Dalís Menorah für den Herzl-Platz

6. Juni 2004, 22:04
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Franzose möchte Wien einen siebenarmigen Leuchter des spanischen Surrealisten schenken

Wien - "Dieses Geschenk kann sich eine Kulturstadt doch nicht entgehen lassen." Deshalb ist Werner Winterstein optimistisch: Am Donnerstag, wird das Bezirksparlament des ersten Bezirkes auf seine Initiative hin darüber abstimmen, ob die Stadt zu bitten ist, sechs Säulen des Bildhauers Wander Bertoni abzubauen.

Provisorium auf der Gartenbaupromenade

Und das, so der Architekt und VP-Bezirkspolitiker, keineswegs, um den Künstler zu kränken: Bertonis sechs Säulen stehen seit Jahren als Provisorium auf der Gartenbaupromenade. Weil sich eine Bürgerinitiative gegen ihre planmäßige Aufstellung am Jodok-Fink-Platz gewehrt hatte. Nun aber, wo die Gartenbaupromenade unmittelbar davor steht, in Theodor-Herzl-Platz umbenannt zu werden, sei es an der Zeit, für Bertoni einen anderen Aufstellungsort zu suchen.

Ein französicher Geschäftsmann schenkt der Stadt Wien nämlich eine vier Meter hohe Menorah (ein siebenarmiger Leuchter und eines der wichtigsten Symbole des Judentums) die der spanische Surrealist Salvador Dalí kreiert hat. Bedingung des Gönners: Der Leuchter soll auf dem Herzl-Platz aufgestellt werden. "Dass Wien einen Herzl-Platz bekommt", erklärt Winterstein, "ist international nicht unbemerkt geblieben."

Weltweit nur sechs Stück

Weltweit existieren von der 2,8 Tonnen schweren Bronzefigur nur sechs Stück. Eine Dalí-Menorah steht auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv. Winterstein, der vor zwei Jahren Initiator der Suche nach einem Herzl-Platz war, rechnet damit, dass keine größeren Probleme bei der Umsiedlung der Bertoni-Stelen und der Aufstellung der Dalí-Menorah auftauchen werden. Statisch stelle das kein Problem dar. Und der Beschluss, anlässlich des 100. Todestages des Begründers des Zionismus dem Wiener Herzl einen Herzl-Platz zu widmen, sei schließlich auch einhellig gewesen. Und heuer sei "ein Dalí-Jahr".

Wintersteins Traum wäre es, Anfang Juli - wenn die Gartenbaupromenade offiziell umbenannt wird - auch die Menorah enthüllt zu sehen.

Dass das Kunstwerk besonderen Schutz brauchen könnte, glaubt er nicht. Überdies ist das US-Konsulat an der Gartenbaupromenade untergebracht und deshalb rund um die Uhr überwacht. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 27.5.2004)

  • Eine Dalí-Menorah steht auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv
    foto: standard

    Eine Dalí-Menorah steht auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv

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