Niederlande

10. Juni 2004, 20:37
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Elf Spezialisten und keine Elf
Die Niederländer streiten, ändern die Taktik und sind prinzipiell zu allem fähig ...

Amsterdam - Der Senf von Johan Cruyff, in den Siebzigerjahren einer der ganz genialen Fußballer, ist stets gefragt. "Jetzt weiß jeder, was Oranje nicht kann", sagt er. "Es muss eine Elf spielen, nicht elf Mann." Das Problem der Niederländer ist evident. Stars aus Topklubs aus Topligen, aber kein homogenes Team. Die letzten Tests vor der WM liefen schief, sowohl gegen Belgien als auch gegen Irland setzte es ein 0:1. Cruyff gibt gern Tipps, also richtet er Bondscoach Dick Advocaat aus: "Ich war schon mehrmals überrascht, dass da Spieler zusammenspielen, die nicht zusammenpassen. Auf jeder Position steht ein Spezialist, dabei ist es doch wichtiger, dass man Spieler sucht, die sich gegenseitig ergänzen und im Idealfall auch verstärken."

Ex-Bondscoach Louis van Gaal: "Es liegt nicht an den technischen Fähigkeiten, sondern an den Persönlichkeiten. Sie sprechen auf dem Spielfeld zu wenig miteinander." Van Gaals Senf ist aber nicht so gefragt, schließlich war er dafür verantwortlich, dass die Niederländer die Quali für die WM 2002 verpassten.

Abseits des Feldes ist von Streit die Rede, so forderte etwa Clarence Seedorf (AC Milan), dass er zentral hinter den Spitzen spielen wolle. In der Spitze das Gedränge: Einen Stammplatz hat nur Ruud van Nistelrooy von Manchester United sicher. Weltklassestürmern wie Roy Makaay (Bayern München), Pierre van Hooijdonk (Fenerbahce Istanbul) oder Patrick Kluivert (FC Barcelona) droht die Ersatzbank. Advocaat überlegte nach den verpatzten Tests jedenfalls eine Kurskorrektur, kündigte an, von 4-4-2 auf 4-3-3 mit zwei Flügelstürmern zu wechseln. Advocaat: "Ich bin überzeugt, dass wir uns gegen Deutschland steigern."

1988 bei der Euro in Deutschland gewannen die Niederländer, 1974 und 1978 jeweils Vizeweltmeister, den Titel, seitdem zählen sie zwar dank ihres Reservoirs an außerordentlich talentierten Facharbeitern stets zum Favoritenkreis. Dass bis jetzt nichts Großartiges folgte, lag schon auch am Pech.

Das Team verlor seit 1988 in drei Endrunden bloß einmal in der regulären Spielzeit (1996 in und gegen England 1:4), ansonsten wurde es im Elferschießen verabschiedet. In England im Viertelfinale gegen Frankreich, 1992 in Schweden im Halbfinale gegen den späteren Europameister Dänemark und 2000 im eigenen Land im Halbfinale gegen Italien. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 11. Juni 2004, hac, sid)

NIEDERLANDE:

Vorrunden-Gegner: Deutschland (15. Juni, 20:45 Uhr, Porto/Dragao), Tschechien (19. Juni, 20:45 Uhr, Aveiro), Lettland (23. Juni, 20:45 Uhr, Braga)

Teamchef: Dick Advocaat

Stars: Ruud van Nistelrooy, Patrick Kluivert, Jaap Stam, Edgar Davids, Roy Makaay, Clarence Seedorf, Rafael van der Vaart

Größte Erfolge: Europameister 1988, Vize-Weltmeister 1974 und 1978

Qualifikation: Zweiter der Gruppe 3, Playoff: Schottland - Niederlande 1:0, Niederlande - Schottland 6:0

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Niederländischer Verband

Kader

Tor
Edwin van der Sar (Fulham), Ronald Waterreus (PSV Eindhoven), Sander Westerveld (Real Sociedad)

Verteidigung
Frank de Boer (Glasgow Rangers), Wilfred Bouma (PSV Eindhoven), Giovanni van Bronckhorst (FC Barcelona), Johnny Heitinga (Ajax Amsterdam), Michael Reiziger (FC Barcelona), Jaap Stam (AC Milan)

Mittelfeld
Mark van Bommel (PSV Eindhoven), Phillip Cocu, Edgar Davids (beide FC Barcelona), Clarence Seedorf (AC Milan), Wesley Sneijder, Rafael van der Vaart (beide Ajax Amsterdam), Boudewijn Zenden (Middlesbrough)

Sturm
Pierre van Hooijdonk (Fenerbahce), Patrick Kluivert (FC Barcelona), Roy Makaay (Bayern München), Andy van der Meyde (Inter Mailand), Ruud van Nistelrooy (Manchester United), Marc Overmars (FC Barcelona), Arjen Robben (PSV Eindhoven)

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