Zeit der flexiblen Arbeitsnomaden

29. Juli 2004, 10:57
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Fünf Personalentscheider über aktuelle Trends am Arbeitsmarkt - Fazit: Jeder muss noch flexibler werden

Welche Trends sehen die Human-Resources-Verantwortlichen international tätiger Unternehmen im IT-Bereich? Wie sehen die Arbeitsplätze der Zukunft aus? Welchen Status hat das Thema Work-Life-Balance in Unternehmen? - Das waren die Schwerpunktthemen des Gesprächs mit Human-Resources-Manager, einer Strategin, einer Personalberaterin und einem Vorstand aus international tätigen Betrieben.

Michael Würzelberger, Human-Resources-Manager des Raiffeisen Informatik Zentrums (RIZ), sieht einen Trend im IT-Sektor bei Spezialisten besonders im Managen komplexer Projekte und im Sicherheitsbereich. "Wir suchen vor allem Mitarbeiter mit Berufserfahrung, die sich sehr rasch in ein neues Team integrieren und mit kurzzeitigen Projekten betraut werden können. Vor allem aber suchen wir Mitarbeiterpersönlichkeiten, die sich auch wissensmäßig immer weiterentwickeln."

Lydia J. Goutas, Mitglied der Geschäftsführung bei Lehner Executive Partners, verweist auf internationale Statistiken, wonach es derzeit bei der Suche von Mitarbeitern vor allem einen Trend zu jungen Leuten der "Generation Y" mit hoher Sozialer Kompetenz und mit Beraterqualitäten, gibt. Für diese wird auch das Thema Work-Life-Balance zunehmend eine wichtigere Rolle spielen, meint die Beraterin. "Die Mitarbeiter identifizieren sich heute nicht mehr nur ausschließlich über ihre Arbeit. Sie erwarten außerdem von ihrem Vorgesetzten einen moderneren Managementstil: Aufgaben werden nicht sofort erledigt, sondern zunächst einmal hinterfragt - und diskutiert."

Motivation von Mitarbeitern im IT-Bereich wird immer schwieriger. Alfred Raderer, Vorstand von IDS Scheer Plaut Austria, motiviert seine Mitarbeiter am besten mit neuen, spannenden Projekten. Außerdem ist Raderer der Meinung, dass Flexibilität - gerade im IT-Sektor - zunimmt: "Fixe Arbeitsplätze gibt es nicht mehr. Fix angestellte kombiniert mit externen Mitarbeitern zeigen die Wichtigkeit von guten Netzwerken. Flexibel ist auch die Arbeitszeit zu sehen - es kann schon lange Nächte geben." Raderer fügt jedoch auch hinzu, dass sich die Berufsbilder in seiner Branche ständig verändern. "Es kann passieren, dass sich innerhalb ein und desselben Unternehmens eine Position temporär verändert: Der Abteilungsleiter wird zum Mitarbeiter, der Mitarbeiter zum Projektmanager und so weiter."

Elisabeth Pullez, Human-Resources-Manager Europe bei Reichhold Chemie, sucht vor allem internationale Koordinatoren, also Mitarbeiter, die mehrere Sprachen beherrschen - vor allem europäische Sprachen - und bereichsübergreifende Kommunikatoren sind. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass neue Projekte neue Hierarchien bringen. Daher müssen wir viel offener und flexibler werden in Sachen Karriere: einmal der Vorgesetzte, einmal der Mitarbeiter."

Auch in der Telekombranche ist Work-Life-Balance ein wichtiger Trend. Ulrike Domanig, Strategic Development Manager bei der Mobilkom Austria, schildert ein neues Pilotprojekt: "Derzeit haben wir 70 Mitarbeiter im Vorstandsbereich, im Marketing, im Vertrieb und in der Marktforschung, auf ,mobile working' umgestellt. Sie wurden von uns mit GPRS-tauglichen Handys und Laptops ausgestattet und arbeiten von unterwegs oder zu Hause aus - mit ständigem Reporting an uns in die Zentrale. Unser Ziel ist es, dieses Projekt in der gesamten Mobilkom auf alle 500 Mitarbeiter auszurollen."

Wie Work-Life-Balance-orientiert die Mobilkom derzeit sind, zeigen die Arbeitsplätze: Seit kurzem, berichtet Domanig, gebe es in jedem Stockwerk mehrere Konzentrations- und Ruhezonen, in denen man entspannen kann - zur effizienteren Kommunikation hat jeder Mitarbeiter eine Webcam. (Der Standard, Printausgabe 15./16.5.2004)

Das Gespräch moderierte Gabriele Lehner, Geschäftsführerin von Lehner Executive Partners.

Von Judith Grohmann
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