Kopf des Tages: "Schoko" Schachner

6. Juli 2004, 13:37
14 Postings

Schoko ist das Menü gegen die "goldene Regel"

Als Walter Schachner 1981 zu Cesena in die Serie A wechselt, wünschen ihm die meisten laut viel Glück und denken sich leise, er möge nicht zu sehr enttäuscht sein, wenn er bald wieder heimgeschickt wird. Als Schachner im Jänner 1999 beim Landesligisten Zeltweg als Trainer beginnt, sind alle sehr gespannt - und dann überrascht, als er die Regionalliga durchmarschmäßig gewinnt. Kaum steht er als Meister fest, übernimmt er den FC Kärnten und führt ihn in die oberste Spielklasse.

Als Stronach ihn zur Austria holen lässt, befinden sich die Ungläubigen endgültig in der Minderheit. Damals schon ist Schachner Kopf eines Mitarbeiterstabes, der seit seinem Amtsantritt im Oktober 2002 beim Tabellenletzten GAK auch Psychologen umfasst. Stronach, der laut Schachner den Deutschen Christoph Daum gar nicht kannte, lässt ihn ziehen und ein Ziel ansteuern, das Schachner am Samstag erreicht hat.

Schachner hat mit dem GAK den Fußballmeistertitel gewonnen und die weit reichere Austria mit ihrem geschätzt dreifachen Budget besiegt. Er hat Stronachs "goldene Regel" außer Kraft gesetzt. Sie besagt, dass der, der das Gold hat, auch die Regel macht. Schachner weiß, wie das geht, weil er als Spieler nicht so talentiert war wie Herbert Prohaska und Hans Krankl, sich aber viel länger an den reichen Fleischtöpfen einer ausländischen Liga gelabt hat. Er hat besser auf sich aufgepasst, und er hat besser aufgepasst.

Schachner (47) hat seine Spielerkarriere als 41-Jähriger bei Eintracht Wels beendet, als sich schon alle darauf einstellten, dass er das nie schaffen würde. Schon sein berühmtestes Tor, der Wuchtschuss gegen Spanien bei der WM 1978, war eine Demonstration, ihn nicht zu unterschätzen. Teamchef Senekowitsch nahm ihn als einzigen Kicker der zweiten Liga (Donawitz) nach Argentinien mit. Der Nobody nahm seine Chance wahr, wechselte zur Austria, wurde dreimal Meister (1979-81), einmal Cupsieger ('80), zweimal Torschützenkönig, spielte 64-mal im Team und schoss dort 23 Tore.

Ob Schachner die Zone der Unterschätzung verlassen hat? Die Trainer der "78er-Generation" erwecken bis jetzt einen gemischten Eindruck. Herbert Prohaska wurde mit Austria Meister und fuhr als Teamchef zur WM-Endrunde 1998; Pepi Hickersberger erreichte die WM 1990; Kurt Jara scheiterte mit dem FC Tirol an der Champions League und dann beim HSV; Hans Krankl brachte als Rapid- und Teamchef nichts zusammen. Der VfB Stuttgart hat mit Schachner geredet, der bleibt angeblich beim GAK. Er wird den Sprung ins internationale Geschäft gut vorbereiten. Wahrscheinlich arbeitet keiner professioneller, fleißiger, gründlicher als er. Eine andere goldene Regel lautet, dass der Erfolg viele Väter hat, in Schachners Fall heißen alle Schachner. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 17.05.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Walter Schachner

Share if you care.