Schnell, cool, tot: Die blutige Unfallbilanz

2. Juni 2004, 20:29
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14 Menschen starben im Pfingstverkehr - Junge Schnellfahrer waren zu einem erheblichen Teil daran beteiligt - Mit Grafik

Es ist eine der besonders blutigen Unfallbilanzen: 14 Menschen starben im Pfingstverkehr. Junge Schnellfahrer waren zu einem erheblichen Teil daran beteiligt. Tempo 200 auf der Autobahn ist kein Ausnahmefall mehr.

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Der Fahrer ist 18 Jahre jung, Probeführerscheinbesitzer, und als das Radargerät am Montagabend in Engerwitzdorf in Oberösterreich blitzte, zeigte der Tachometer seines Wagens 205 Stundenkilometer. Der Lehrling war auf der Mühlkreisautobahn in Richtung Freistadt unterwegs, seine Fahrerlaubnis ist er jetzt los. Selbst nach Abzug der Messfehlertoleranz war der junge Mann immer noch mit 189 Stundenkilometern unterwegs - 68 über dem erlaubten Limit. Die Autobahngendarmen waren überrascht, auf diesem Autobahnteilstück messe man selten derartige Geschwindigkeiten, das Stück eigne sich nicht zum Rasen.

Der junge Oberösterreicher war unfallfrei unterwegs, aber er darf zu jener Fahrergruppe gezählt werden, die am Pfingstwochenende in unerfreulicher Weise auf sich aufmerksam machte. 14 Verkehrstote wurden am verlängerten Wochenende gezählt, das sind acht mehr als zu Pfingsten 2003, und vielfach sind junge Lenker an den tödlichen Unfällen schuld.

Viele Motorradfahrer unterwegs

Wenig besser fällt mit 18 Verkehrstoten die Statistik der gesamten Woche aus. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren 21 Personen auf Österreichs Straßen ums Leben gekommen.

1996 wurde im Innenministerium mit "nur" fünf Verkehrstoten das günstigste Feiertagsergebnis seit Beginn der Statistik (1967) verzeichnet. 1979 war das bisher schlimmste Jahr, 45 Tote.

Zu Pfingsten spielte heuer auch das Wetter mit, die Motorradfahrer waren unterwegs, und das spiegelt auch die Unfallbilanz negativ wider.

Roman Michael, ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte, fasst das Geschehen so zusammen: "Nicht angepasste Geschwindigkeit, gepaart mit jugendlichem Leichtsinn." Die Hälfte der Unfälle mit tödlichem Ausgang war darauf zurückzuführen, dass irgendwer zu schnell unterwegs war. "Sechs der 14 Todesopfer waren in Unfälle mit jugendlichen Verursachern verwickelt."

Steter Anstieg der Zahl der Unfälle und der Verletzten

Er erkennt überhaupt einen steten Anstieg der Zahl der Unfälle und der Verletzten. Besonders eklatant hoch ist nach Sicht des ÖAMTC die Zahl junger Unfalllenker. Spektakuläre Unfälle mit Führerschein-Neulingen würden die Notwendigkeit der im Vorjahr eingeführten Mehrphasen-Fahrausbildung betonen.

Andererseits, es ist nicht immer eine Altersfrage: Jener Taxifahrer aus Niederösterreich, den die Gendarmen in seinem Privatwagen auf der Südautobahn bei Wiener Neustadt stoppten, war mit 205 Stundenkilometern unterwegs. Seine zwei Kinder saßen auf der Rückbank, die Gurte hingen unbenutzt neben ihnen. Der Mann kam aus Italien und wollte sein Auto noch schnell einmal "durchputzen". (red/DER STANDARD; Printausgabe, 2.6.2004)

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    Frontal gegen die Feuerwehr: Bei diesem Unfall in Ohlsdorf wurden am Pfingswochenende fünf Menschen verletzt; in ganz Österreich starten 14 Menschen.

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