Das große Fressen

29. Juni 2004, 16:35
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Mit Riesenportionen und billigem Fastfood sichern sich die USA den Titel als fettestes Land der Welt. Sammelklagen und kritische Stimmen stören jetzt das Supersize-Paradies

Zum Abschluss ihrer Jahrestagung haben die 192 Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Aktionsplan gegen Fettleibigkeit verabschiedet. Zu viel Zucker, Fett und Salz im Essen sind der WHO zufolge für 60 Prozent der jährlich 56 Millionen vermeidbaren Todesfälle verantwortlich. Der Aktionsplan fordert die Regierungen auf, Maßnahmen für gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung zu ergreifen. Damit soll vor allem das Auftreten von Herz-und Kreislaufkrankheiten, Diabetes und Krebs vermindert werden.

Wonneproppen USA

Mit dem Aktionsplan gegen Übergewicht befindet sich die WHO in guter Gesellschaft. Der Druck auf die Fastfood-Industrie wird auch von juristischer Seite her immer größer. Nach dem Beispiel der Sammelklagen von erkrankten Rauchern werden McDonalds und Co. in den USA von Klagen übergewichtiger Konsumenten überhäuft. Dass Nordamerikas Fastfood-Industrie als erste dran glauben muss, ist kein Zufall: Die USA sind unrühmlicher Spitzenreiter der Statistik. 300.000 Tote fordert die Fettsucht jährlich. 26 Prozent der Nordamerikaner sind sehr dick, mehr als 60 Prozent sind übergewichtig. Bis zum Jahre 2050 sollen sogar annähernd 100 Prozent das Normalgewicht überschritten haben.

Klagen gegen Riesenportionen

Den Anfang machten zwei übergewichtige Teenager aus Brooklyn, die Klage erhoben, weil der Fastfood-Gigant sie nicht über die gesundheitlichen Gefahren des "Supersizing" aufgeklärt hatte. Die schnelle Reaktion der Nahrungsmittelkonzerne zeigt, dass sie die Macht der öffentlichen Meinung nicht unterschätzen: Die Fastfood-Kette McDonalds plant in den USA die Abschaffung ihrer "Super-Size" –Angebote. in den 13.600 Restaurants des Landes werden bald keine Riesenportionen Pommes Frites oder Softdrinks in Pappeimern mehr verkauft, teilte das Unternehmen mit. Eine Niederlage für die Schnellimbisskette, noch bevor das erste Gerichtsurteil gefällt ist.

Groß, größer, Supersize

Das "Supersizing" funktionierte nämlich marktwirtschftlich perfekt, weil die Kosten für Rohmaterialien, verglichen mit denen für Verpackung und Werbung, verschwindend gering sind. Die Invasion der großen Größen begann in den 70er Jahren unter McDonalds-Manager David Wallerstein. Mit seiner Idee, große und extragroße Portionen einzuführen, nahm er den Übergewichtigen eine Entscheidung ab: Er durchschaute, dass es seinen Kunden unangenehm wäre, sich zwei Portionen zu bestellen, weil Maßlosigkeit und Fresssucht ungern in der Öffentlichkeit ausgelebt werden. Langsam, aber stegig wurde die Übergröße als neue Marketingidee ins tägliche Leben integriert. Das amerikanische Lebensmotto „The bigger, the better“ ist heute beim Essen genau so gegenwärtig wie bei Autos oder Häusern.

Nicht ohne meinen Burger

Dass der Trend zum großen Fressen nicht nur Anhänger hat, zeigt der Dokumentarfilm „Supersize Me“ von Morgan Spurlock. In dem beim Sundance Filmfestival in Utah vorgestellten Film hatte sich Spurlock selbst zum Testobjekt gemacht und sich zum Ziel gesetzt, 30 Tage lang ausschließlich Burger, Pommes Frites und andere McDonalds-Produkte zu essen. Durch 20 amerikanische Städte reiste er dafür und hielt sich dabei nach eigenen Angaben nur an drei Regeln: Er aß nur, was in den Restaurants angeboten wurde; er aß immer die Normalmenüs, es sei denn, ihm wurde ein Supersize-Menü angeboten; er musste jedes der existierenden Menüs mindestens einmal essen.

Neben Übelkeit und Depressionen nahm Spurlock elf Kilo zu. Seine Cholesterin- und vor allem seine Leberwerte verschlechterten sich derart, dass Ärzte ihm rieten, das Experiment abzubrechen. Notwendiges Fazit des verfilmten Selbstversuches: "Dont try this at home!" (az)

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    bild: pr
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