Hexenverfolgung in der Steiermark

8. Juli 2004, 11:33
9 Postings

Sammelband des verstorbenen Grazer Rechtshistorikers Helfried Valentinitsch zieht Vergleiche zu heutigen "sozialen Randgruppen"

Graz - Die Verfolgung von so genannten Hexen und Zauberern zählte auch im Gebiet des heutigen Österreich zu den schrecklichsten Phänomenen der frühen Neuzeit. Der Grazer Rechtshistoriker Helfried Valentinitsch hat sich bis zu seinem frühen Tod mit dieser Thematik aber auch der Situation sozialer Randgruppen beschäftigt. In memoriam des im Jahr 2001 verstorbenen Wissenschafters wurde nun im Grazer Leykam Verlag ein Sammelband mit 25 Schriften zur Thematik seit dem Jahr 1987 herausgegeben.

820 Menschen im Verdacht der Zauberei

Ein wesentlicher Teil der Tätigkeit von Valentinitsch war jenem düsteren Abschnitt europäischer Geistes- und Kulturgeschichte gewidmet, der die Tragik rund um Verfolgung, Folter und Tod jener Menschen darstellt, die der Hexerei angeklagt wurden. Allein in der Steiermark sind vom ersten Prozess 1546 bis zur letzten Verhandlung gegen Hexen (1746) 820 Menschen der Zauberei bezichtigt und zum Großteil grausam hingerichtet worden. Seine Schilderungen der Rahmenbedingungen und Mechanismen bei der Verfolgung der "Sündenböcke" von einst führt die LeserIn immer wieder zu Vergleichen mit der heutigen Situation sozialer Randgruppen.

Subjektive Auswahl

Der Gedenkband umfasst in einer subjektiven Auswahl von Markus Steppan, Professor für Österreichische Rechtsgeschichte der Uni Graz, 25 Texte zu Valentinitschs Arbeitsschwerpunkten "Hexen und Zauberer" sowie zum Themenbereich "Soziale Randgruppen".

Bettlerinnen im 16. und 18. Jahrhundert

Ausgehend von der europäischen über die österreichische bzw. steirische Entwicklung bis zur Darstellung von Einzelschicksalen in Rechtsfällen wird die Problematik erläutert. Dabei finden sich u.a. Schriften zum Hexenwahn auf dem Gebiet des heutigen Slowenien und die Darstellung von Prozessen in der Steiermark oder auch die Schilderung der mit den Prozessen vorangetriebenen Karrieren von JuristInnen. Im Teil "Soziale Randgruppen" finden sich u.a. Analysen zu einem Phänomen, das in der österreichischen Geschichtsforschung kaum Beachtung fand: der Situation von Bettlerinnen im 16. und 18. Jahrhundert und der Frage der Mobilität der Frauen im Zeitalter des Barock.

Biographisches

Valentinitsch wurde 1943 in Graz geboren und studierte Geschichte, Geographie und Archäologie. Nach der Promotion habilitierte sich der Historiker am Institut für Österreichische Rechtsgeschichte in Graz. In Lehre und Forschung stellte er die juristischen Aspekte immer in engen Kontext zur Alltags- und Sozialgeschichte. Neben seiner Tätigkeit an der Uni war er für die wissenschaftliche Leitung von Landesausstellungen - u.a . "Hexen und Zauberer" 1987 auf der Riegersburg - verantwortlich. (APA)

Helfried Valentinitsch: "Hexen und Zauberer in der Steiermark",
herausgegeben von Steppan Markus, Leykam Buchverlag, Graz 2004,
320 Seiten,
24,90 Euro,
ISBN: 3-7011-7475-X
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.