Essstörungen – immer mehr Frauen sind betroffen

22. Oktober 2004, 17:11
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Am Dienstag starb ein erst 17-jähriges Mädchen in Wolfern im Bezirk Steyr an Magersucht. Sie wog nur noch 31 Kilo und hat sich zu Tode gehungert. Mittlerweile erkranken immer mehr Jugendliche an Magersucht. In Österreich leiden etwa 200.000 Frauen im Alter von 15-20 Jahren an abnormem Essverhalten.

Die Ursachen für Magersucht und Bulimie sind psychischer Natur. Krankhafte Ess-Störungen sind in der Regel nicht körperlich bedingt. Mager- oder Ess- und Brechsüchtige beschäftigen sich fast ausschließlich mit Essen.

Bei der Entwicklung solcher Erkrankungen spielen viele Faktoren eine Rolle. Konkreter Auslöser kann ein einschneidendes Erlebnis sein. Auch der Druck, den Werbung und Medien hinsichtlich modischer Trends und Schönheitsideale ausüben, kann zur Entwicklung eines krankhaften Essverhaltens beitragen. Häufig fehlt die Anerkennung. Magersüchtige lehnen ihren Körper absolut ab, fühlen sich wertlos und suchen Aufmerksamkeit. Essgestörte Menschen glauben, ihrer Umwelt etwas beweisen zu müssen und wollen mehr erreichen als möglich ist. Viele leben in der Überzeugung, dass sie mit dem Eintritt in das Erwachsensein perfekt sein müssen, stehen dem aber hilflos gegenüber und versuchen indirekt ihre Entwicklung aufzuhalten. Ess-Störungen werden weiterhin als Flucht vor der Realität erklärt, als Möglichkeit Macht zu erfahren, sich zu zerstören, sich von der Familie abzugrenzen, die innere Leere auszufüllen, als Ausdruck von Leiden und als Ersatz für fehlende Freunde.

Wie äußert sich Magersucht?
Bei Magersucht, in der Fachsprache Anorexie, steht der krasse Gewichtsverlust im Mittelpunkt, den die Betroffenen selbst herbeiführen. Dahinter steht eine krankhafte Angst zu dick zu sein oder zu werden. Magersucht fängt meist mit einer Diät an, setzt sich mit einer Umstellung der Ernährung fort, Nahrungsmittel werden sehr gezielt ausgewählt, und oft folgt der Wunsch nicht mehr mit der Familie essen zu müssen. Auf Essen wird immer häufiger verzichtet, mehr sportliche Aktivitäten ausgeübt und durch die Einnahme von Abführmitteln wird die Gewichtsabnahme erzwungen. Auch Erbrechen wird als Mittel eingesetzt, um das Körpergewicht zu reduzieren. Magersüchtige haben ein völlig verzerrtes Körperbild von sich selbst. Sie haben kein Hungergefühl mehr und auch kein Völlegefühl. Die Krankheit wird in der Regel von Beginn an verleugnet

Welche gesundheitlichen Folgen haben Essstörungen?
Anorexie und Bulimie bringen verschiedene körperliche und organische Schäden mit sich, die auf das Hungern, Erbrechen und den Missbrauch von Abführmitteln zurückzuführen sind. Folgen können sein: Ausbleiben der Menstruation, Herz- Kreislaufstörungen, Magen-Darmbeschwerden: Störungen im Verdauungstrakt und Stoffwechselstörungen, Magenerweiterungen und –durchbruch, Schlafstörungen, Muskelschwäche, Depressionen

Wie können Eltern eine Essstörung erkennen und ihre Kinder unterstützen?
Eltern sollten vor allem nicht die Augen verschließen, wenn sie merken, dass ihr Kind ein Problem hat. Wenn die Anzeichen auf eine ernsthafte Störung hinweisen, sollte man auf keinen Fall abwarten und hoffen, dass es vorübergeht oder nur ein Pubertätstick ist. Bei Magersüchtigen ist die Ess-Störung deutlich am Essverhalten zu erkennen, eine Bulimie ist schwieriger festzustellen. Wenn der Verdacht besteht, kann man nur aufmerksam beobachten. Oft dauert es sehr lange bis eine Essstörung als krankhaft erkannt wird, weil die Betroffenen selbst aus essgestörten Familien kommen und auffällig häufig aus sehr leistungsbezogenen Familien. Sobald Sie bemerkt haben, dass ihr Kind essgestört ist, sollten sie eine spezielle Beratungsstelle aufsuchen. (brü)

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    Immer mehr Jugendliche leiden unter Magersucht

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