Türkises Rauschen

24. Mai 2005, 13:00
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Das vor kurzem neu eröffnete Hotel Belle Mare Plage auf Mauritius gibt dem Qualitätstourismus eine neue Ästhetik

Hätten Sie die Musik lieber leiser? Möchten Sie noch eine Decke, Zitronengrassaft, ein anderes Raumparfum? Hier im Spa des Hotels Belle Mare Plage auf Mauritius kann es nur noch um die kleinen Wünsche gehen. Um den Feinschliff des Luxus, der sich in Gesten, Düften, Klängen - kurzum in Atmosphäre ausdrückt. Die großen Urlaubswünsche sind ja bereits erfüllt. Die Lufttemperatur ist im Winter der südlichen Halbkugel in den hohen Zwanzigern, die Temperatur des Meeres leicht darunter. Mehr Luxus als ein Luxushotel in den Tropen aus der Perspektive des europäischen Winters ist kaum vorstellbar. Doch dann. Die Dame, die die eingangs gestellten Fragen fragt, heißt auch noch Sweetie.

Sweetie ist Masseurin und Kosmetikerin im Spa, der in Kooperation mit der japanischen Kosmetikmarke Shiseido geführt wird, eines der luxuriösesten Hotels auf Mauritius, wobei die Insel mit Vier- und Fünfstern-Hotellerie ganz gut ausgestattet ist. Beim Belle Mare Plage handelt es sich um eine neue Kategorie von Luxus-Hotel.

Eine, die punktgenau auf den Geschmack und die ästhetischen Vorstellungen urbaner Europäer und Amerikaner orientiert ist. Das bedeutet: Kolonial- und Folklorekitsch, dem man häufig an exotischen Fünf-Stern-Orten begegnet, raus, moderne Architektur, Materialkombinationen und gastronomische Konzepte rein. Und wer sagt, dass es in einem Hotel in den Tropen Folklore-Abende geben muss, ein wenig zurückhaltender Live-Jazz tut's auch.

So gesehen wäre das Belle Mare Plage auch in Hamburg oder London nicht fehl am Platz, wenn da nicht die Wörter Mare und Plage wären. Meer und Strand sind wie die Postkarten vom Paradies, die in den Büros der nördlichen Halbkugel hängen: ein türkises-hellblau-türkises Rauschen, das am weißen Sand an seine Grenze stößt.

Die Luxus-Hotellerie auf Mauritius hat noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Sieben neue Projekte liegen der Regierung zur Genehmigung vor. Das ist für eine Insel dieser Größe nicht wenig, zumal wirtschaftliche Umstände und politische Faktoren dem Tourismus-Wachstum von vornherein Grenzen gesetzt haben. Zum einen sind die Strände per Gesetz der Öffentlichkeit zugänglich. Und auf Übertretungen reagieren die Mauritianer mit ebenso höflichem wie bestimmten Aktionismus: Als ein Hotel badende Mauritianer mit dem Hinweis, hier handle es sich um Privatgrund, des Strandes verweisen wollte, stand dies tags darauf in der Tageszeitung, worauf hin die Mauritianer besagtes Strandstück flächendeckend mehrere Tage lang okkupierten. Die Hotelleitung überlegte es sich dann doch anders.

Zum anderen gestattet die mauritianische Regierung keine Charterflüge (Ausnahmen werden genehmigt). Eine Auslastung des Bettenvolumens ist mit der Passagieranzahl, die die Linienflieger absetzen, nicht zu erreichen, unken die die Hoteliers, die prophylaktisch um ihre Investitionen fürchten.

Insgesamt ist Mauritius mit dem Leitbild des Qualitätstourismus gut unterwegs. Es gibt seit Jahren stetiges Wachstum, aber keinen Boom. In der Folge bleibt der Insel jede Spring Break-Hektik und Disco-Tourismus erspart. Nachzuvollziehen im Belle Mare Plage, etwa am Weg vom Spa zum japanischen Teegarten, wo nur das gemächliche Gluckern des Bächleins und das Rauschen im Bambus zählt. (B.L./Der Standard/rondo/28/5/2004)

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