Hintergrund: Ein Tag dauert länger als ein Jahr

1. September 2004, 13:22
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Leben gilt auf der Venus als höchst unwahrscheinlich

Wien - Aus kosmischer Sicht ist die Venus unserer Erde gar nicht so unähnlich. Der Nachbarplanet ist nur wenig kleiner, hat fast die gleiche Dichte und einer etwas kürzere Umlaufzeit um die Sonne. Dennoch gilt als weitgehend unumstritten, dass Leben auf diesem Nachbarplanet sehr unwahrscheinlich ist. Ursache dafür ist die dichte Kohlendioxid-Atmosphäre mit einem extremen Treibhausklima, Temperaturen bis zu 500 Grad und einem rund 90-fach höherem Druck als auf der Erde. Extrem ist auch ein Venustag, er dauert 243 Erdentage und ist damit länger als ein Venusjahr.

Die Venus ist unser Nachbarplanet in Richtung Sonne. Sie kommt der Erde mit einem Minimum von 38,8 Millionen Kilometern näher als jeder andere Planet. Darum ist sie auch so deutlich bereits in der Dämmerung als besonders heller Abend- bzw. Morgenstern zu sehen. Ihre durchschnittliche Entfernung von der Sonne beträgt 0,72 Astronomische Einheiten (AE) wobei eine AE als durchschnittlicher Abstand Erde-Sonne (149,6 Millionen Kilometer) definiert ist.

Vergleichsweise sehr langsame Eigenrotation

Die mittlere Umlaufzeit der Venus um die Sonne, also ein Venus-Jahr, beträgt 224,7 Erdtage. Eine Spezialität des Planeten ist die vergleichsweise sehr langsame Eigenrotation, sie dreht sich innerhalb von 243 Erdtagen einmal um ihre eigene Achse. Bemerkenswert ist, dass die Eigenrotation im Vergleich zu den meisten anderen Planeten im Sonnensystem verkehrt abläuft. Der Hell-Dunkel-Rhythmus an einem bestimmten Punkt auf der Venus wird gemeinsam von Eigenrotation und Umlauf bestimmt, ein derartiger Sonnentag dauert 117 Tage.

Wolkendecke

Der Planet ist von einer geschlossenen, undurchsichtigen Wolkendecke umhüllt, seine Atmosphäre besteht hauptsächlich aus Kohlendioxid, in geringeren Mengen kommen auch Stickstoff, Wasserdampf und Schwefeldioxid sowie Spurengase vor. Durch einen extremen Treibhauseffekt, der das Abgeben der einstrahlenden Sonnenstrahlung in den Weltraum verhindert, hat sich der Planet auf bis zu 500 Grad aufgeheizt. Aber auch der atmosphärische Druck auf der Venus wären mit irdischem Leben kaum vereinbar. Er beträgt in der Nähe der Venus-Oberfläche das Neunzigfache des Drucks auf der Erde auf Meeresniveau.

Irdischen Teleskopen bleibt durch die dichte Gashülle die Sicht auf die Venus weitgehend versperrt. Erst durch US- und sowjetische Sonden wurden Blicke durch die dichte Atmosphäre möglich, sie haben mächtige Gebirgszüge, Becken und Tiefebene auf der Venus aufgespürt. Vor allem die US-Sonde "Magellan" führte eine vollständige Kartierung der Venus-Oberfläche durch. Die Sonden lieferten auch Hinweise, dass es auf der Venus vulkanische Aktivitäten geben muss. So wurden Vulkane selbst ebenso aufgespürt wie erstarrte Lavaflüsse, Aufwölbungen und Ähnliches. (APA)

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