Corporate Citizenship: Unternehmen und gesellschaftliche Verantwortung

    1. Juni 2004, 11:20
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    Der Begriff hat Konjunktur – und bedeutet mehr als das Überreichen von Schecks

    Ob Global Corporate Citizenship Initiative des World Economic Forums 2001, Grünbuch der EU-Kommission, Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages oder die Anstrengungen der ISO: Es gibt zahlreiche politische Initiativen und Verlautbarungen zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen.

    Corporate Citizenship – eingedeutscht "Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen" – als Instrument der gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme von Unternehmen wurde in den letzten Jahren zunehmend zum Schlagwort, sowohl im wissenschaftlichen als auch im politischen Diskurs; dennoch gibt es oft unterschiedliche Vorstellungen über Zusammenhänge, Ausgestaltung und Wirkung des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen und das Wissen darüber ist oft gering.

    Was verbirgt sich hinter dem Begriff?

    Eine neuartige Form der Shareholder-Value-Maximierung, wie mitunter von KritikerInnen unterstellt, oder reine Philanthropie, wie manche WirtschaftsethikerInnen sie fordern? Weder noch. Der Begriff bezeichnet vielmehr nachhaltige Partnerschaften zwischen Wirtschaft und gesellschaftlichen Gruppen (z.B. Sozial- und Bildungseinrichtungen, Umweltbewegungen, Selbsthilfegruppen, regionale BürgerInneninitiativen, internationale NGOs, etc.), die mit der Zielsetzung eingegangen werden, sich gemeinsam wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen, die die gesamte Gesellschaft betreffen, zu stellen.

    Dabei geht es seitens der Unternehmen im wesentlichen um die Bereitstellung von Geld- und Sachmitteln (Corporate Giving) sowie um den Einsatz von Personalressourcen (Corporate Volunteering). Das impliziert, das traditionelle Gegensatz-Denken zwischen Unternehmen und ihrer gesellschaftlichen Umgebung zu überwinden und Kontakte zwischen BürgerInnen und Unternehmen aufzubauen. Es ist dabei notwendig, gemeinsame win-win Potenziale für Unternehmen und Gesellschaft zu finden und in gemeinsamen Initiativen zu realisieren.

    Wie können win-win Effekte hergestellt werden?

    Erfolgreiche Corporate Citizenship Projekte, wie sie über die letzten Jahre im deutschsprachigen Raum beobachtet werden konnten, nutzen sowohl gemeinnützigen Einrichtungen als auch den engagierten Unternehmen selbst.

    Unternehmen profitieren auf vielfältige Weise, z.B. durch Verbesserung der Reputation und sozialen Identität, durch staatsunabhängige Gestaltung von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen, Stabilisierung des sozialen Umfeldes, Erschließen neuer Zielgruppen, Verbesserung der Unternehmensbewertung an den Finanzmärkten, u.v.m.

    Ein zentraler Nutzen besteht im Humanressourcemanagement: wenn MitarbeiterInnen sich aktiv in gemeinnützigen Einrichtungen engagieren, stärken sie ihre soziale Flexibilität, also die Fähigkeit, sich in einer anderen Welt kompetent bewegen zu können und können obendrein noch stolz auf ihre Zugehörigkeit zu einem Unternehmen sein, das dies ermöglicht.

    Erfolgreich sind Corporate Citizenship Projekte insbesonders dann, wenn sie einem strategischen Konzept folgen, Partnerschaften mit relevanten Einrichtungen eingehen, auf einer breiten Verankerung in der Belegschaftsbeteiligung fußen und auf Nachhaltigkeit statt auf kurzfristige PR-Aktionen abzielen. Nutzeffekte für Gemeinwohleinrichtungen wiederum sind gegeben durch z.B. Aufbau wirtschaftsbezogener Kompetenzen, größerer Unabhängigkeit von staatlichen Vorgaben und Mitteln, Steigerung des Bekanntheitsgrades der jeweiligen Einrichtung und natürlich auch durch materiellen Gewinn.

    Aus diesem Grunde gibt es auch in Österreich schon interessante Corporate Citizenship Projekte, die im Monatsthema Mai 2004 vorgestellt werden.

    Der Stand der Debatte und gegenwärtige Ausprägungsformen von Corporate Citizenship bilden das "Thema des Monats" im Internetportal

    Logo: Nachhaltigkeit.at
    Eine Initiative des Lebensministeriums



    Die Autorinnen:
    Maria Schwarz-Wölzl arbeitet am Zentrum für Soziale Innovation, Wien Sabine Waidhofer am Forschungsinstitut für nachhaltiges Wirtschaften, Innsbruck

    Direkt-Link zum Monatsthema 05/2004
    (mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
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