WLAN-Standorte wachsen trotz geringer Nachfrage rasant

17. Juni 2004, 14:46
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Studie: Hoher Preis, geringe Nutzerfreundlichkeit und mangelnde Sicherheit gravierende Barrieren für deutsche "Hotspots"

Öffentliche Zugangspunkte ins Internet (WLAN) werden einer Studie zufolge in Deutschland bisher nur sehr wenig genutzt. In einer am Mittwoch in Bad Honnef veröffentlichten Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Kommunikationsdienste (Wik) wurden als Gründe vor allem hohe Nutzungspreise, umständliche Bedienung und Sicherheitsbedenken genannt. Im internationalen Vergleich gehöre Deutschland mit rund 2.300 WLAN-Einwahlpunkten zu den führenden Ländern.

Schritt halten

"Die Nachfrage nach PWLAN-Hotspots (Public Wireless Local Area Network) konnte bislang mit dem intensiven Angebotswachstum nicht Schritt halten", heißt es in der Studie. An den meisten Einwahlpunkten, die für einen schnellen Zugang ins Internet per Kurzstreckenfunk und tragbarem Computer sorgen, würden pro Tag weniger als fünf Kunden gezählt. "Zu hohe Preise, geringe Nutzerfreundlichkeit und mangelnde Sicherheit sind heute zum Teil gravierende Nutzungsbarrieren, die beseitigt werden müssen, um einen Massenmarkt zu erreichen." Der Studie zufolge liegen die Nutzungsentgelte derzeit zwischen knapp vier Euro pro Stunde und 25 Euro pro Tag.

Cafes, Restaurants oder Hotels

Drei Viertel der gegenwärtig 2.250 deutschen WLAN-Standorte befänden sich in Cafes, Restaurants oder Hotels und wiesen nur eine geringe Nutzungsfrequenz auf. Mittel- bis langfristig seien diese Standorte nicht rentabel zu betreiben und würden daher voraussichtlich wie ein kostenlos bereitgestellter Fernseher im Hotelzimmer vor allem als Mittel zur Kundenbindung dienen, prognostizieren die Autoren der Studie.

Generierung von Gewinnen möglich

Lediglich die Standorte mit hohem Publikumsverkehr, wie etwa an Flughäfen oder Bahnhöfen, machten künftig eine Generierung von Gewinnen möglich. Präzise Geschäftszahlen seien bei den Betreibern jedoch noch nicht erhältlich. Als Grundlage für die Untersuchung dienten den Angaben zufolge unter anderem Fallstudien und Gespräche mit Branchenvertretern. Als Marktführer wurde die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, T-Mobile, mit einem Marktanteil von 34 Prozent vor der Swisscom-Tochter Eurospot mit 16 Prozent genannt.

Wachstum

Der Studie des in der Telekom-Branche renommierten Forschungsinstituts zufolge ist die Zahl der WLAN-Standorte in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren rasant gewachsen. Ende 2002 habe die Zahl der öffentlich nutzbaren Einwahlpunkte bei rund 150 gelegen und sei bis Ende 2003 bereits auf 1200 Punkte gewachsen. Auch in den kommenden Jahren sei trotz der noch schwachen Nachfrage mit einem kräftig weiter wachsenden Angebot zu rechnen. Bis zum Jahresende 2005 sei in Deutschland mit über 16.000 Hotspots zu rechnen. Getrieben werde dieses Wachstum vor allem von preiswerten Netzwerkkomponenten und der lizenzfreien Nutzung der Frequenzen.

Bis zu 54 Megabit

WLAN ist eine Funktechnologie, die innerhalb eines Radius von rund 100 Metern das Surfen im Internet mit bis zu 54 Megabit pro Sekunde ermöglicht. Bei Festnetz-Anschlüssen liegt die Datenübertragungsrate gegenwärtig bei maximal drei Megabit.(APA/Reuters)

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