Kritische Käufer - enthaltsame Firmen

30. Juni 2004, 08:53
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Knabbernossi- Hersteller werden auf die Verarbeitung von Fleisch von GVO-gefütterten Tieren verzichten

Die Hersteller der Knabbernossi haben sich bereit erklärt, auf die Verarbeitung von Fleisch von GVO-gefütterten Tieren zu verzichten. Ein Entgegenkommen, das bei Diskussionen um Gentechnik im Essen nicht neu ist - trotz ungelöster Probleme. 

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Wien - Wichtig seien vor allem "die Bedürfnisse der Konsumenten", betont Claudia Horacek von der Vivatis Holding AG, deren Firmentochter Maresi unter anderem die beliebte Dauerwurst "Knabbernossi" produziert. Der fleischige, in Zellophan verpackte und auch bei Kinder sehr beliebte Snack für zwischendurch wurde Anfang Mai von Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace rüde aus den Regalen eines Wiener Supermarkts geholt.

Die Schweine und Rinder, die das Fleisch für die Wurst liefern, würden mit gentechnisch verändertem (GV) Tierfutter - großteils Soja - gemästet. So lautete damals die Begründung für die Protestaktion. Nun verkündet Horacek Willen zu biotechnologischer Enthaltsamkeit: Vivatis - so heißt es in einem Schreiben des Konzerns an Greenpeace vom 25. Mai - werde sich bemühen, bis Anfang Juli "beim Produkt ,Knabbernossi' für den Rindfleischanteil die Fütterung ohne Gentechnik zu garantieren".

Gentech-frei ab 2005

Bis "spätestens Herbst 2005", so der Brief weiter, werde der Konzern - der unter anderem auch den Gourmet Menuservice betreibt - zudem als Ganzes versuchen, auf Fütterung ohne Gentech-Soja umzustellen. "Wir werden von allen unseren Fleischlieferanten Garantien verlangen, dass die Schlachttiere mit Produkten ohne GV-Anteil gefüttert worden sind", schildert Horacek. Die Greenpeace-Aktion, so ergänzt sie, habe Vivatis "schon weh getan". Doch: "Dialogbereit sind wir immer."

Dialogbereit, weil die Ablehnung von Gentech-Food in Österreich umfassend sei, ergänzt man bei Greenpeace. Und beruft sich dabei auf eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Isma vom März 2004. Demnach würden 88 Prozent der 500 Interviewten keine tierischen Produkte kaufen, wenn auf der Verpackung erkennbar wäre, dass zur Herstellung GV-Tierfutter verwendet worden ist: Doch diese Produktinformation ist bei Fleisch, Wurst, Milch, Eiern- im Unterschied zu pflanzlicher Nahrung und Tierfutter - auch laut der strengeren, neu in Kraft befindlichen EU-Kennzeichungsverordnung nicht vorgesehen (siehe Wissen).

Dieses im EU-Vergleich klare Konsumenten-Nein stelle "Marktmacht" dar, erläutert Greenpeace-Gentechnikexpertin Susanne Frommwald (in Osteuropa, in Teilen Skandinaviens, in Spanien und den Niederlanden sind dagegen die Zustimmenden in der Mehrzahl). Marktmacht ist eine der Möglichkeiten, Druck auf Produzenten und Händler im besonders sensiblen Lebensmittelbereich auszuüben: Auf Greenpeace-Anfrage im Rahmen der derzeit laufenden Anti-Gentech-Kampage hin reagierten 95 Prozent aller Lebensmittelproduzenten und -händler im nichtfleischlichen Bereich sofort mit der Zusicherung, keine GV-anteiligen Artikel zu verkaufen.

Problem Tierfutter

Bei den Produzenten und Vertreibern tierischer Produkte war das Feedback weniger positiv. Laut Frommwald kein Wunder, da der Verband heimischer Tierfutterhersteller ihnen den Nachweis von Gentechnikfreiheit derzeit verunmögliche: Der Verband hat aus Haftungsgründen beschlossen, alle Produkte mit dem Hinweis auf eine GVO-Anteile zu versehen - egal, ob Gentechnik mit im Spiel ist oder nicht - "doch", so Frommwald, "wir sind mit den Verantwortlichen derzeit im Gespräch".

Als "durchaus zielführend" schätzt man die NGO-Strategie indes auch im Büro von Landwirtschaftsminister Josef Pröll (ÖVP) ein: Die Entscheidungsfreiheit, die die EU den Konsumenten in Gentech-Belangen gebe, werde auf diese Art in der Tendenz sogar noch ausgeweitet. Als Zusatz zum offiziellen Probenziehungsplan der heimischen Agentur für Ernährungssicherheit (Ages) sozusagen, die laut Sprecher Oskar Wawschinegg gerade rund 600 Proben pro Jahr vorsieht. Die GVO-Tests nämlich seien teuer und äußerst aufwändig: "Das ist so, als ob Sie in einem Heuhaufen, der sämtliches Heu in Österreich umfasst, eine Stecknadel suchen." (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 27.5.2004)

  • Zwei Würste, eine unbeantwortbare Frage: Welche - wenn überhaupt - stammt von Rindern, die mit GV-anteiligem Futter ernährt worden sind?
    foto: standard/cremer

    Zwei Würste, eine unbeantwortbare Frage: Welche - wenn überhaupt - stammt von Rindern, die mit GV-anteiligem Futter ernährt worden sind?

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