Verschwörungstheorien im Netz

8. Juni 2004, 12:34
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Internetseiten und Poster halten Enthauptungsvideo, das die Ermordung des Zivilisten Nick Berg zeigt, für einen Fake

Das Video von der Enthauptung der US-Geisel Nick Berg in Irak löste einen makabren Ansturm im Internet aus. In den 48 Stunden nach Bekanntwerden der Enthauptung hätten einschlägige Anfragen bei Suchmaschinen im Internet Popstars und Porno-Seiten als Spitzenreiter bei der Hitliste des User-Interesses abgelöst, teilte so zum Beispiel des US-Internetunternehmen Terra Lycos mit (Der Webstandard berichtete).

Verschwörungstheoretiker

Nun kursieren krude Verschwörungstheoretiker im Netz. Ihnen zu folge sei das Enthauptungsvideo des US-Zivilisten Nick Berg nicht authentisch und diene nur dazu, die Aufmerksamkeit vom Folterskandal im US-Gefangenlager Abu Ghureib abzulenken.

So veröffentlichte etwa die englischsprachigen Internetseite al-jazeera.com "Hinweise von Lesern" laut denen das Video in Wirklichkeit im US-Gefängnis von Abu Ghureib in der Nähe von Bagdad aufgenommen worden sei, berichte der Spiegel Online.

Zu betonen bleibt, dass al-jazeera.com nichts mit dem arabischen Al Jazeera Fernsehsender zu tun hat.

Beweise?

Die Verschwörungstheoretiker führen – auch auf anderen Seiten – vor allem folgende angeblichen Beweise an: So soll etwa der Stuhl, auf dem das Opfer Berg sitzt, von der selben Art sein, wie ein Stuhl auf einem Foto, auf dem die der Misshandlung angeklagte Soldatin Lynndie England posiert. Weiters trage Berg ein orangefarbenes Overall, ähnlich der Bekleidung die die Gefangenen der US-Armee im Lager von Guantanamo Bay auf Kuba tragen. Schließlich sollen auch Farbe und Struktur der Wand hinter Nick Berg den Wänden des Lagers von Abu Ghureib gleichen, selbst die Todesursache wird angezweifelt, da zu wenig Blut fließe. Weitere Argumentationen sind auch auf dieser Seite zu finden.

Internet: Dichtung und Wahrheit

In kaum einem Medium liegen Dichtung und Wahrheit so nah beieinander wie im Internet. Seriöse Information ist von haarsträubendem Nonsens oft nur einen Mausklick entfernt. Und besonders Verschwörungstheorien verbreiten sich im Netz wie ein Lauffeuer.

Millionen Surfer können sich in der Welt der Bits und Bytes an der Legendenbildung beteiligen. Bei dunklen Machenschaften und rätselhaften Katastrophen sind die üblichen Verdächtigen schnell ermittelt: Nicht nur im Internet trauen "informierte Kreise" Außerirdischen und Geheimdiensten jede Schandtat zu. (red/apa)

  • Nick Berg

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