EU setzt Bedingungen für Alstom-Rettung durch

7. Juni 2004, 20:32
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Frankreich muss einen Industriepartner für Alstom finden, damit sein Rettungspaket die Zustimmung der EU findet - Eine Chance für Siemens

Brüssel - Die EU-Kommission und Frankreich haben sich nach wochenlangen Verhandlungen auf ein staatliches Rettungspaket für den angeschlagenen Industriekonzern Alstom geeinigt.

Dabei rang EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti Frankreichs Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy am Dienstag die verpflichtende Zusage ab, binnen vier Jahren mindestens einen Industriepartner zu finden. Eine endgültige Entscheidung will die Kommission bis August erreichen.

Die Vereinbarung bedeutet einen Schlag gegen den Kurs der französischen Regierung, die eine nationale Lösung für den Großkonzern bevorzugt hätte.

Eine oder mehr Industriepartnerschaften

"Der (französische) Staat verpflichtet sich dazu, dass Alstom eine oder mehr Industriepartnerschaften innerhalb einer Frist von vier Jahren eingeht. Die Partnerschaften werden wichtige Bereiche der Aktivitäten von Alstom abdecken", hieß es in der Kommissionserklärung unter Berufung auf eine gemeinsame Stellungnahme Frankreichs und der EU. Französische Staatsunternehmen dürften nur mit Zustimmung der Europäischen Union (EU) als Partner ins Boot kommen.

Die von der Kommission geforderten Alstom-Partnerschaften sollten in den Bereichen Transport und/oder Energie eingegangen werden. Der Traditionskonzern beschäftigt rund 70.000 Mitarbeiter und stellt neben dem Hochgeschwindigkeitszug TGV auch Turbinen und Schiffe wie zuletzt die Queen Mary 2 her.

Siemens ist Branchenexperten zufolge an der Großturbinensparte interessiert; ein Einstieg auch bei der Bahntechnik-Sparte des französischen Unternehmens gilt dagegen aus kartellrechtlichen Gründen als sehr unwahrscheinlich. Die Einigung mit Alstom muss noch von der Kommissions gebilligt werden.

Verlust ausgeweitet

Alstom ist im vergangenen Jahr noch tiefer in die Verlustzone gerutscht. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Paris mitteilte, stieg der Fehlbetrag von 1,432 Mrd. Euro im Vorjahr auf 1,836 Mrd. Euro. Der Umsatz sank von 21,351 auf 16,688 Mrd. Euro. Alstom kündigte außerdem eine Kapitalerhöhung um 1 bis 1,2 Mrd. Euro an. Das Eigenkapital soll um 1,8 bis 2,5 Mrd. Euro steigen.

(APA/DER STANDARD Printausgabe, 26.05.2004 Reuters)

  • Queen Mary 2 in der französischen Alstom-Werft: Zur Rettung des Konzerns muss dieser Partner an Bord nehmen.
    foto: reuter/jacky naegelen

    Queen Mary 2 in der französischen Alstom-Werft: Zur Rettung des Konzerns muss dieser Partner an Bord nehmen.

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