Zeitung im Besitz hunderter Fotos und Videos - Sadistischer Charakter übersteigt Ausmaß der bisherigen Veröffentlichungen
Washington - Neue schockierende Details über
Misshandlungen von irakischen Gefangenen durch US-Soldaten im
Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad sind am Freitag in der "
Washington
Post" veröffentlicht worden. Der Zeitung liegen nach eigenen Angaben
Kopien von Erklärungen über Folterungen vor.
Die Häftlinge schilderten, Gefangene seien wie Tiere geritten
worden und von Soldatinnen sexuell unsittlich berührt worden.
Außerdem seien sie gezwungen worden, ihre Nahrung aus Toiletten
herauszuholen. Ferner seien sie heftig verprügelt und häufig sexuell
gedemütigt worden. Zudem seien sie zum Verzehr von Schweinefleisch
und zum Trinken von Alkohol gezwungen worden. Beides ist Muslimen
verboten.
Die Erklärungen stammten von 13 Gefangenen. Sie seien Mitte Jänner
gemacht worden, kurz nachdem ein Soldat Militärermittlern über die
Vorfälle berichtet hatte. Die Vorfälle hätten sich während der
Nachtschicht in einem Teil des Abu Ghraib Gefängnisses im Fastenmonat
Ramadan ereignet.
Sadistische Praktiken
Die "Washington Post" berichtete am Freitag, sie sei im Besitz von
Hunderten Fotos und Videos, die den physischen und seelischen
Missbrauch der Häftlinge in dem Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad
belegten. Die Folterszenen gingen in ihrem sadistischen Charakter
weit über das hinaus, was an Bildmaterial bisher an die
Öffentlichkeit gelangt sei. Dabei sei eine Reihe abstoßender
Foltermethoden zu sehen, und Wärter, die bei den Misshandlungen ihr
Vergnügen zur Schau trügen.
Auf einem Foto, das die Zeitung auf ihrer Internetseite
veröffentlichte, ist ein Soldat zu sehen, der einen Knüppel vor einem
nackten Gefangenen schwingt, der an den Füßen gefesselt und mit einer
braunen Substanz beschmiert im Gefängnisgang steht. In dem am Freitag
veröffentlichten Artikel beschreibt die "Washington Post" auch
mehrere Szenen, die auf den Folterbildern zu sehen sein sollen, ohne
jedoch die Bilder selbst zu veröffentlichen.
Nach dem Bericht der "Washington Post" ist auf einem der Fotos in
ihrem Besitz ein Soldat zu sehen, der einen Häftling inmitten eines
Menschenknäuels triumphierend im Schwitzkasten hält. Auf einen
anderen Foto kniet er auf dem Menschenhaufen und lässt mit breitem
Lächeln seine Oberarmmuskeln spielen. Ein gefesselter Gefangener sei
auf einer Aufnahme dazu gezwungen worden, mit einer Banane
Analverkehr zu simulieren. Auf einem anderen Foto seien nackte
Gefangene abgebildet, die aneinander gefesselt seien. Auf einem
Videoclip sind der Zeitung zufolge mehrere nackte Gefangene zu sehen,
denen Kapuzen über den Kopf gestülpt wurden, bevor sie im Halbdunkel
vor einer Wand zum Masturbieren gezwungen wurden.
Die bisher verbreiteten Fotos über Misshandlungen aus der
Haftanstalt Abu Ghraib hatten weltweit Empörung ausgelöst und die
Regierung der USA unter massiven innen- und außenpolitische Druck
gesetzt. In einem ersten Verfahren war am Mittwoch ein
US-Militärpolizist in Bagdad zu einer Höchststrafe von einem Jahr
verurteilt worden. Gegen drei weitere Kollegen laufen Prozesse, in
denen den Angeklagten höher Haftstrafen drohen. (APA/dpa)