Kontrast-TV: Vera - wie man die Kurve von der Tragödie zur Komödie kriegt

1. Juli 2004, 23:29
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Nur Genies unter den TV-Zuschauern können Tränen in den Augen haben und zwei Sekunden später herzhaft lachen

"Chmelar live" gibt es ja so nicht mehr. Und wir vermuten, dass neben einem gewissen Witzzwang auch diese eigenartige Mischung aus todtraurigen und sehr lustigen Meldungen des Tages schuld am Ende des Konzeptes war. Der Stimmungswechsel durch die kontrastierenden Meldungen war gar zu abrupt, wurde durch Überleitungen nicht bewältigt, weil das auch gar nicht geht.

Nur Genies unter den TV-Zuschauern können schließlich Tränen in den Augen haben und zwei Sekunden später herzhaft lachen. Und auch dem Moderator muss die lustige Pointe angesichts mancher nachwirkender Katastrophenneuheiten einigermaßen misslingen.

Vera ist in der Hinsicht natürlich ein Phänomen. Und Donnerstag ist wieder eine Sendung, anhand derer man wohl studieren wird können, wie man die Kurve von der Tragödie zur Komödie oder zur als Komödie getarnten nahenden Tragödie kriegt, indem man es überhaupt nicht versucht.

Exklusiv wird da der Vater jener 17-Jährigen, die vergangene Woche an Unterernährung starb, sein Herz ausschütten. Danach geht es - man meint wohl, es sei thematisch passend - um eine recht radikale Diät.

Zu Gast ist ein Zahnmediziner, der draufkam, dass, wenn er "Patienten nach Kieferbrüchen die Kauwerkzeuge verdrahten musste", diese in vier Wochen bis zu 15 Kilo abahmen. Seither biete der liebe Arzt das Service auch Übergewichtigen an, damit sich diese eine Zeit lang nur noch mittels Strohhalm flüssig ernähren können, weil ihnen der Mund zugenäht wurde! (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 3.6.2004)

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