Die meisten neuen Krankheiten stammen von Tieren

4. Juni 2004, 13:28
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WHO-Konferenz: Umweltzerstörung durch den Menschen als Haupt-Risikofaktor

Frankfurt/Main - Die meisten neuen Krankheiten des vergangenen Jahrzehnts hat sich der Mensch über Tiere zugezogen. Die Regierungen müssten dringend verhindern, dass sich weitere so genannte zoonotische Krankheiten auf den Menschen ausbreiteten, forderten Experten auf einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf.

Zu den zoonotischen Erkrankungen zählen neben der HIV-Infektion etwa die Lungenkrankheit SARS oder die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die durch den Verzehr von BSE-infiziertem Fleisch verursacht wird. Die Gefahr neuer Erkrankungen besteht nach Einschätzung der Experten unvermindert fort, weil der Mensch immer stärker in zuvor unberührte Lebensräume von Tieren eindringt.

Haupt-Risikofaktor

"Der Haupt-Risikofaktor für die Entstehung zoonotischer Erkrankungen ist die Umweltzerstörung durch den Menschen, insbesondere Abholzung und Verstädterung", betonte der WHO-Leiter für Zoonosen, Francois Meslin. Andere Faktoren sind die Zunahme des Reiseverkehrs oder kulinarische Gewohnheiten.

So vermuten Mediziner, dass die chinesische Vorliebe für die dort als Delikatesse geltenden Larvenroller die Übertragung von SARS auf den Menschen begünstigt hat. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die meisten Menschenkrankheiten in der Vergangenheit Tierkrankheiten waren", sagte Meslin nach einem Bericht des "British Medical Journals".

Kontinuierliche Überwachung gefordert

Eine weitere internationale Konferenz Anfang Mai in Leipzig warnte ebenfalls vor den Folgen von Umweltzerstörung für die Gesundheit von Menschen und Menschenaffen. "Die fortschreitende Zerstörung der Regenwälder in Afrika und Asien, in denen Menschenaffen leben, und daraus resultierende Klimaveränderungen führen zu dramatischen Veränderungen, die möglicherweise das Auftreten neuen, unbekannter Krankheitserreger in diesen Menschenaffen begünstigen und damit auch ein Risiko für den Menschen bergen", betonte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth.

Notwendig sei eine kontinuierliche Überwachung der Infektionen und Erkrankungen bei wild lebenden Menschenaffen. Auch die Bevölkerung, die Kontakt zu diesen Affen habe, etwa durch Verzehr des Fleisches der Tiere, müsse regelmäßig untersucht werden. Die Forscher wiesen auf der Konferenz darauf hin, dass sowohl das Immunschwäche- als auch das Ebolavirus vermutlich vom Affen auf den Menschen übertragen wurde. (APA/AP)

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    Ein Larvenroller ist mit Vorsicht zu genießen ...

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