Israel führt angeblich Gespräche über Gaza-Streifen-Abzug

25. Mai 2004, 17:44
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Radio: Mit palästinensischem Ex-Sicherheitschef Dahlan - Palästinenser dementieren

Gaza/Tel Aviv - Israel führt nach Meldungen des israelischen Rundfunks geheime Gespräche mit dem ehemaligen palästinensischen Sicherheitschef Mohammed Dahlan über einen Abzug aus dem Gaza-streifen. Israel sehe in Dahlan den "starken Mann im Gaza-streifen", der dort nach einem Truppenabzug für Ordnung sorgen könnte, berichtete der Sender. Dahlans Büro dementierte die Berichte jedoch. Sie schadeten den palästinensischen Interessen, hieß es in der Mitteilung.

Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, die Kontakte mit Dahlan, der erst kürzlich von Studien in England zurückgekehrt war, würden mit Unterstützung der USA und auf Anweisung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon unterhalten. Israel gehe davon aus, dass Dahlan nach einem Abzug eine Machtübernahme der radikalen Palästinenser-Gruppen im Gaza-Streifen verhindern könne.

Nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen vom Montag werden in den kommenden Tagen im Gaza-Streifen etwa 250 ägyptische Sicherheitsoffiziere erwartet. Sie sollen die palästinensische Polizei für eine Übernahme der Sicherheitskontrolle nach einem israelischen Abzug aus dem Gaza-Streifen ausbilden. Ägypten hatte seine Bereitschaft erklärt, nach einem israelischen Abzug im Grenzbereich zum Gaza-Streifen für mehr Sicherheit zu sorgen.

Dahlan gilt als sehr einflussreich und gemäßigt. Er war nach Unterzeichnung der israelisch-palästinensischen Friedensabkommen vor einem Jahrzehnt zum Chef der palästinensischen Sicherheitskräfte ernannt worden. Mitte der 90er Jahre ließ Dahlan, der auch als einer der Unterhändler an Friedensverhandlungen mit Israel beteiligt war, im Gaza-Streifen hunderte militanter Palästinenser verhaften.

Später wurde Dahlan Sicherheitsberater des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat und danach Minister für Innere Sicherheit im Kabinett des ehemaligen palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas. Der oppositionelle israelische Abgeordnete Efraim Sneh warnte, die Veröffentlichung der Kontakte mit Dahlan seien "der beste Weg, ihn zu unbrauchbar zu machen". (APA/dpa)

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