Die singende Weißwurst - Der Radiostar "killed" das Video

1. Juli 2004, 23:29
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Sänger ohne Instrumente haben bekanntlich immer eine Hand zu viel frei

Zugegeben: Beim ersten Blickkontakt kann man als Das-Glas-ist-halb-leer-Mensch auch an eine singende Weißwurst mit schwarzen Hosen denken, die oben drauf den Kopf von Paulie aufgesetzt bekommen hat. Paulie, der eine Mafioso aus der göttlichen TV-Serie The Sopranos, dessen graue Schläfen an die Flügerln von Asterix' Helm erinnern.

Steven Patrick Morrissey trägt im Video zu seiner Single Irish Blood, English Heart also einen nicht gerade vorteilhaften Anzug. Auch das Gebaren des legendären Sängers der britischen Band The Smiths, an denen sich seit den 80er-Jahren Legionen von Bands (erfolglos) abmühen, gilt prinzipiell als problematisch: Sänger ohne Instrumente haben bekanntlich immer eine Hand zu viel frei. Also wird bedeutungsvoll an imaginären Seilen gezogen, schlechtes Karma gestenreich abgewiesen und anderer, an der Grenze des Ausdruckstanzes angesiedelter gestischer Ballast aufgeführt.

Doch die Wucht des Songs, der der wohltuend tiefstapelnden filmischen Umsetzung gegenübersteht, lässt gerade deshalb Verzückung aufkommen. Man erinnert sich dabei an Zeiten, als Musik noch ohne von ihren Defiziten ablenkende Bildchen ein Auskommen finden musste. Weißwurst Morrissey stammt aus dieser Zeit. Der Radiostar "killed" das Video. Ein Genuss. (flu)

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