AHS in der Sackgasse?

17. September 2004, 11:56
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Im September 2004 tritt die neue AHS-Oberstufenreform in Kraft. Sie verspricht mehr Handlungsspielraum für Schulen. Dass sie hält, was sie verspricht, zweifeln LehrerInnenvertreter allerdings an.

Die AHS-Oberstufenreform ermöglicht den Schulen, von den 138 Wochenstunden in der Oberstufe bis zu 24 Stunden schulautonom und schülerautonom zu gestalten. SchülerInnen wählen einerseits im Ausmaß von 6 bis 12 Wochenstunden aus angebotenen Wahlpflichtfächern selbst Schwerpunkte, andererseits kann die Schule 12 bis 18 Stunden nach Absprache mit LehrerInnen- und ElternvertreterInnen autonom bestimmen.

Mehr Schulprofil?

Den Schulen soll damit die Möglichkeit gegeben werden, sich ein individuelles Profil zu verpassen. Attraktive Schwerpunkte wie "Telekommunikation" oder "Ökologie" sollen der künftige Garant für einen nicht abreißenden SchülerInnenstrom sein. "Corporate Identity" für die AHS quasi. Profilieren kann eine Schule, muss sie aber nicht.
Vom Büro Gehrer als "Entwicklung neuer kreativer Freiräume durch mehr Autonomie" vorgestellt, setzt gerade hier die Kritik der LehrerInnen an. Zu wenig weit greife die Reform, zu starr blieben die Strukturen auch weiterhin. Auch was die neuen "Schwerpunkte" betrifft, könnten die AHS nie mit den Angeboten berufsbildender Schulen konkurrieren. Großes Fragezeichen in vielen Schulgemeinschaftsausschüssen: Wer betreut die Schwerpunkte? Was sind die richtigen Schwerpunkte? Mit solchen und ähnlichen Problemen fühlen sich die Schulen alleingelassen.

Husch-Pfusch-Aktionen

"Für eine ordentliche Reform fehlt Ministerin Gehrer der Mut", beanstandet AHS-LehrerInnenvertreter Anton Hofer: "Auch diese Reform ist eine Husch-Pfusch-Aktion, nicht überlegt und viel zu abrupt eingeführt." Hofers Meinung nach steuert die AHS in Richtung Sackgasse. Noch immer sei die Schulform viel zu autoritär und unflexibel, die Klassen zu groß für Projektarbeit, die Stundenkürzungen hätten dazu ihren Beitrag geleistet.

Schulen alleingelassen

Eine Meinung, die Schulforscher Konrad Krainer von der Uni Klagenfurt nicht uneingeschränkt teilt. "Prinzipiell geht die Oberstufenreform in die richtige Richtung. Was aber die heftigen Diskussionen um die Sache beweisen: die Schulen bräuchten unbedingt Unterstützung vom Ministerium, um ihre Schwerpunkte sinnvoll zu definieren."
Krainer sieht die Zukunft der AHS unter der Vorraussetzung gesichert, dass die Schulen verstärkt auf ihre Qualitäten auf dem Gebiet der Allgemeinbildung hinweisen: "In einer Zeit, in der die berufliche Zukunft unsicherer denn je ist, wird Rundum-Bildung wieder wichtiger. Die AHS hat die Möglichkeit, die selbstständigen und kritischen Menschen zu erziehen, die in einer unsicheren Arbeitslandschaft gebraucht werden." Eine Möglichkeit, die angesichts der aktuellen Stundenkürzungen eingeschränkt ist.
"Trotzdem sind die Potenziale und Ideen da, so Krainer", "aber ohne unterstützende Beratung wird es für die Schulen schwierig, diese auch umzusetzen." (mhe)

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