Päpstliche Lektion für einen US-Präsidenten

von Redaktion  |  03. Juni 2004, 22:45
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    Wenn die Engel Säcke tragen: Statue in Rom, im Dienste der Anti-Bush-Kritik

Norman Birnbaum über Bushs Pilgerfahrt

Bush dürfte eine ziemlich provinzielle, um nicht zu sagen primitive Sicht des Katholizismus haben. Offenkundig glaubt er, er könnte mit einem Appell an den Papst die kritischen katholischen Stimmen daheim beruhigen. Es gibt dabei nur eine ziemliche Schwierigkeit: Die amerikanischen Bischöfe finden beim Papst Gehör, wenn sie über unsre Rolle in der Welt reden. Der alte Herr ist nicht leicht zu beeinflussen, aber ihre und seine Sichtweise haben gemeinsame Wurzeln.

Am Vorabend des Irakkriegs sandte er seinen persönlichen Botschafter Kardinal Pio Laghi nach Washington mit einer klaren Botschaft: "Militärische Gewalt kann nur im Rahmen der UN-Bestimmungen zum Einsatz kommen." Genau das tat Bush nicht. Während der Verhandlungen über den Bush-Besuch gab Laghi dem Corriere della Sera ein Interview, in dem er jede diplomatische Vorsicht über Bord warf: "Wir stehen am Rande eines Abgrunds. Und wir müssen anhalten. Vor allem muss Amerika wieder lernen, die Menschenrechte zu respektieren, in die Familie der Nationen zurückkehren und der Versuchung widerstehen, allein zu handeln."

Die Handlungsweise Bushs habe dem Nahen Osten keinen Frieden gebracht, und es sei notwendig, "Brücken zum Islam zu bauen, nicht Gräben aufzureißen". Die Intention dieses Interviews war eindeutig: nämlich klar zu machen, dass der Papst dem Präsidenten nahe legen würde, einen schwer wiegenden Fehler zu korrigieren.

Die Begegnung zwischen dem hoch gebildeten Papst und einem ungehobelten US-Präsidenten könnte für Letzteren auch ein gute Nachhilfestunde in Religion werden. Würde er doch dabei, wenn er Ohren hat zu hören, vielleicht manch Nützliches über etwas erfahren, das auch seiner eigenen protestantischen Tradition widerstrebt - die Sünde der Hoffart. Der Gastgeber des Präsidenten in Rom, Berlusconi, ist ein Clown. Im Papst allerdings begegnet er einem Giganten. Man kann nur - wider alle Erfahrung - hoffen, dass er den Unterschied bemerkt.

(DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2004)

Aus einem Essay des streitba- ren US-Soziologen und Publi- zisten für das Onlinemagazin Salon
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15 Postings
Walter Tiefentaler
09.06.2004 10:45
ein gigant?

ob jp2 der katholischne kirche gut getan hat ist zu bezweifeln. die starrsinnige ablehnung der geburtenbegrenzung, die konservativ-duemmliche nachbesetzung von kardinaelen und das gewaehren lassen von fanatischen sekten a la opus dei sind kirchenpolitische todsuenden. jp2 will unbedingt heilig gesprochen werden, aber die nachwelt wird wohl kritischer ueber ihn urteilen als die gegenwartspropaganda. natuerlich wird eine moralische instanz gebraucht, den papst darum aber als giganten zu bezeichnen ist nicht zutreffend. angesichts johannes xxiii ist wohl eher das gegenteil wahr.

Alf von Melmak  
04.06.2004 05:03
Bush dürfte eine ziemlich provinzielle, um nicht zu sagen primitive Sicht des Katholizismus haben

Bush dürfte überhaupt eine recht primitive Sicht der Dinge haben!


Übrigens, da gab es doch schon einmal ein recht aussagekräftiges Bild von Bush beim Papst ("Oh, he is even dumber than I thought...")

Pete Zaria
04.06.2004 01:56

"Würde er doch dabei, wenn er Ohren hat zu hören, vielleicht manch Nützliches über etwas erfahren, das auch seiner eigenen protestantischen Tradition widerstrebt - die Sünde der Hoffart"


Muss nicht sein, oder?

lenny7  
04.06.2004 00:01

Erst Khol, Gusenbauer und Cap - und jetzt Bush! Na, der kennt Leut, der Wojtyla.

Harald Egger
04.06.2004 09:36
selten so gelacht über 1 Posting

..

christian kamenik
03.06.2004 21:39
diesen "schwerwiegenden Fehler zu korrigieren"

ist schlichtweg unmöglich. Tausende Menschen sind im Angriffskrieg getötet worden, Millionen durch die UNO-Sanktionen, von Verletzten, Gefolterten, Misshandelten, Verarmten ganz zu schweigen.

zimbo
04.06.2004 09:10
etwa 200000 bei Angriffskrieg !

der waldgaenger
03.06.2004 21:30

Selbst wenn sich Bush zum christlichen Glauben bekehrt haben sollte, hätte sich sein durch den Alkohol runierter Charakter dadurch nicht geändert, Religion ist keine Wunderheilung!" Kein Trinker wird das Reich Gottes erben" steht bei Paulus.

Philipp Klakl
04.06.2004 14:33
Naja ....

Das riecht irgendwie nach Argumentationsnotstand ... Es gibt andere Dinge, die man George Bush vorwerfen könnte als Alkoholmissbrauch. Außer du bist selbst auf eine Art Extremist, und rufst zum heiligen Krieg gegen den Alkohol, aber dann bist du eh nicht ernst zu nehmen ...

der waldgaenger
04.06.2004 17:17

nein nur zur Bekämpfung von Bush, jemand der derart exezessiv dem Alkohol verfallen war, gehört zumindest nach so kurzer Zeit nicht an den Atomkoffer! Außerdem schrieb ich nicht vom Alkohol, sondern vom Trinkertum! Das ist nachhaltiger, exzessiver Alkohol-Missbrauch! Ich trinke selbst Alkohol!

muterl
03.06.2004 20:45
keine chance

ich erinnere an die bilder vom letzten treffen wo er den papst mit "dear dalai lama" angesprochen hat

Mathias 
04.06.2004 14:50

wo gibts den link dazu ??

Donald Duck 
03.06.2004 21:28
Das halte ich sogar bei GWB für ein Gerücht.

Aber wenn's nicht wahr ist, ist es zumindest gut erfunden.

muterl
04.06.2004 05:50
ist es auch

aber das bild existiert und ist so schööööööööööööööööööööön

Alf von Melmak  
04.06.2004 05:04
zumindest gut erfunden

naja...

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