Suchmaschine für die neun Milliarden Namen Gottes

15. Juni 2004, 18:47
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Universität Washington arbeitet an neuer Technik zur Erstellung von Listen - Vorbild aus der Science-Fiction-Literatur

Auch die beste Internet-Suchmaschine stößt schnell an Grenzen, wenn man zum Beispiel eine Liste der populärsten Gitarristen in der Rock-Geschichte haben will. Um auch solche Übersichten zu ermöglichen, gehen Wissenschafter der Universität von Washington in Seattle mit Unterstützung der Pentagon-Forschungsförderung (DARPA) und von Google neue Wege, wie das britische Fachmagazin "New Scientist" berichtet. Der klangvolle Name ihres Projekts: KnowItAll.

Sammeln

Die noch in Entwicklung befindliche Suchmaschine sammelt Informationen im Internet, indem sie nach Beziehungen zwischen einem Namen und der damit genannten Tätigkeit sucht, mit Hilfe spezieller Algorithmen verarbeitet und in Form von Listen aufbereitet. Auf diese Weise würden ganz neue Informationen erzeugt, die es im Web in dieser Form noch gar nicht gebe, erklärt Entwickler Oren Etzioni.

Der Idee, Computer zur Erstellung von Listen einzusetzen, beschäftigte aber schon den Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke in der 1956 erschienen Kurzgeschichte "Die neun Milliarden Namen Gottes". Dort sind die Mönche eines tibetanischen Klosters seit Jahrhunderten damit beschäftigt, alle mit den Buchstaben ihres Alphabets möglichen Namen Gottes aufzulisten. Da ihnen das allmählich zu lange dauert und das Computerzeitalter gerade anbricht, bestellen sie sich eine Rechenmaschine in ihr Kloster.

Ansprache

KnowItAll wäre ihnen wohl gerade recht gekommen. Denn Ziel des Projekts ist es laut Etzioni, dass KnowItAll auf Anfragen in natürlicher Sprache beantworten kann, wie zum Beispiel: "Liste alle britischen Wissenschafter auf, die vor 1900 geboren wurden." Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, Bisher kann man nur einzelne Kriterien eingeben. Schon jetzt liefert die Suchmaschine aber mit einer Kombination aus der Analyse von Web-Sites und Anfragen bei existierenden Suchmaschinen interessante Listen zum Beispiel von Schauspielern oder Wissenschaftern. In Prozenten wird hinter jedem Begriff angegeben, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Kriterium zutrifft.

Bei Clarke war die Suche der Mönche nach den neun Milliarden Namen Gottes übrigens mit Hilfe des "Mark-V-Rechners" von Erfolg gekrönt. Die beteiligten Computerexperten hatten sich aber leider vorher keine Gedanken darüber gemacht, was für ein Ziel ihre Arbeit hat und was die Konsequenzen sein könnten. Denn nach Ansicht der Mönche hat die Menschheit mit der Liste vollendet, wofür sie geschaffen wurde. Die beiden in die tibetischen Berge entsandten Beschäftigen der Computerfirma, George und Chuck, haben ihnen natürlich nicht geglaubt.

"'Schau', flüsterte Chuck, und nun blickte auch George zum Himmel hinauf. Irgendwann tut man alles zum letztenmal. Über ihnen erloschen die Sterne." (APA)

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