Heuer bisher um zwölf Prozent weniger Touristen

11. Februar 2005, 15:39
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Minister Zammit Dimech setzt auf "höhere Qualität und Quantität"

Valletta/Wien - Malta hat in diesem Jahr einen Einbruch im Tourismus zu verzeichnen. Von Jänner bis April besuchten um zwölf Prozent weniger Gäste das im Mittelmeer gelegene kleinste Land der EU als im Vergleichzeitraum des Vorjahres.

Der zuständige Minister Francis Zammit Dimech will der Branche, die ein Viertel des Bruttonationalprodukts (BIP) erwirtschaftet und in der ein Drittel aller Malteser beschäftigt ist, eine neue Richtung geben.

"Malta hat über viele Jahre bei seiner Strategie auf Sonne, Meer und Strand gesetzt", führte der Tourismusminister kürzlich im Gespräch mit österreichischen Journalisten in Valletta aus. "Nun versuchen wir eine Veränderung der Marke Malta."

Zehn Maltesische Pfund pro Tag

Zammit Dimech will vor allem den Prozentsatz der wohlhabenden ausländischen Besucher heben. Im Durchschnitt gibt ein Tourist zehn Maltesische Pfund (auch Maltesische Lira - ca. 24,6 Euro) pro Tag aus. Oberste Zielgruppe seien die Konferenztouristen: "Tendenziell geben sie drei Mal so viel aus wie die übrigen Gäste."

Derzeit beträgt ihr Anteil am gesamten Touristenaufkommen fünf Prozent. Zammit Dimech ist zuversichtlich, ihn auf zehn Prozent verdoppeln zu können. Auch will er mit dem kulturellen Angebot des Inselstaates um mehr Besucher aus dem Ausland werben.

Neben dem Erbe, das auf die Ritter des Malteserordens (Johanniter) zurückgeht, besitzt Malta vor allem frühgeschichtliche Tempelanlagen. Die vor mehr als 5000 Jahren errichteten Bauten sind älter als das südenglische Stonehenge.

Zu den Kulturtouristen zählen für den Minister auch die Sprachenstudenten, die nach Malta kommen, um Englisch zu lernen - die Sprache der bis 1964 herrschenden Kolonialmacht Großbritannien.

Zweisprachig

So gut wie jeder Malteser ist zweisprachig maltesisch-englisch. Gegen den allgemeinen Trend ist dieser Zweig in den letzten Jahren gewachsen. Kamen 1999 etwa 35.500 Sprachschüler nach Malta, waren es 2002 um 52 Prozent mehr, nämlich knapp 54.000. Mit 4,8 Prozent ist der Anteil der Studenten am Touristenaufkommen noch immer vergleichsweise gering. Momentan beträgt die jährliche Wachstumsrate in diesem Zweig fünf Prozent.

90 Prozent der Gäste in Malta kommen aus Europa, zum größten Teil aus Großbritannien und Deutschland. In den letzten Jahren waren es insgesamt rund 1,2 Millionen Urlauber jährlich.

Zammit Dimech strebt an, die Zahl auf 1,5 Millionen zu heben: "Wir haben Raum für mehr." Diese Aussage dürfe aber nicht als Politik in Richtung Party-Tourismus a la Ibiza verstanden werden. "Dieses Beispiel steht nicht auf unserer Tagesordnung."

Dichtbesiedeltste Land der EU

Die Erweiterung und der Neubau von Hotel- und Freizeitanlagen sind ein heikles Thema. Mit 1.200 Menschen pro Quadratkilometer ist Malta das dichtbesiedeltste Land der EU.

Grünflächen sind rar. Die Malta Umwelt- und Planungsbehörde MEPA hat die Vorschläge für einen profitablen Jachthafen und dazugehörige Apartments auf der Insel Gozo abgelehnt. Ein Projekt im Bereich der historischen "Drei Städte" (Cottonera) im Südwesten der Hauptinsel hat sie letztendlich genehmigt.

Derzeit wird das Freizeitviertel um die St. George's Bucht fertiggestellt. Für den künstlichen Strand, der angelegt wird, importiert Malta Tausende Tonnen Sand aus Jordanien.

Der Tourismusminister gibt zu, dass nicht alle Bauvorhaben der Vergangenheit geglückt sind. Das Hotel Excelsior in Floriana halte er persönlich für eine "Überentwicklung". Es sei zu hoch und zu weiträumig und füge sich nicht in die Umgebung.

Rückläufiger Trend

Den Erwartungen Zammit Dimechs zum Trotz geht der Trend der vergangenen Jahre hin zu einer Abnahme der Touristenzahlen. 2001 waren es um drei Prozent, 2002 um vier und 2003 um 0,6 Prozent weniger als in den jeweiligen Jahren davor.

Der Minister erklärt sich diese Entwicklung ebenso wie den heurigen Rückgang um zwölf Prozent mit der unsicheren Lage nach den Anschlägen des 11. September 2001, mit der Angst vor der Infektionskrankheit SARS und mit der schlechten Weltwirtschaftslage. Im zweiten Quartal dieses Jahres gebe es Anzeichen für eine "allmähliche Erholung". (APA)

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