Neue Wege zum Topmediziner

1. Juni 2004, 23:00
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In Salzburg studieren 18 Studentinnen und 24 Studenten an der ersten medizinischen Privatuniversität. Geboten wird eine revolutionäre Ausbildung. Das Credo:"Wir wollen die besten Köpfe".

Salzburg - Der 8. September 2003 ist im Chronikbuch der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) und in der Bildungshistorie Salzburgs ein markantes Datum. An diesem Herbsttag haben die ersten 42 Studierenden den Unterricht begonnen. Zuvor konnte in Salzburg Medizin nicht studiert werden, Bemühungen seitens des Landes und des Bundes waren stets gescheitert. Das Gesetz, das die Gründung und Führung von privaten Universitäten erlaubt, trat 1999 in Kraft. In Salzburg nahmen daraufhin eine Hand voll Ärzte des Landeskrankenhauses die Chance wahr und initiierten den Aufbau einer privaten Medizin-Uni.

Die Idee

Der Rektor der PMU, Prof. Dr. Herbert Resch, formulierte damals:"Meine Vision ist eine Universität mit einem neuen Geist, beseelt durch neue Lehrmethoden, neues Lernen, innovative Forschung. Trotz der Notwendigkeit einer guten Organisation wird freies Denken existieren. Die PMU wird junge Leute nach Salzburg ziehen und den Geist der Menschen, die im Spital arbeiten, grundlegend verändern und auch die gegenwärtige Medizinerausbildung in Österreich".

Was ist anders an der PMU?

Als Ziel wird angestrebt, die Absolventen zu handlungskompetenten Doktoren der gesamten Medizinischen Heilkunde auszubilden. Diese sollen in der Lage sein, den Anforderungen, die aus neuen Erkenntnissen einerseits und den immer höher werdenden Erwartungen des Patienten andererseits entstehen, gerecht zu werden. Zusätzlich wird es in Salzburg die Möglichkeit geben, dass Mediziner im Rahmen eines zweiten Studienganges, dem Ph.D-Programm für Molekulare Medizin, Spezialwissen erwerben.

BewerberInnen und Studiendauer

Die Bewerber um einen Studienplatz werden nach strengen Kriterien in einem schriftlichen Test und einem Hearing ausgewählt. Für den ersten Jahrgang hatten sich knapp über 400 angemeldet. Für den im Herbst startenden 2. Jahrgang erhöhte sich die Zahl der Interessenten auf 450. Das Studium ist auf fünf Jahre verkürzt (sechs an den öffentlichen Universitäten). Die Ferienzeiten sind knapper bemessen. Die angehenden Ärzte werden in Kleingruppen von zwei bis sieben Studenten unterrichtet.

Neue Ausbildungsansätze

Der Kontakt zum Patienten erfolgt schon im ersten Jahr durch das Bed-Side-Teaching. Die Studierenden erfahren eine intensive Ausbildung in enger Zusammenarbeit mit den Lehrenden und am Krankenbett. Im Vordergrund der Ausbildung steht der medizinische Globalansatz des fächerüber-greifenden und vernetzten Denkens und Handelns. Der Patient wird in seiner Gesamtheit, eingebettet in sein Umfeld (Familie) und seine Umwelt (Lebensraum) in Diagnose und Behandlung berücksichtigt. Die Studenten befinden sich in ständigem Dialog mit den Ärzten und in gegen-seitiger Beobachtung. Jede Unterrichtsstunde wird seitens der Studenten evaluiert. Alle Lehrenden der PMU müssen sich einem didaktischen Tutorenkurs unterziehen, bevor sie unterrichten dürfen. Die Lehrenden sind gefordert, Frontalunterricht ist out.

Als Hauptort des klinischen Unterrichts fungieren die Kliniken der Salzburger Landeskranken-anstalten. Insgesamt kooperiert die PMU mit 15 Krankenhäusern in Salzburg und der Region, sowie mit Bayern. Die vorklinischen Fächer werden an der Naturwissenschaftlichen Fakultät (NAWI) der Paris Lodron Universität abgehalten. Auch in der Forschung arbeitet die Paris Lodron Uni mit der PMU zusammen.

Kooperation mit der Mayo Klinik

Der dichte Studienplan soll aber nicht die Persönlichkeitsbildung auf Humanmedizin verkommen lassen. Professoren und andere Persönlichkeiten stehen den jungen Studenten als Mentoren zur Seite, auch abseits des Unterrichts.

Im Lehrplan ist im vierten Jahr ein Forschungs-trimester (17 Wochen) vorgesehen. In dieser Zeit können sich die Studenten auf ihre Dissertation vorbereiten, aber auch an die berühmte Mayo Medical School nach Minnesota (USA) gehen. Es wurde offiziell eine Kooperation unterzeichnet, die Studenten- und Lehreraustausch beinhaltet, ebenso wie die Entwicklung neuer Lehrmethoden.

Die Finanzierung

Ein Drittel des Gesamtbudgets über fünf Jahre (rund 25 Mio. Euro) wird vom Land Salzburg, der Stadt und den Gemeinden getragen. Den politisch Verantwortlichen ist es wichtig, dass diese Universität Spitzenmedizin in Salzburg (Habilitation ist möglich) garantiert und auch keine Forschungskompetenz mehr abwandern wird. Zwei Drittel des Budgets werden durch Studien-gebühren und private Sponsoren (derzeit 38 Mäzene und Unternehmen) finanziert.

Die Studiengebühren

Sie betragen pro Jahr 8000 Euro. Sozial bedürftige Studenten werden von der Universität aus einem von Sponsoren gespeisten Finanztopf unterstützt. Im ersten Jahrgang erhalten 14 Studenten finanzielle Hilfe.

Neue Lehrstühle

In wenigen Monaten wird die Uni ein eigenes neues Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Landesklinikum haben. Neue Lehrstühle, die in Salzburg noch nicht vorhanden waren, sind bereits installiert, die Anatomie, die muskuloskelettale Forschung, sowie die Physiologie. Der Lehrstuhl für Pharmakologie wird 2005 besetzt. Das Wort "Zukunftsprojekt" wird oft im Zusammenhang mit der PMU erwähnt. Sporen, die in den kommenden Jahren verdient werden müssen. (kGru)

  • Ärzte bei ihrer Arbeit im Operationssaal
    christian fischer/der standard

    Ärzte bei ihrer Arbeit im Operationssaal

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