Zusammengeschweißte Karriere

13. Juli 2004, 12:26
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Die Riess-Werke haben mit der internationalen Designgröße Tom Dixon einige der Entwürfe für seine Eigenmarke umgesetzt

Wenn eine internationale Designgröße wie Tom Dixon die Reise ins niederösterreichische Ybbsitz antritt, so liegt das an der glatten Oberfläche, für die man hier (Email-)Spezialist ist. Die Riess-Werke haben mit Dixon einige der Entwürfe für seine Eigenmarke umgesetzt, und für das Einrichtungshaus Habitat ist er ständig auf der Suche nach neuen Talenten.

Ein Goldzahn und mehrere Motorradunfälle müssen für das verwegene Image des britischen Designers Tom Dixon herhalten, damit das legere Image Oberhand behält.

Seit 1998 ist er nicht mehr allein eine internationale Größe des Möbeldesigns oder der Mann, der in seiner Werkstatt wertvolle, bestens verkäufliche Einzelstücke zusammenschweißt, sondern als Head of Design von Terence Conrans Einrichtungskette Habitat vor allem ein seriöser Protagonist, der den Markt mitbestimmt und die wirtschaftliche Seite des Design in einem großen Unternehmen mitträgt.

Trotzdem tritt Dixon lieber nach wie vor als jungenhafter 43-Jähriger auf. Die Müdigkeit in seinem Gesicht stammte früher von den Warehouse-Partys, die er organisierte, oder den Gigs, die er mit seiner Band spielte, nachdem er nach sechs Monaten die Kunsthochschule abgebrochen hatte.

Heute sind zwei Kinder und mehrere Jobs dafür verantwortlich. Neben dem absoluten Fulltimejob bei Habitat, für den Dixon unentwegt durch die Welt fliegt, um neue Designer, Produkte und Produktionsstätten zu entdecken, entwirft er für sein eigenes Label Tom Dixon.

Es ist nicht die erste Firma, die er zumindest mit gegründet hat, um eigene Produkte auf den Markt zu bringen, aber er hat vom Conran-Empire gelernt und ist es diesmal strategischer und organisierter angegangen.

Für die Produktion seiner Eigenmarke holt er sich die besten Spezialisten und renommierte Firmen - und ist dabei auch in Österreich gelandet.

Für eine Serie emaillierter Möbel wollte er unbedingt mit jenem Hersteller zusammenarbeiten, dessen Produk- te er in einem Londoner Haushaltswarenladen entdeckt hatte, und fand ihn in Ybbsitz in Niederösterreich.

Dort war man über den Anruf aus London hoch erfreut, wusste man doch um den Status des britischen Designers.

Pastellgeschirr

Die Riess-Werke haben mit ihrem pastellfarben emaillierten Kochgeschirr auch selbst Designgeschichte geschrieben. Kaum ein heimischer Haushalt kommt heute ohne ein Stück aus dem Vorzeigebetrieb aus.

Dixon hat eine Kollektion von herrlich glatten und glänzenden, kubischen Elementen entworfen, die er "multi-functional enamel living surfaces" nennt.

Und er hat zur großen Freude der Firma Riess, die für Kooperationen mit zeitgenössischen Künstlern und Designern sehr offen ist, auch eine Serie von Tischen dort fertigen lassen.

Und Dixon ist einen hohen Fertigungsstandard gewohnt. Zu weltweitem Erfolg führte ihn Gulio Cappellini, der mit dem Shootingstar den S-Chair und den Pylon Chair produzierte.

Zwei Stühle, die nicht nur in den Designmuseen zu finden sind, sondern nach wie vor gerne unauffällig ins Bild gerückt werden, wenn Home-storys das Gespür ihres Bewohners für Form und Avantgarde transportieren sollen.

Dass Dixons Entwürfe in verschiedenstem Umfeld zu finden sind - er selbst ist nach eigener Aussage immer noch am meisten begeistert, wenn er sieht, dass ihm unbekannte Menschen seine Entwürfe benützen -, prädestiniert ihn auch für seine Aufgabe bei Habitat.

Eine wahrnehmbare Handschrift zu prägen, aus angekauften Produkten und solchen, die eigens für die Marke entworfen werden, und damit eine breite Bevölkerung anzusprechen ist ein Pokerspiel, unkalkulierbarer als Mode und in England mehr als in Mitteleuropa auch ein nötiges Plädoyer für einen zeitgenössischen Wohnstil.

Davon, dass er diese Auf- gabe bisher beispielhaft gemeistert hat, sind weltweit die Designspezialisten vollends überzeugt.

Eine Ausbildung hat er für nichts von all dem, zum Design brachte ihn mehr die Bastelei an seinen Motorrädern und die dabei erworbenen Kenntnisse im Schweißen.

Die Feststellung, dass man davon auch leben kann, ließ ihn dabei bleiben, ohne jede Verbissenheit.

Skelett statt Oberfläche

Seine Sichtweise auf Design - nämlich, dass ihn das Skelett mehr interessiert als die Oberfläche, dass er von Innen nach Außen arbeitet - lässt sich auch auf die Organisation und Struktur eines Unternehmens anwenden. Und so verbringt der Designer Tom Dixon eben seine Nächte mit Entwürfen für sein eigenes Label.

Mit der spielerischen Freude, die ihn selbst zum Design gebracht hat, versucht er auch andere Menschen davon zu überzeugen - als Designer, Mastermind und Förderer. Und das gelingt ihm von London bis Ybbsitz rund um den Erdball. (Der Standard, Printausgabe 22./23.5.2004)

Von Lilli Hollein

Info

www.tomdixon.net

www.riess.at
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