Ikea will Sonntagsöffnung in "Testphase" erproben

16. Juni 2004, 15:10
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Konsumenten sollen über Einkauf am Sonntag entscheiden - SCS als möglicher Testmarkt - Scharfe Kritik von GPA

Wien - Die Möbelkette Ikea will im Rahmen einer Testphase die Sonntagsöffnung in Österreich erproben. Dazu plant das Unternehmen an vier bis acht Sonntagen im Jahr aufzusperren. Als Testmarkt komme etwa die Shopping City Süd (SCS) in der Nähe von Wien in Frage. "Wir wollen die Konsumenten entscheiden lassen, ob sie am Sonntag shoppen möchten oder nicht", gab Ikea am Freitag in einer Pressemitteilung bekannt. Eine generelle Sonntagsöffnung fordere das Unternehmen nicht, heißt es darin.

Zuvor hatte "Format" den Chef von Ikea Österreich, Urs Meier, mit den Worten zitiert: "Wir wollen künftig an acht bis zehn Sonntagen im Jahr aufsperren. Schon in den nächsten Tagen starten wir diesbezüglich ein intensives Lobbying."

"Kaufkraftabfluss verhindern"

Mit dem Vorstoß wolle die Möbelkette verhindern, dass immer mehr Österreicher im benachbarten Ausland einkaufen, wo die Geschäfte auch sonntags geöffnet seien. Selbst in Deutschland ist nach Angaben von Ikea eine begrenzte Sonntagsöffnung mit Genehmigung der Gemeinden möglich.

Die Möbelkette geht davon aus, dass durch die Sonntagsöffnung zwischen 12 und 15 Prozent mehr Arbeitsplätze bei Ikea geschaffen werden könnten. Den Mitarbeitern stünde es dabei frei, ob sie am Sonntag arbeiten wollen oder nicht. Wer sich dafür entscheide, werde die kollektivvertraglichen Sonntagszuschläge erhalten, heißt es in der Aussendung weiter.

Schützenhilfe

Schützenhilfe für den neuen Anlauf zur Ladenöffnung am Sonntag bekommt der Ikea Österreich-Boss unter anderen von der Chefin des Möbelhauses Interio, Janet Kath, und Kika/Leiner-Chef Herbert Koch. Laut "Format" wird Meier beim Versandhandelstag am 16. Juni die Gelegenheit ergreifen, Kaufleute für eine weitere Liberalisierung zu sensibilisieren.

GPA: "Möbelhandel zündelt wieder"

In der Gewerkschaft sorgt die Ankündigung von Ikea für Aufregung. "Der Möbelhandel zündelt wieder mit der Sonntagsöffnung", mahnt die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) das bisherige Versprechen der Bundesregierung ein, dass die Sonntagsruhe im Handel gewahrt bleiben soll.

"Gerade im Möbelhandel können wir in letzter Zeit eine gezielte Missachtung bestehender Rechtsnormen beobachten. Daher nehmen wir die Ankündigung des Ikea Österreich-Chefs ernst, die Sonntagsöffnung in seinem Unternehmen einzuführen", erklärte der für den Handel zuständige GPA-Wirtschaftsbereichssekretär Erich Reichelt am Freitag.

AK: Rahmenbedingungen im Handel weiter verschlechtert

Eine jüngst vorgestellte Untersuchung der Arbeiterkammer (AK) zur Arbeitssituation der Arbeitnehmer im Handel zeige, dass sich die sozialen Rahmenbedingungen im Handel weiter verschlechtert haben. Davon seien im hohen Ausmaß Frauen und deren Familien betroffen, so Reichelt in einer Aussendung.

Die GPA kritisierte heute neuerlich, dass die Bundesregierung seit August des Vorjahres ohne Berücksichtigung der Interessen der Arbeitnehmer im Handel die Öffnungszeiten im Alleingang erweitert habe. Die neuen Öffnungszeiten würden bis dato von den meisten Handelsunternehmen "nicht einmal angenommen". (red/APA)

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Ikea

  • Ikea drängt auf die Sonntagsöffnung.
    foto: derstandard.at

    Ikea drängt auf die Sonntagsöffnung.

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