Aus für Abtreibungspraxis in Salzburg

22. Juli 2004, 11:41
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Grüne Frauen fordern nun Schwangerschaftsabbruch im Landeskrankenhaus

Salzburg - "Frauen in Notlagen, die sich - auf der Basis der Fristenlösung - zu einem Schwangerschaftsabbruch entscheiden, werden nun wieder im Regen stehen gelassen." So kommentiert Martina Berthold, Sprecherin der Grünen Frauen Salzburg, die aktuellen Vorgänge zum Thema Abtreibung. Die Ärztekammer habe im Fall des Abtreibungsarztes Schlebaum "mit einer seltenen Schnelligkeit und Vehemenz" durchgegriffen, gleichzeitig würden ÖVP und Kirche gegen Schwangerschaftsabbrüche an öffentlichen Krankenhäusern mobil machen, kritisiert Berthold. Ihre Forderung an die Landesregierung und vor allem an Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S): "Schwangerschaftsabbrüche müssen spätestens ab Sommer im Landeskrankenhaus möglich sein. Das zu erreichen, liegt alleine am politischen Willen und an der Durchsetzungskraft unserer neuen Landeshauptfrau."

"Kein Zwang in welcher Richtung auch immer"

Kritisch beurteilt die Grüne Frauensprecherin die Vorschläge aus ÖVP- und Kirchenkreisen: Wenn etwa ÖVP-LHStv. Wilfried Haslauer die Frauen verstärkt zur Adoption motivieren und Bischof Kothgasser mehr Geld in die kirchliche Beratungseinrichtung "Aktion Leben" stecken will, so sei dies "gut, aber kein Ersatz dafür, Frauen auch den Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch zu ermöglichen". Jede professionelle Unterstützung von Frauen in der schwierigen Entscheidungssituation sei zu begrüßen, "es darf aber zu keinem Zwang in welche Richtung auch immer kommen." so Berthold.

Wie es auch gehen könnte

Das von konservativen Kreisen gerne gegen die Abtreibung vorgebrachte Argument, "dass man es den Frauen ja nicht zu leicht machen darf", lässt Berthold unter Verweis auf die Niederlande nicht gelten: Dort war die Schwangerschaftsabbruchrate beispielsweise 1995 die niedrigste der Welt (6 pro 1.000 15- bis 44-jährige Frauen). "Und das, obwohl der Abbruch leicht zugänglich und für jede in den Niederlanden wohnhafte Frau kostenlos ist."

Erschwert

Von Burgstaller erwartet sich die Grüne Frauensprecherin, dass Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, nicht nach Linz oder Wien pilgern müssen, sondern diesen auch in einem öffentlichen Salzburger Spital durchführen lassen können. "Nachdem der Abtreibungsarzt Schlebaum seine Praxis nun endgültig schließt, ist eine Lösung dringend geboten. Und die kann nur darin bestehen, Abtreibungen auch am Landeskrankenhaus durchführen zu lassen", so Berthold. (red)

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