Triumphzug eines Staubsaugers

1. Juni 2004, 11:55
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Stil-Ikone Sarah Jessica Parker und Elton John besitzen einen - und angeblich soll sogar die Queen manchmal nach ihm greifen: Die Rede ist vom Dyson

Er steht im Londoner Victoria & Albert Museum oder im Pariser Centre Pompidou. Und immer öfter trifft man ihn in österreichischen Haushalten an: den "Dyson", einen der meistverkauften Staubsauger Europas.

Ein Dyson wirkt wie ein Pop-Art-Objekt. Das Gehäuse leuchtet in hellem Türkis, Sonnengelb oder Apricot mit transparentem Einsatz. Seit der schicke Staubsauger "G-Force" des englischen Erfinders James Dyson erstmals 1986 in Japan verkauft wurde, haben dessen Geräte mehr als 50 internationale Anerkennungen für Design und Technologie eingeheimst.

Den 56-jährigen Designer reizen Dinge, die seit langem unverändert in Gebrauch sind. So bemerkte er, als er in seinem Landhaus sauber machte, dass sein Staubsauger nach kurzer Zeit an Saugkraft verlor. Als "Sündenbock" ortete er die herkömmlichen Filterbeutel. "Nach kurzer Zeit verstopft der Staub die Tüte selbst", konstatiert Dyson. Das ärgerte ihn dermaßen, dass er in jahrelanger Tüftelei ein neues Gerät entwickelte: beutellos und mit konstanter Saugkraft.

Dyson beschäftigt inzwischen 350 Designer, die bei ihm Ingenieure und Techniker heißen. Gemäß seinem Credo, dass die Funktion wichtiger ist als das Aussehen eines Produktes, und seiner Überzeugung: "Man soll nur das produzieren, was man technisch viel besser machen kann als die Konkurrenz."

Die Zahl der Prototypen und Designstudien, die er mit seinem Team entwickelt hat, wird auf 10.000 geschätzt, die Palette reicht vom Saugbürstenmodell aus Plexiglas, über Laufräder aus Wellpappe bis zu einer Waschmaschine, deren Trommeln in zwei Richtungen rotieren. Der Umstand, dass James Dyson heute nicht nur durch seine Produkte weltweiten Ruhm erlangt, sondern auch ein beträchtliches Vermögen erworben hat, ist seiner kaufmännischen Ader einerseits und optimistischer Zähigkeit andererseits zuzuschreiben. Schon vier Jahre nach dem absolvierten Studium Möbeldesign- und Innenarchitektur am Royal College of Art in London avancierte Dyson zum Leiter der "Marine Division" bei Rotork in Bath, England, 1973 zum Direktor des Unternehmens.

1974 erfindet Dyson den "Ballbarrow", einen Schubkarren mit einem ballförmigen "Rad", und legt damit den Grundstein für sein künftiges Imperium. Drei Jahre später wird "Ballbarrow" mit dem "Building Design Innovation Award" ausgezeichnet, 1979 verkauft Dyson seine Anteile an der Ballbarrow-Firma für 10.000 Pfund (16.252 Euro) an Teilhaber und investiert das Geld in die Entwicklung seines neuen Staubsaugers. Ab 1982 bereist der Erfinder auf der Suche nach Lizenznehmern England und Europa. Die multinationalen Unternehmen, die er anspricht, beschäftigen sich intensiv mit dem Produkt, sind aber nicht investitionswillig. Dyson kann seine Investitionskosten nicht refinanzieren, vermie- tet seinen Landsitz aus dem 17. Jahrhundert, und Ehefrau Deirdre beginnt selbst Gemüse zu ziehen und die Kleider für die Familie zu nähen.

Durststrecke

1985 lichten sich die finanziellen Sorgen durch die Zusammenarbeit mit jenem Unternehmen in Japan, das auch Filofax importiert. Zwei Jahre später wird der "G-Force" auf der "British Design Exhibition" in Wien präsentiert, weitere Ausstellungen folgen. 1992 beginnt Dyson auf Basis japanischer, amerikanischer und kanadischer Lizenzgebühren den Aufbau seines Unternehmens in England, eröffnet ein Jahr später sein Forschungszentrum und eine Fabrik in Chippenham, Südwestengland.

Mit dem Staubsauger Dyson DCO1, der damals für rund 200 Pfund (325 Euro) auf dem britischen Markt eingeführt wurde, erzielte der Unternehmer im ersten Geschäftsjahr bereits 2,4 Mio. Pfund (3,9 Mio. Euro) Umsatz, im Folgejahr fast das Vierfache, nämlich neun Mio. Pfund (14,6 Mio. Euro).

Das 1995 eingeführte Nachfolgemodell "Dyson DCO2" reüssiert in England innerhalb kürzester Zeit als zweitbestverkaufter Bodenstaubsauger. Der Umzug in eine größere Fabrik wird nötig. James Dyson Appliances verlässt Chippenham, und Anfang 1996 eröffnet Prinz Charles die neuen Fabrikstores in Malmesbury, 90 Minuten westlich von London. Der Umsatz liegt in dieser Zeit bereits bei 34,9 Mio. Pfund (56,72 Mio. Euro).

Weitere Produktverfeinerungen folgen, ihnen auf den Fuß Auszeichnungen wie die "Grand Prix Trophy", der "Consumer Product Award" und "UK Design Council and Design in Business Awards".

Die Mitbewerber kann das Unternehmen mit monatlich 32.000 verkauften "DCO1" und 72 Mio. Pfund (117 Mio. Euro) weit abschlagen. Inzwischen hat der erfolgreiche Unternehmer und Tüftler die Produktion seiner Staubsauger und Waschmaschinen aus Kostengründen nach Malaysia ausgelagert. Der Vorsteuergewinn, beschränkt auf den Industriestandort Großbritannien, wo noch 1200 Personen in Forschung und Entwicklung beschäftigt sind, wurde 2003 auf 40 Mio. Pfund (65 Mio. Euro) geschätzt.

Aber Geld ist nicht alles im Leben des dreifachen Vaters. Im November 1997 eröffnet Chris Smith, der britische Kulturminister, James Dysons "Centre for Design Education and Training" mit Sitz am "Design Museum". Ein Jahr später wird Dyson von Queen Elizabeth zum "Commander of the British Empire" ernannt. (dpa, zug, Der Standard, Printausgabe 22./23.5.2004)

  • Sieht aus wie ein Pop-Art-Objekt, ist aber ein Staubsauger

    Sieht aus wie ein Pop-Art-Objekt, ist aber ein Staubsauger

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