Spanien

7. Juni 2004, 14:45
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Madrid - Ja, die Spanier. Von einer "Zeit der Schmerzen" reden sie nun schon vierzig Jahre lang. Seit der Heim-EM 1964 mit dem 2:1 im Finale gegen die UdSSR gab's keinen großen Erfolg. In Portugal baut Inaki Saez (60) auf ein Team mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren, und just diese junge Truppe soll nun die Viertelfinalpleiten bei der EM 2000 und der WM 2002 vergessen machen.

Das Selbstvertrauen könnte größer nicht sein, so tönt der 22-jährige Mittelfeldspieler Joaquín Sánchez von Betis Sevilla: "Wir haben einen großen Traum, wir wollen alle Spiele gewinnen und den Titel holen. Nie waren unsere Chancen größer als in diesem Jahr." Reals Stürmerstar und Rekordtorjäger Raul will als Kopf der Mannschaft seine ganz persönliche Schmach von 2000 tilgen, als er mit einem verschossenen Elfmeter kurz vor dem Ende des Viertelfinales gegen den späteren EM-Titelträger Frankreich zum Sündenbock wurde.

Seit dem Viertelfinal-Aus durch das 3:5 im Elfmeterschießen gegen WM-Gastgeber Südkorea und dem Rücktritt von Trainer Jose Antonio Camacho hat sich so etwas wie Aufbruchstimmung breit gemacht. Camacho-Nachfolger Saez feierte seit seinem Debüt am 21. August 2002 gegen Ungarn (1:1) mit dem Team um Superstar Raul in 17 Spielen zwölf Siege. Die einzige Niederlage, die am Ende sogar den Gruppensieg kostete, musste der baskische Coach beim 0:1 in der EM-Qualifikation gegen Griechenland hinnehmen. Nun gibt's in der Vorrunde die Gelegenheit zur Revanche.

Saez ist bemüht, die Erwartungen zu bremsen, schließlich wären die spanischen Klubs lange im Europacup vertreten gewesen. "Die Saison war lang, die Spieler konnten sich kaum erholen. Es ist unheimlich schwierig, die Mannschaft auf so ein wichtiges Turnier vorzubereiten." Als Trainer verschiedener Junioren-Nationalteams hat Saez selbst seine Fähigkeiten schon unter Beweis gestellt, binnen vier Jahren holte er zwei EM- und einen WM-Titel sowie Olympia-Silber.

Als gläubigem Katholiken kam Saez ein Kloster in der Nähe des Spielortes Guimares als EM-Quartier gerade recht. Doch auch diese Tatsache ändert nichts daran, dass das spanische Fußballidol Emilio Butragueno gewisse Zweifel hegt und äußert. "Es ist sehr schwer", sagt er, "optimistisch zu sein. Irgendetwas kommt uns Spaniern doch immer dazwischen." (DER STANDARD, Printausgabe 07.06.2004, fri, sid)

SPANIEN:

Vorrunden-Gegner: Russland (12. Juni, 20:45 Uhr, Faro), Griechenland (16. Juni, 18:00 Uhr, Porto/Bessa), Portugal (20. Juni, 20:45 Uhr, Lissabon/Jose Alvalade)

Teamchef: Inaki Saez

Stars: Raul, Fernando Morientes, Iker Casillas, Ivan Helguera

Größte Erfolge: WM-Vierter 1950, Europameister 1964, EM-Zweiter 1984, Olympiasieger 1992

Qualifikation: Zweiter der Gruppe 6, Playoff: Spanien - Norwegen 2:1, Norwegen - Spanien 0:3

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Spanischer Verband

Kader

Torhüter
Iker Casillas (Real Madrid), Canizares (Valencia), Aranzubia (Athletic Bilbao)

Abwehr
Puyol (FC Barcelona), Ivan Helguera, Raul Bravo (alle Real Madrid), Joan Capdevila (La Coruna) Marchena (Valencia), Gabri (FC Barcelona), Cesar (Deportivo La Coruna), Juanito (Betis Sevilla)

Mittelfeld
Valeron (Deportivo La Coruna), Xabi Alonso (Real Sociedad), Baraja, Albelda, Vicente (alle Valencia), Xavi (FC Barcelona), Joaquin (Betis Sevilla)

Angriff
Joseba Etxeberria (Athletic Bilbao), Fernando Torres (Atletico Madrid), Raul (Real Madrid), Albert Luque (Deportivo La Coruna), Morientes (AS Monaco)

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