Umwelt und Zwillinge

8. Juli 2004, 11:32
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Deutsche WissenschafterInnen vermuten erhöhte Rate von Zwillingsgeburten im Zusammenhang mit Umweltbelastung

Hamburg - Eine erhöhte Umweltbelastung steigert möglicherweise die Rate der Zwillingsgeburten. Eine Studie von Hamburger WissenschafterInnen im südhessischen Rheintal ergab, dass in der Nähe einer Müllverbrennungsanlage deutlich mehr Zwillinge zur Welt kamen als in zwei weniger belasteten hessischen Regionen.

Die ForscherInnen befragten in der Studie 671 Mütter über ihre Geburten. In der Umgebung der Sondermüll-Verbrennungsanlage Biebesheim hatten 5,3 Prozent der Frauen Zwillinge zur Welt gebracht, in den beiden Kontrollregionen 20 Kilometer nördlich von Biebesheim und im Odenwald dagegen nur 1,6 und 2,3 Prozent. Offizielle Behördendaten bestätigen das Phänomen: Während der Anteil der Zwillingsgeburten in anderen Regionen 0,8 von 100 beträgt, sind es in der Umgebung von Biebesheim 1,4 bis 1,6.

Suche nach Erklärung

In Biebesheim werden Schwermetalle und polychlorierte Biphenyle verbrannt. Da das Rheintal dort von Bergen gesäumt wird, zieht die Luft häufig schlecht ab. Studienleiterin Nadia Obi-Osius ist dennoch vorsichtig, die Müllverbrennungsanlage direkt für die Häufung von Zwillingsgeburten verantwortlich zu machen. "Wir haben dafür zurzeit keine plausible Erklärung bereit", sagt die Humanbiologin. Es sei aber möglich, dass bestimmte Stoffe, die von den Menschen verstärkt aufgenommen würden, zu hormonellen Veränderungen führten. "Man sollte das eingehender untersuchen", verlangt die Forscherin. (APA/AP)

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