Ärzte sollte es wieder stimuliert werden", heißt es in dem Brief.

Nur Teil eines Maßnahmenkatalogs

Der Aufnahmestopp ist übrigens "nur ein Teil eines umfassenden Maßnahmenkatalogs zur Senkung des überbordenden Personalbudgets". Es sollen u.a. auch einvernehmliche Lösungen von Dienstverhältnissen - insbesondere mit älteren Dienstnehmern - geprüft werden. Laut Schütz ist der Aufnahmestopp und die damit verbundene Personalreduktion mit der Gewerkschaft akkordiert. (APA)

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