Im Schlafe dem Feind entgegentreten

9. Juni 2004, 12:36
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Österreichische Gesell­schaft für Schlafmedizin startet Studie über Alb­träume: luzide Träume sollen ihnen den Garaus machen

Wien - Pavor nocturnus, night terror, Nachtangst, Inkubus oder Albtraum - Worte, die vielen Menschen das Fürchten lehren. Eine Studie des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung hat schon 1993 in einer repräsentativen Umfrage gezeigt, dass rund vier Prozent der Österreicher regelmäßig unter Albträumen leiden.

Die Wissenschafterin Dr. Brigitte Holzinger will Albtraum-geplagten Menschen mittels Klarträumen - im Fachjargon: luziden Träume - helfen, die nächtlichen Geister und Monster aus dem Schlaf zu verbannen. Dies bedeutet, dass der Schlafende bewusst realisiert, dass er träumt. In Zusammenarbeit mit dem Wiener AKH will Holzinger mit einer Studie ihres Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung den wissenschaftlichen Beweis dafür antreten.

Im Schlafe tun, was man will

"Der Klartraum benötigt zwei Kriterien. Erstens muss der Träumer wissen, dass er träumt. Zweitens muss er sich dessen bewusst sein, dass er frei entscheiden kann, zu tun, was immer er möchte", erklärte Holzinger. Diese mentale Technik setzt sie für ihre seit Anfang des Jahres laufende Untersuchung zur Albtraumforschung ein.

Der erste Teil der Untersuchungen ist abgeschlossen, ein Zwischenbericht liegt vor. Und dieser macht deutlich, dass ein kleinerer Teil der Klartraumgruppe mit Hilfe des luziden Traums die Albträume zum Positiven hin hat verändern können. Neben psychologischen Tests und der Dokumentation der Krankengeschichte sind laufend mittels Fragebogens subjektive Daten über Schlaf und Traum der Versuchspersonen erhoben worden.

Auch Gestalttherapie hilft

An der Untersuchung haben bisher 20 Personen teilgenommen, wobei beide Gruppen eine Gestalttherapie erhielten - aber nur die zweite wurde im Klarträumen unterrichtet. Doch auch die erste Gruppe konnte gute Ergebnisse erzielen: "Insgesamt hat ein ganz großer Teil der Versuchspersonen enorme Erleichterung erfahren. Der Schrecken der Albträume hat sich verringert", so Holzinger zu den ersten Ergebnissen - "die Angst wird relativiert." Mit den für das Frühjahr 2005 erwarteten endgültigen Daten will die Psychologin die Wissenschaft davon überzeugen, dass Klarträumen ebenso eine psychotherapeutische Technik wie die Gestalttherapie ist. (APA)

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    derstandard.at
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