Neuer Aufstand der ORF-Kultur

4. Juni 2004, 10:35
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"ZiB"-Reform: Mehr Sport, weniger Kultur - Redaktion fürchtet "Sensationsjournalismus" - Protestschreiben an Lindner und Direktion

Der ORF unternimmt nun doch einen Anlauf zur erst zu Jahresbeginn abgesagten Reform der "ZiB 1". Mehr Sport, aber weniger Kultur sollen sich in den Hauptnachrichten der Anstalt finden.

Diese Formel jedenfalls wurde Montagnachmittag den Kulturredakteuren bekannt gegeben. Chefredakteur Werner Mück dementierte den Plan gegenüber der APA: Die Kultur bleibe täglich in der "ZiB 1" und werde nicht gekürzt. Nur müsse sie nicht mehr zwingend am Schluss der Sendung stehen.

Stand der Information am Dienstag: Statt zwei bis drei nur noch ein Kulturbeitrag pro Tag in der "ZiB" um 19.30 Uhr, keine eigene Moderation. Die Reform solle mit der Fußball-Europameisterschaft im Juni auf Sendung gehen. Dann läuft die "ZiB 1" wegen der Spiele oft nur in ORF 2, soll aber mehr Sport bringen.

Protestschreiben

Dienstag verfassten die Kulturredakteure ein Protestschreiben an Generaldirektorin Monika Lindner, Infodirektor Gerhard Draxler, Programmdirektor Reinhard Scolik und TV-Chefredakteur Werner Mück. Auch Kulturchefin Margit Czöppan wollte die Forderungen mittragen.

Nur ein Beitrag in der "ZiB 1" bedeute "auf Sensationsjournalismus beschränkte Berichterstattung", heißt es darin, was sich "verhängnisvoll" auf Kulturkonsum und "Kulturnation" auswirkte. Die Kulturredakteure wollen zumindest täglich zwei Beiträge aus ihrem Ressort in den Hauptnachrichten erhalten.

Drei Alternativen

Drei Alternativen für ein "Kulturjournal" sehen sie: zwischen "Bundesland heute" und "ZiB 1" etwa. Dort allerdings liegt einer der reichweitenstärksten Werbeblöcke des ORF. Oder nach "ZiB 1" und "Wetter", wo doch der Sport verstärkt in die "ZiB" wandern soll. Ein solches "Kulturjournal" um 20 Uhr hat Gerhard Zeiler 1995 als Quotenstopper abgesetzt und die Kultur in die "ZiB" verlegt. Variante drei wäre für die Kulturredakteure ein eigener, längerer Kulturteil in der "ZiB 2".

Sinkende Marktanteile

Der Brief ist deutlich moderater formuliert als eine Resolution der ORF-Kultur von Herbst 2002. Damals protestierte die Belegschaft gegen Quotendruck und späte Platzierung anspruchsvoller Kulturprogramme.

Eine "ZiB"-Reform wird seit Herbst 2003 diskutiert, weil deren Marktanteile sinken. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 26.5.2004)

  • Abschied nehmen von der Kulturbeilage in der "ZiB1", heißt es für Paul Kraker und seine Kolleginnen.
    foto: orf/friess

    Abschied nehmen von der Kulturbeilage in der "ZiB1", heißt es für Paul Kraker und seine Kolleginnen.

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