Massachusetts sagt Ja zur Homosexuellen-Ehe

8. Juli 2004, 20:53
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Lesben und Schwule dürfen jetzt an der US-Ostküste heiraten. Ob die Verbindungen rechtlich Bestand haben werden, ist aber offen

Boston - Hunderte Paare warteten im Regen, manche von ihnen 24 Stunden lang: Das Standesamt in der als politisch liberal geltenden Universitätsstadt Cambridge in Massachusetts (USA) begann Montag gegen null Uhr mit der Ausgabe von Heiratsanträgen an Lesben und Schwule.

In Massachusetts ist jetzt die Homosexuellen-Ehe erlaubt. Derzeit bietet kein anderer Ort in den USA gleichgeschlechtlichen Liebespaaren die Möglichkeit, rechtsgültig zu heiraten. Die weltweit bekannt gewordene Initiative des Bürgermeisters von San Francisco (Kalifornien) war ohne rechtliche Folgen für die neuen EhepartnerInnen.

An der US-Ostküste liegen die Dinge anders. Der Oberste Gerichtshof von Massachusetts entschied in einem Aufsehen erregenden Urteil im November des vergangenen Jahres, dass es diskriminierend und gegen die Verfassung des Bundesstaates ist, wird dort zwei Männern oder Frauen die Trauung versagt.

Das Parlament wurde angewiesen, gesetzliche Voraussetzungen zur Zulassung der Homosexuellen-Ehe ab dem 17. Mai 2004 zu schaffen. Im März stimmten die ParlamentarierInnen ab - für eine Verfassungsänderung, die Homosexuellen-Ehen ausdrücklich verbietet. Diese Änderung kann aber frühestens in zwei Jahren wirksam werden. Wie die bis dahin im Bundesstaat geschlossenen Homosexuellen-Ehen dann zu behandeln sind, ist eine offene Frage.

In Oregon gibt es darauf vielleicht schon eine Antwort. In diesem US-Bundesstaat durften Lesben und Schwule heiraten, bis RichterInnen dies vor kurzem stoppten. Ein Einzelrichter befand im Zuge dieser Debatten jedoch, dass die bisher dort geschlossenen Ehen gültig seien. Ein Spruch des Höchstgerichts steht aus.

Gerichtlich gestoppt wurden die Homosexuellen-Ehen unter anderem auch in San Francisco und in New Paltz im Bundesstaat New York.

Landesweit arbeiten PolitikerInnen derzeit an Verfassungsänderungen, um die Ehe klar als Verbindung zwischen Mann und Frau zu definieren. Dafür hat sich auch Präsident George W. Bush ausgesprochen. Sein demokratischer Herausforderer John Kerry, der aus Massachusetts stammt, lehnt gleichgeschlechtliche Ehen zwar auch ab, will aber durch Änderungen in der Rechtssprechung diesen Paaren mehr Rechte einräumen.

Um Heiratstourismus zu verhindern, will sich der Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, auf ein Gesetz von 1913 berufen, wonach nur Einheimischen die Eheschließung erlaubt ist. Eine Willenserklärung, in Massachusetts leben zu wollen, genügt, um Einheimische zu sein. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom18.5.2004)

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