Deutsche Tourismusbranche setzt auf neue EU-Staaten

11. Februar 2005, 15:34
posten

Reiseveranstalter und Fluglinien erweitern ihre Angebote

Frankfurt - Prächtige Hauptstädte wie Warschau oder Budapest, böhmische Thermalbäder oder slowenische Strände: Seit der EU-Erweiterung am 1. Mai sind viele touristische Ziele im Osten ohne lange Staus an den Grenzübergängen und lästige Einreiseformalitäten wesentlich entspannter zu erreichen. Das nutzen auch immer mehr deutsche Bundesbürger. Von der zunehmenden Beliebtheit der neuen EU-Länder Polen, Estland, Lettland, Litauen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta und Zypern will auch die deutsche Tourismusbranche profitieren.

Für die TUI ist das Geschäft mit den neuen EU-Staaten keine Premiere: "Wir haben alle Länder seit Jahren im Programm - mehr oder weniger erfolgreich", sagt Konzernsprecher Mario Köpers. Besonders beliebt bei deutschen Urlaubern sind demnach Polen und Ungarn. Zu unseren östlichen Nachbarn etwa ziehe es vor allem junge Leute und Familien, sagt TUI-Produktmanager Nick Brooks, der das Osteuropageschäft verantwortet. Nun soll das Angebot erweitert werden. Der Marktführer setzt vor allem auf den Gesundheits-Trend: Fast jede vierte Reise im deutschen Wellness-Katalog wird angesichts der vergleichsweise günstigen Preise bereits nach Mittel- und Osteuropa gebucht.

Wachsende Beliebtheit

Gerade in Polen, Tschechien oder im Baltikum bekommen die deutschen Urlauber noch immer mehr fürs Geld: In Warschau entspricht die Kaufkraft von einem Euro 1,38 Euro. In Prag können Reisende für einen Euro Waren im Wert von 1,36 Euro kaufen, in der litauischen Hauptstadt Wilna immerhin Waren im Gegenwert von 1,28 Euro.

Kein Wunder also, dass sich die Ziele im Osten wachsender Beliebtheit erfreuen. Die oft zweistelligen Wachstumsraten dürften aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die absolute Besucherzahl immer noch gering sei, sagt Köpers. Das Wachstum sei zudem begrenzt, da Polen, Tschechien und Co. eben keinen klassischen Badeurlaub mit Traumstrand und Sonnengarantie versprechen. Für viele bleibe es daher die dritte oder gar vierte Reise im Jahr. Durch die zahlreichen Medienberichte über die Vielfalt der neuen EU-Länder erhofft sich Europas größter Reisekonzern dennoch einen deutlichen Schub. "Da sind wir guter Hoffnung", sagt Köpers.

Das haben auch die Billig-Airlines erkannt: Um die neuen Ziele ist unter den Gesellschaften bereits heftiges Gerangel ausgebrochen. Kaum waren die Reisebestimmungen gelockert, schickte Air Berlin täglich einen Flieger ab 29 Euro pro Strecke in die ungarische Hauptstadt Budapest. Zudem bekommt Germanwings, die bereits seit einem Jahr die Donaumetropole ansteuert, auf der Strecke von der britischen easyJet Konkurrenz.

Seit zwei Wochen ist auch der Air-Berlin-Flug in die polnische Hauptstadt Warschau ab 29 Euro pro Strecke buchbar. "Die Nachfrage ist sehr stark - in beide Richtungen", sagt Sprecherin Angelika Schwaff. Für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hat sich die EU-Osterweiterung also schon gelohnt. Zusätzliche Verbindungen wird es vorerst aber nicht geben: "Unsere Flotte ist komplett ausgelastet."

Schon seit März startet Germanwings von Köln aus in die polnische Hauptstadt - schon ab 19 Euro pro Flug. Die Tochter von Eurowings, die knapp zur Hälfte der Lufthansa gehört, nimmt ab Ende Juni zudem Krakau als zweites Ziel in Polen ins Visier. Seit April verbindet die polnische Billigairline Air Polonia Warschau und Frankfurt/Hahn sowie Köln und die oberschlesische Hauptstadt Katowice (Kattowitz).

Langfristig geht es den Veranstaltern und Airlines jedoch nicht vorrangig um die deutschen Urlauber: Viel interessanter ist das Geschäft mit den 75 Millionen Neubürgern. Die TUI wolle von deren wachsenden Wohlstand profitieren, sagt Köpers. Daher haben die Hannoveraner bereits ihre Fühler etwa nach Polen, Ungarn, Slowenien und sogar Russland ausgestreckt, wo sie das Geschäft am Ort machen wollen. Bisher beschränkten sich die Reisevorlieben der neuen EU-Bürger auf die Türkei, Ägypten, Bulgarien und Griechenland. In der Deutschen liebstes Urlaubsland Spanien zieht es in Osteuropa dagegen nur wenige. (APA)

Share if you care.